Lest das Interview zu "About To Find Solace In Your Arms" von TRAUMA GLOW bei krachfink.de

5 Fragen an Trauma Glow zu “About To Find Solace In Your Arms” – Interview

In weniger als 15 Minuten hinterlassen TRAUMA GLOW aus Wien mit ihrer EP “About To Find Solace In Your Arms” mächtig Eindruck, reißen ein interessantes Spannungsfeld aus Shoegaze, Grunge und Indie-Punk auf, das zu Tode betrübt klingt und gleichzeitig heilsam wirkt. Die Band war bereit eine Handvoll Fragen zu beantworten, ihre Antworten lassen ein klares Bild davon entstehen, wohin TRAUMA GLOW mit ihrem Sound wollen, was ihnen wichtig ist und wie viel Liebe zum Detail in dieser Veröffentlichung steckt.

Wie kam es zu der Band TRAUMA GLOW, wer ist dabei, wann habt ihr angefangen zusammen Musik zu machen und wer macht was?

Julian: Die Idee, gerne Musik im Kontext einer Band zu schreiben, hatten Arthur und ich irgendwann im Herbst 2021, jedoch ohne ein genaues musikalisches Ziel vor Augen zu haben. TRAUMA GLOW war nicht nur für jeden von uns das erste Bandprojekt, für Luke war es zum Beispiel auch der Grund, um Bass zu lernen. Einer langen Suche nach einer Person für die Drums, vielen Demos, einer misslungenen Recording-Session Anfang 2023 und den daraus entstandenen Komplikationen später, haben wir uns dann im Frühling selbigen Jahres nochmals überdacht und letztendlich als TRAUMA GLOW (wieder-)gefunden. Arthur und ich an den Gitarren, Luke am Bass und Chico den Drums. Im Bandraum gibt es auch nur eine einzige Regel: Wir jammen nicht. Erste Song/Riff-Ideen entstehen Zuhause, zusammengefügt und probiert wird dann gemeinsam.

Arthur: Julian und ich haben uns im Studium kennengelernt. Irgendwann hat er mir ein Foto von seinen Mitschriften geschickt und ich sprach ihn auf die Gitarre an, die im Hintergrund des Bildes zu sehen war. Mit Luke sind später dann die ersten Proben entstanden, wir alle haben aber noch nie in einer Band gespielt, weshalb Koordination ein großes Problem war. Chico war am schwierigsten zu finden. Er hatte mit 18 sein Drumkit verkauft, um in Deutschland zu studieren. Als wir zum ersten Mal zusammen geprobt haben, hat er seit 8 Jahren keine Sticks mehr in den Händen gehalten.

Der Bandname TRAUMA GLOW lässt darauf schließen, dass ihr den Anspruch hattet, etwas Schlechtes zu etwas Gutem zu drehen. War das euer Anspruch ans gemeinsame Musikmachen und habt ihr auch schon eine Idee, wo es hingehen könnte?

Julian: Der Bandname TRAUMA GLOW fühlte sich zum ersten Mal richtig und dauerhaft an und schaffte es über die Zeit, für uns selbst interessant und vielschichtig zu bleiben. Ich hoffe, dass genau an den Schnittstellen objektiver und nicht näher definierbarer Verletzungen, welche jede*r von uns zwangsläufig erfahren haben muss, unsere Musik ansetzen kann.

Arthur: Der Bandname lässt sich eigentlich beliebig drehen und deuten. Ich lese einerseits das schwache Schimmern des Traumas selbst hinein, vor allem aber eine prägende Erschütterung, aus welcher etwas Neues oder sogar etwas Besseres herausbricht. Dass aus etwas Schlechtem etwas Gutes wird, ist also nicht falsch. Auch wenn unser Songwriting sehr intuitiv ist, hört man in einigen Kompositionen, wie sich disharmonische oder sogar unangenehme Elemente in balladenhafte, melancholische Flächen verwandeln. Zumindest sollen sie das. Man könnte sagen, dass es unter anderem ein Anspruch ist, in jedem Song eine Entwicklung darzustellen – instrumental oder lyrisch. Mit jeder Probe, mit jedem neuen Song und mit jedem Gig machen wir Sprünge in eine unbestimmte Richtung. Wegweisend ist dabei die aktuelle Musiklandschaft und alles, was uns daran gefällt. Wir absorbieren geradezu den Sound nordamerikanischer Bands und deren vielschichtige Subkultur.

Lukas: Ich denke primär ging es uns nicht darum, etwas Schlechtes zum Guten zu drehen, sondern eine Art Ventil für uns zu finden, um uns auszudrücken und „etwas Schlechtes“ gemeinsam durchzustehen und zu akzeptieren.

Den Sound würde man hauptsächlich dem Shoegaze zuordnen, auch wenn er Fragmente von Grunge und Indie enthält. Shoegaze hat ja tatsächlich den Ursprung aus dem Klischee, dass die Musiker und Musikerinnen bei Konzerten selbstvergessen auf die Schuhe starren. Wie läuft es auf euren Konzerten bisher ab?

Julian: Nachdem wir uns im letzten Jahr oft mit der Frage der (eigenen) Genre-Zuschreibung auseinandersetzen mussten, geben wir uns mittlerweile wohl eher mit Bezeichnungen wie “emo-slowgaze” oder ähnlichen Subgenres zufrieden. Spaß, ernsthaften Shoegazern dürfte vermutlich ein Blick auf die Bühne und unseren drei bis vier Pedals genügen, um uns nicht mehr dem inneren Shoegazer-Kreis zuzuordnen. Bei mir heißt es also für die Füße: entweder Muff an oder Muff aus, der Rest bleibt eigentlich immer an. Ich würde aber gerne “unusual music to stagedive to” als neuen Trend etabliert sehen – macht mal!

Lukas: Wobei man hier schon anmerken muss, dass bei den ersten Konzerten viel auf die eigenen Füße gestarrt wurde. Das ist aber eher der damaligen Aufregung geschuldet.

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TRAUMA GLOW, Foto von Florian Teubner

Eure EP heißt “About To Find Solace In Your Arms”, findet ihr selbst Trost in der Musik und falls ja, könnt ihr Beispiele nennen?

Francisco Valenca Vaz: Der Titel spielt mit zwei vordergründigen Assoziationen. Die erste ist offensichtlicher: die Hoffnung, Trost in den Armen einer Person oder sogar in der Musik zu finden. Die zweite ist subtiler und bezieht sich auf Konsumgewohnheiten. Zum Beispiel kann das Tragen eines bestimmten Kleidungsstücks ein Gefühl von Trost vermitteln, ähnlich dem Gefühl, durch ein Schaufenster zu blicken und zu überlegen, ob die Kleidung zu einem passt – etwas wie “about to happen”, aber noch nicht passiert ist. Wenn ich neue Kleidungsstücke trage, fühlt es sich wie eine Umarmung an, eine Täuschung der Erneuerung, wenn man seinen älteren Körper mit neuen Stücken bedeckt.

So verarbeitet der EP-Titel unsere eigene körperliche Fragilität und setzt diese mit möglichen anti-kapitalistischen Wünschen in Bezug. Im Endeffekt übersetzt die Dummy-Figur auf dem Coverbild, die wie eine Schaufensterpuppe aussieht, all diese Gedanken in eine vergangene und digitale Welt, in der der Körper zu einer flachen und digitalen Oberfläche/Textur geworden ist. Es geht um eine allgemeine Verbindung zu Konsumgütern; diese Assoziationen mögen pessimistisch klingen, aber sie haben oft eine heilende Wirkung.

Julian: Ich glaube, die Wirkung von Musik, ob ich sie jetzt selbst schreibe oder konsumiere, verhält sich bei mir relativ ähnlich. Beides spendet eher weniger Trost, als dass es mir die Möglichkeit bietet, mich erneut mit Erinnerungen und Erfahrungen auseinandersetzen zu können. Manchmal aber auch einfach den Status-quo an vorhandenen Gefühlen pusht. Wenn ich zum Beispiel CONSERVATIVE MILITARY IMAGEs “Yard Hard” in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit höre, freue ich mich auf jeden Fall immer auf einen langen Arbeitstag (lacht).

Lukas: Ich würde es schon als eine Art Trost beschreiben, oder zumindest stärkend, beziehungsweise erdend. Für mich ist das ohne Zweifel “Feast of Love” von PITY SEX.

Erzählt mir bitte was zu eurem Artwork, es zeigt eine rote Silhouette. Rot steht für Wärme, aber auch für Gefahr, Kraft, Lebensfreude und Dynamik, habt ihr euch daran orientiert und wie wichtig ist euch selbst die Optik einer Veröffentlichung?

Francisco Valenca Vaz: Unser Cover hat einen helleren Grauton mit weniger Kontrast, so sieht es aus, als wären die Druckfarben von der Sonne verblasst oder als wäre das Bild einer Art Überbelichtung ausgesetzt gewesen. Die Figur auf dem Cover stammt aus einer Auswahl von Leon Sahitis Videokunst, einem Künstler aus Bremen, und für dieses Bild haben wir unsere eigene Typografie entwickelt, die auch auf dem demnächst erscheinenden Vinyl (Supervillan Records) zu sehen sein wird. Neulich haben wir eine kleine Auflage an Postern und sogar eine Fingerskateboard-Rampe (Kassetten-Edition) veröffentlicht, die auch außerhalb der Musikszene sehr gut ankam. Solche Ideen sind witzig, unerwartet und limitiert; letztendlich auch kollektive Kunstwerke von uns. Na ja, wir versuchen einen Gesamteindruck zu vermitteln, der nicht ganz zu unserem Musikgenre passt, um ein gewisses Misstrauen oder Neugier bei den Zuhörer*innen zu wecken, weil das, was wir sehen oder hören, sich gegenseitig ergänzt.

Lukas: Das Artwork einer Veröffentlichung steht in der Rangliste bei uns ganz knapp hinter der Musik selbst, wenn nicht an gleicher Stelle. Haben wir uns für ein gewisses Design entschieden, lassen wir das meistens über Wochen so im Raum stehen, nur um kontrollieren zu können, ob es der Zeit wirklich standhalten kann und für uns weiterhin spannend bleibt. Mit Songs und Artworks, welche diesen Prozess nicht überlebt haben, könnten wir sicherlich eine ganze LP veröffentlichen.

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