Antonia Baum Eminem

Antonia Baum – Eminem – Review

Die Autorin und Journalistin Antonia Baum schreibt für die Kiwi-Musikbibliothek über den Rapper EMINEM. Das Besondere daran ist, dass sie schon einige feministische Texte verfasst hat und trotzdem auf die Musik in Kombination mit teilweise stark misogynen und homophoben Texten steht. Oder stand? Die Frage wie das zusammenpasst ist spannend, darüber hinaus hat sie noch weitere, interessante Gedanken zum Thema EMINEM und Rap festgehalten.

Zur richtigen Zeit geschossen

Der Erfolg von EMINEM war damals in vielerlei Hinsicht überraschend. Ein weißer Junge aus dem Trailerpark, präsentierte Amerika – und auch ziemlich schnell dem Rest der Welt – seine traurige Biografie mit einer drogenabhängigen Mutter und einer stark beschädigten Psyche. Ein Teil des Realität des amerikanischen Traums, auf die das Land ungerne ein Schlaglicht setzen wollte. Wenn einer gewinnt, verlieren mindestens fünf andere. Er diente damit aber den vielen anderen Betroffenen als Galionsfigur, mit einem Musikstil und Themen, die eigentlich überhaupt nicht für ihn vorgesehen waren. Das wiederum brachte ihm obendrein Kritik von einer Gruppe ein, die diese Form der Rebellion für sich alleine beanspruchte.

Früher vs. Heute

Antonia Baum konfrontiert sich anlässlich des Buches über EMINEM mit seinen aktuelleren Alben. Die Faszination der ersten drei Alben hat stark nachgelassen. Sie fühlt sich nicht mehr motiviert und verstanden, nicht von ihm als Lyriker inspiriert, sondern eher abgeschreckt von seiner Stagnation und die Äußerung seiner alten Denkmustern. Das führt sie zu der Frage nach der generellen Lebensdauer von Rapkünstlern. Und was ist eigentlich mit Rapkünstlerinnen?

Sie schreibt sehr ausführlich über den Song “Stan” und die mehrschichtige Bedeutung des Textes. Auch die unterschiedlichen Charaktere EMINEMs und was genau er damit zum Ausdruck bringen möchte, werden von ihr nachvollziehbar auseinander genommen. Wie vom Verlag geraten, nimmt sie Bezug auf ihre Jugend und ihre Art und Motivation, selbst Texte zu verfassen. Im Falle von Antonia Baum, scheint die Verehrung von EMINEM abgeflaut zu sein, sie rekapituliert eher. Und das gelingt ihr sehr gut, ohne entschuldigend zu werden oder den heutigen EMINEM abzuwerten. Ein schöner Beitrag, der besonders respektvoll auf Rap als Kunstform eingeht und dessen Möglichkeiten und Ausdrucksweisen verdeutlicht.

Seiten: 128
Verlag: KiWi-Taschenbuch
ISBN-10: 3462054392
ISBN-13: 978-3462054392
VÖ: 09.10.2020

Außerdem in der Kiwi-Musikbibliothek erschienen:
Anja Rützel über TAKE THAT
Thees Uhlmann über DIE TOTEN HOSEN
Tino Hanekamp über NICK CAVE
Sophie Passmann über FRANK OCEAN
Klaus Modick über LEONARD COHEN
Frank Goosen über THE BEATLES
Frank Goosen liest “Basement-Tapes” über THE BEATLES
Lady Bitch Ray über MADONNA
Chilly Gonzales über ENYA
Markus Kavka über DEPECHE MODE

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