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Ago – Chroma – Review

Als sich die Band AGO aus Stuttgart /Berlin bei mir meldet, um ihr neues Album “Chroma”, einen Mix aus New Wave, Synth Pop und Electronica vorzustellen, reicht ein Name, um mich sofort zu triggern: Ralv Milberg. Der hat AGO produziert und steht in meinen Ohren für guten Geschmack. Ohne grundsätzlich von dieser Vorgehensweise abgetörnt zu sein, ist das Zeitfenster, in dem man mich mit (überwiegend) instrumentaler Musik begeistern kann, klein und unregelmäßig geöffnet. AGO überzeugen aber sofort mit voluminöser Düsternis und stimulierenden Klangexperimenten. Wo bei anderen Bands ein Ton nur ein schlichter Ton ist und bleibt, reizen AGO alle Varianten bestmöglich aus.

AGO, 2021

Musik, die Bilder erzeugt

Das schafft seltsame Assoziation, in “Falling feat. Dmitry Polikov) scheinen sich die Rhythmen wie beim traditionellen Solitär überspringen (zu müssen). Im folgenden “Horia” blickt man erschrocken Richtung Tür und Fenster, weil die Synthietöne so frei zu fliegen scheinen, dass man befürchtet, sie könnten fliehen. PORTISHEAD sind eine der ersten und stärksten Assoziationen, die mir sofort in den Sinn kommen. “Illusion” wird dem Namen gerecht, denn obwohl die Psyche eher Moll und somit Unheil wahrnimmt, haben die Synthies doch den Schelm in Nacken. Dadurch entsteht eine irritierende Dissonanz aus Angst und gut gelauntem Übermut.

Interessante Variante von anders

Selbst wenn man “Chroma” eine gewisse Struktur nicht absprechen kann, dann folgt es doch nicht denen, auf die wir uns im Hinblick auf Massentauglichkeit geeinigt haben. Ganz instrumental bleiben AGO doch nicht, denn Meike Boltersdorf, Nursel Kale und der israelischen Sänger Dmitry Polykov steuern Gesang und Spoken-word-Beiträge bei. Da diese meistens in Sprachen verfasst wurden, die mir nicht geläufig sind, erfolgt auch das eher auf einer intuitiven und weniger inhaltlich verwertbaren Ebene.

Es ist nicht ganz klar, ob AGO die Musik machen, um die Flugzeit zu fremden Planeten zu überbrücken oder es eher die Musik und Atmosphäre, sein soll, die uns nach der Landung erwarten könnte. “Chroma” verbreitet auf jeden Fall eine interessante Andersartigkeit, die mal beklemmt und dann wieder neugierig für Erkundungen macht. Eine musikalische Grenzerfahrung, die sich nicht vollends erklärt und unbemerkt eine Bewusstseinsebene tiefer schmuggelt.

Dauer: 34:10
Label: Eigenproduktion
VÖ: Juli 2021

Tracklist “Chroma” von AGO
Ra
Glowing (feat. Meike Boltersdorf)
Illusion
Odessa
Cassiopeia
Montreal (feat. Nursel Kale)
Falling (feat. Dmitry Polykov)
Horla
Dogma (feat. Dmitry Polykov)
Dawn (feat. Nursel Kale)

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