Lest die Review zu "The Classic Symptoms Of A Broken Spirit" von ARCHITECTS bei krachfink.de

Architects – The Classic Symptoms Of A Broken Spirit – Review

Die einstigen Metalcore-Giganten ARCHITECTS aus England melden sich mit dem neuen Album “The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” zurück und nicht zum ersten Mal löst das nicht nur Begeisterungsstürme aus. Wir sind bei Studioalbum Nummer 10 angekommen und mindestens genauso oft habe ich die Band schon live gesehen, immer wieder vollends begeistert. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung von ARCHITECTS einige Fans auf der Strecke blieben und wehmütig nach hinten blicken.

Aber glücklicherweise ist das, was die erste Single “When We Were Young” andeutete, in Teilen wahr geworden. ARCHITECTS haben einige poppige Elemente zurückgefahren oder eher transformiert, sind von Industriezucker auf sanften Honig umgestiegen und auch in manchen Momenten wieder deutlich brachialer, wenn auch ganz anders dargeboten. Und man darf einfach nicht vergessen: Wenn Sam Carter dann mal brüllt, dann können beinahe alle anderen einpacken.

Living is killing us

Ob “The Classic Symptoms Of A Broken Sprit” von ARCHITECTS nun die Modern-Metal-Offenbarung ist oder nicht, hängt schlichtweg davon ab, ob man Team Chorus oder Team InYourFace ist. Wer eh beides mag, darf die Platte ungehört kaufen. Denn es gibt glücklicherweise einige Dinge, bei denen man sich im Falle von ARCHITECTS nie Gedanken machen müssen. Da wäre zum Beispiel die Produktion. Es ballert an den richtigen Stellen, die Flächen drücken uns an die Wand und wenn es metallisch wird, dann ist der ganze Synthie-Feenstaub in Sekunden weggeblasen. Das kommt dem cineastischen Ansatz wirklich zu pass.

Denn ARCHITECTS nutzen die elektronischen Möglichkeiten dieses Mal smarter, noch gezielter und eben auch zum Erzeugen von Druck und nicht nur Harmonien. Produziert wurde von Sam Carter selbst in den Deacon’s Middle Farm Studios und in den Electric Studios in Brighton. Auch auf die Texte ist Verlass, selbst wenn “living is killing us” erst wie ein Kalenderspruch wirkt. Im Kontext der Bandgeschichte hat das eine andere, tiefere Bedeutung.

Was wäre wenn…?

“All The Love In The World” ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Band mühelos auf der Laut-leise-Grenze balancieren kann, eben auch soundtechnisch, ohne ins Schwanken zu geraten. Stadiontauglich zum Feuerzeuge schwenken und auch gut geeignet, um sich wirklich rüde im Pit herumzustoßen und auf Bengalos zu wechseln. Auch der Opener “Deep Fake” reißt die Hörerinnen und Hörer mühelos in Stücke, was dem Inhalt durchaus angemessen ist. Wir kämpfen gegen das Unsichtbare, versuchen verzweifelt unsere Realität zu verteidigen, um uns irgendeine gemeinsame Grundlage zu bewahren. Stattdessen halten wir uns, längst süchtig davon, mit “Doomscrolling” bei Laune, schlechter wohlgemerkt, geben das Morgen auf, stecken uns mit Resignation an.

Im Finale Großalarm

Dass die Band mitdem abschließenden “Be Very Afraid” eine Art Großalarm auslöst, ist herrlich. Angenehm anarchisch und verspielt lärmen sie sich ins Finale, growlen alles in Grund und Boden, geben uns zum Abschied Prügel mit den Drums. So muss das. Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los, dass ARCHITECTS ihr Alleinstellungsmerkmal freiwillig aufgegeben haben und jetzt (wieder) in einen ungewollten Vergleich mit BRING ME THE HORIZON gehen, den sie vor einigen Jahren noch locker gewonnen hätten, jetzt aber knapp verlieren würden.

Aber ach, was schreibe ich hier, beeinflusst von nostalgischen Gedanken? Das letzte Album “For Those That Wish To Exist” erreichte die Spitze der UK-Charts. Mit diesem hier könnte und sollte es wieder gelingen. Und live kann ARCHITECTS eh niemand was.

Tracklist “The Classic Symptoms Of A Broken Spirit” von ARCHITECTS
Deep Fake
Tear Gas
Spit The Bone
Burn Down My House
Living Is Killing Us
When We Were Young
Doomscrolling
Born Again Pessimist
A New Moral Low Ground
All The Love In The World
Be Very Afraid

EU 2023 Tour, ARCHITECTS
Jan-5, 2023 Frankfurt, Jahrhunderthalle
Jan-6, 2023 Hamburg, Sporthalle
Jan-7, 2023 Dusseldorf, Mitsubishi Electric Hall
Jan-9, 2023 Munich, Zenith
Jan-10, 2023 Ludwigsburg, MHP Arena
Jan-12, 2023 Leipzig, Haus Auensee
Jan-13, 2023 Berlin, Columbiahalle

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