Between Bodies – Hands To Hold Each Other – Review
Man mag kaum glauben, dass „Hands To Hold Each Other“ erst das zweite Album der kanadisch-deutschen Punkband ist. Den Punk interpretiert die Band vielfältig, was alle Songs gemein haben, ist dieser unstoppbare Zug nach vorne. Alles an BETWEEN BODIES drängt vorwärts. Musikalisch oft tief verwurzelt im emotionalen Punk- und Indiesound der Neunzigerjahre, inhaltlich jedoch erschreckend gegenwärtig.
Die Songs greifen emotionale, gesellschaftliche und politische Missstände präzise und eindringlich auf, ohne dabei in bloße Resignation oder erhobene Zeigefinger zu verfallen. Stattdessen erinnert die Band daran, dass wir uns trotz allem noch immer gegenseitig haben. Dass die Menschen um uns herum Halt geben können. Und dass Zukunft nichts ist, das einfach passiert, sondern etwas, das wir gemeinsam mitgestalten können.

Freundschaft als Rettungsanker
„Water As A Metaphor“ ist ein spektakulärer Auftakt. Ein klickendes Geräusch, wie von aufeinanderprallenden Feuersteinen, gibt an einen stetig anschwellenden Chor ab, der von ekstatischen Drums angetrieben wird und dann nahtlos in das kraftvolle „Waves“ überschwappt. BETWEEN BODIES übersetzen Trauer in etwas Körperliches und Dauerhaftes und stellen ihr die Kraft von Freundschaft als Rettungsanker entgegen. Man wird mitgerissen von den Anekdoten über das Zusammensein, über gemeinsames Reisen, nächtelanges Reden, zusammen trinken, auf Sofas pennen und sich gegenseitig auffangen. Bei folkig eingefärbten Punksongs wie „Milli Writes On Hotel Walls“ unberührt zu bleiben, ist kaum möglich.
BETWEEN BODIES setzen mitnichten auf klebrige Refrains, sind aber trotzdem maximal griffig. Sie balancieren optimal zwischen Pop-Punk („Chandelier“) und kantigeren Passagen. Alles ist sehr paritätisch abgemischt, niemand steht im Vordergrund. BETWEEN BODIES sind eine Band und das spürt man deutlich. Die Instrumentalfragmente greifen blind ineinander, die Stimmen im Gesang überlagern sich harmonisch, wechseln sich passgenau ab und immer wieder überraschen BETWEEN BODIES mit ungewöhnlichen Übergängen.
Von persönlichem Leid und gesellschaftlichen Ursachen
„Hands To Hold Each Other“ von BETWEEN BODIES schafft einen ausgewogenen Spagat: musikalisch meist euphorisch und massiv antreibend, inhaltlich verknüpfen sie persönliches Leid mit gesellschaftlichen Ursachen. Ein Extrabussi geht an den Drummer, der jeden Moment für kleine Tricks nutzt, die die Musik tatsächlich maßgeblich pushen. Die Band stöbert uns auf, durchbricht die Lethargie mit ihrem Verständnis für erschöpfte und überforderte Gemüter. Nicht nur der Albumtitel deutet unmissverständlich darauf hin, dass uns eigentlich schon alle Mittel zur Verfügung stehen. Ein schlagendes Herz, Empathie und Hände, die man reichen kann.
Eine Band, der man glaubt
Irgendwo zwischen SPANISH LOVE SONGS, THE MENZINGERS, PRESS CLUB und THE GASLIGHT ANTHEM haben BETWEEN BODIES aber ihre ganz eigene Ausdrucksweise gefunden: politisch klar, empathisch und poetisch. Leider geht dem Album im zweiten Drittel etwas die Puste aus und den Schwung des fulminanten Auftakts können BETWEEN BODIES nicht durchweg halten. Das muss erwähnt werden, tut dem Genuss aber keinen wirklichen Abbruch. „Hands To Hold Each Other“ von BETWEEN BODIES besticht dadurch, dass man der Band ihre Songs glaubt. Das ist wohl das höchste Gut einer Platte und Genres sind dann zweitrangig.
Dauer: 43:33
Label: Zeitstrafe, Indigo (Vertrieb)
VÖ: 29.05.2026
Tracklist „Hands To Hold Each Other“ von BETWEEN BODIES
Water As a Metaphor
Waves
Annie (21st Century Working Class)
Milli Writes on Hotel Walls
Chandelier
Bathroom Floor
I Wanted to Tell You
King’s Head
False Start
Sparrows
Long After Midnight
New Ways to Stay on Earth
Artikel, die Dir gefallen könnten:
CITY LIGHT THIEF – Greetings From Fevers Key (EP)
Interview mit ANNIE TAYLOR zu „Out Of Scale“
AGASSI – Arcade Melodies
FJØRT – Belle Époque
FRIENDS DON’T LIE – Zenit der Dramaturgie
Interview mit FLUPPE zum Album „Beest“
PUSCIFER – Normal Isn’t
FLUPPE – Beest
THE HIRSCH EFFEKT – Der Brauch
FLESH PLANET – First Flesh (EP)
PROPAGANDHI – At Peace
HIPPOTRAKTOR – Stasis
THE ARMED – The Future Is Here And Everything Needs To Be Destroyed
IMPLORE – The Burden Of Existence
THE WOLF I FEED – Wintermelodie (EP)
LOVE SEX MACHINE – Trve
CONVERGE – Love Is Not Enough
AN EVENING WITH KNIVE – End Of Time
HAKEN – Fauna
MONUMENTS – In Stasis
HEADS. – Push
KADAVAR – The Isolation Tapes
ICE DREAM SOCIAL – Daggus (EP)
