Lest die Review zu "Les Chants de l'Aurore" von ALCEST bei krachfink.de

Alcest – Les Chants de l’Aurore – Review

Man mag der neuen, siebten Platte von “Les Chants de l’Aurore” von ALCEST umgehend das Label “schön” anheften. Dabei ist das kein Adjektiv, das einem per se bei Blackgaze einfällt, denn natürlich zerhacken gutturaler Gesang und schnittiges Riffing so manche pastellfarbene Harmonie und führen weg vom konventionellen “schön”. Als Fan ist es nicht schwer, Zugang zu Neiges und Winterhalters neuem Werk zu finden, die beiden orientieren sich eingangs an älteren Platten wie dem mittlerweile schon 10 Jahre alten “Shelter”, das Songwriting ist im späteren Verlauf etwas ausgereifter als bisher.

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ALCEST 2024, Foto von Andy Julia über Nuclear Blast

Erstmal ankommen, erstmal einfühlen

Die Eröffnung von ALCESTs “Les Chants de l’Aurore” hätte nicht besser gewählt werden können. Gewaltig und dramatisch ertönen die ersten Klänge von “Komorebi” – auf japanisch “Sonnenlicht, das durchs Blätterdach fällt” – und sofort mag man sich einstimmen, auf die nun folgende Art von sphärischem Metal. Ziemlich schnell ziehen die Drums an, werden aber von hellen Chören in Schach gehalten und schnell wieder gestoppt. Wer ALCEST bereits live erleben dürfte weiß, dass sich bei diesem Song die Nackenhaare aufstellen werden. Tatsächlich gelingt es dem Duo, die Gedanken sofort von der Gegenwart wegzuführen, den Drang die einzelnen Genre-Fragmente zu identifizieren hat man nicht mehr. Die Ausstrahlung der Musik ist enorm bezirzend und in manchen Momenten – vor allem über Kopfhörer – schlichtweg überwältigend.

ALCEST bauen einen schönen Spannungsbogen

Nachdem ALCEST uns also mit den ersten beiden Songs auf “Les Chants de l’Aurore” behutsam eingenordet haben, wagen sie auch erste Schritte abseits des bekannten Pfades. Hier zeigt sich deutlich, wie wichtig eine durchdachte Anordnung der Songs auf einem Album ist. Black Metal drängt sich in den Vordergrund, was bei den Franzosen kein gnadenloses Doublebass und gutturales Gekreische bedeutet. Stattdessen bauen die beiden Schicht für Schicht ein gewaltig eskalierendes Szenario mit Stil ab, bei dem Neiges Schreie wie eine Befreiung wirken und sich der Druck über viel subtilere Kleinteiligkeit ausdrückt.

Die acht Minuten in “Améthyste” lassen natürlich angemessen Raum, um clever mit den Stimmungen zu spielen. Das folgende “Réminiscence” erfüllt dann wohl in erster Linie die Funktion eines Neutralisators. Lautmalerischer Gesang mit Hall, vereinzelte Streicher und Klavier kalibrieren uns neu ein, hier fehlt es aber deutlich an Tiefe.

Volle Aufmerksamkeit benötigt

Legt man die Artwork der bisherigen Diskografie nebeneinander, fällt auf, dass “Les Chants de l’Aurore” durch die Perspektiven und Farbgebungen etwas aus dem Rahmen fällt. ALCEST gehören auch weiterhin zu den wenigen Blackgaze-Bands, deren Songlängen selten unnötig ausufern und meistens nachvollziehbar erscheinen. Und so kriegt auch “L’Enfant de la Lune” noch die Kurve und gerade dann, wenn das Songwriting zu vertraut vorkommt, gibt es einen massiven Bruch und ALCEST nehmen neuen Anlauf.

“L’Adieu” ist das bewusste Cooldown der Platte, ein beruhigendes Instrumental, das uns auf 3,2,1 wieder aus dem ALCEST-Kosmos erwachen lässt. Wenn es überhaupt ein Manko gibt, dann wohl die Tatsache, dass auch “Les Chants de l’Aurore” die volle Aufmerksamkeit fordert und nicht nebenbei gehört werden kann.

Dauer: 41:02
Label: Nuclear Blast
VÖ: 21.06.2024

Tracklist “Les Chants de l’Aurore” von ALCEST
Komorebi
L’Envol
Améthyste
Flamme Jumelle
Réminiscence
L’Enfant de la Lune
L’Adieu

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