Chanel Beads – Your Day Will Come – Review
CHANEL BEADS machen auf ihrem neuen Album „Your Day Will Come“ – ja, es heißt genauso wie der Vorgänger – eigentlich wieder genau das, was der Bandname verspricht. Zumindest, wenn man ihn lautmalerisch versteht. Mit ihren sphärischen Beats channelt das Kollektiv das, was in dir schlummert. So kann der experimentelle Ansatz im Verbund mit den kammermusikalischen Experimenten beruhigend, die Hirnwindungen sortierend oder unheimlich wirken.
Selbst wenn die 14 Songs weniger fragmentarisch sein sollen, sind CHANEL BEADS weiterhin meilenweit von üblichen Songstrukturen entfernt. In manchen Momenten schrecken ungewöhnliche Stilbrüche auf, aber in der Regel wird „Your Day Will Come“ zu einem wabernden und schwer in Einzelteile zu zerlegenden Soundfluss, dem man gerne folgt.

Feine unsichtbare Wand zwischen Band und denen, die zuhören
Die choralen Vocals auf „Your Day Will Come“ von CHANEL BEADS ziehen eine feine, unsichtbare Wand zwischen Band und Hörer. Das verleiht der Platte allerdings etwas Magisches, und diese gewollte Distanz wirkt elegant. Wahrscheinlich liegt das auch an der ungewöhnlichen Produktion – eine Mischung aus akustischen Einsprenkeln und professioneller Studioproduktion. In manchen Szenen erreichen CHANEL BEADS beinahe cineastische Weiten und ziehen den Rahmen somit maximal auf. Dann wieder wirkt alles sehr intim, beinahe beiläufig entstanden und vielleicht von den Mitwirkenden selbst noch nicht verstanden.
Bewusst auf Abwegen unterwegs
„Your Day Will Come“ rauscht durch die Ohren, dabei sind CHANEL BEADS alles andere als beliebig. „Song For The Messenger“ ist durchaus präsent, der Gesang wirkt allerdings leicht unscharf an den Rändern, beinahe so, als sei er einem Traum entsprungen. Die Geige von Zachary Paul umschmeichelt den Gesang von Maya McGrory nicht ausschließlich. Manchmal führt das Instrument bewusst auf Abwege, übernimmt das Ruder oder erzählt eine ganz andere Geschichte. Vieles auf der Platte wirkt wie rückwärts abgespielt, wie aus einem Fiebertraum und erst einmal instinktiv falsch („The Coward Forgets His Nightmare“). Doch genau dann zeigen CHANEL BEADS, dass sie wahre Meister ihrer Kunst sind und drehen die Stimmung komplett, verkaufen uns etwas Schiefes als gerade und harmonisch.
Es gibt keine stringente Geschichte, die die Platte uns erzählen möchte. Der Indie-Art-Pop streift Instinkte, gibt Anstöße und drängt nicht auf den lauten Abschluss. Würde man akribisch die tatsächlich verwendeten Tricks den passenden Genres zuordnen, käme man auf deutlich mehr als Indie und Pop. Diese vermeintlich leise Platte ist geprägt von einer laut schreienden Leidenschaft für Musik.
Leises Hitpotenzial
Genau deshalb ist „Your Day Will Come“ perfekt für die heißen Tage, die viele momentan ausbremsen. CHANEL BEADS musizieren zwar aus dem Bauch heraus, aber trotzdem akzentuiert und geschärft. Ihre Vorgehensweise, immer wieder Schreie und unbehagliche Effekte zu integrieren, erreicht in Songs wie „Profane Break“ durchaus Hitpotenzial. KATE BUSH hätte dieses Lied sicher toll performt. Trotzdem biedern sich CHANEL BEADS nicht an; die zugängliche Gitarre wird relativ schnell von sanft dramatischen Brüchen eingefangen und darf sich nur kurz losreißen, um die Ankermelodie erneut zu setzen.
Lediglich die Tatsache, dass CHANEL BEADS wirre Enden schaffen, könnte manche irritieren. Man wünscht sich sehnlichst, dass sie echte Abschlüsse schaffen, das Gefühl eindosen und für uns beenden. Gleichzeitig weiß man, dass genau das ihre Besonderheit killen würde. Keine gefällige Platte, aber eine, die fasziniert, je näher man sie an sich heranlässt.
Dauer: 42:44
Label: Jagjaguwar / Secretly / Cargo
VÖ: 26.06.2026
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