cover Colleen Green - Cool Artwork

Colleen Green – Cool – Review

Alleine die Tracklist von “Cool”, dem neuen Album der Amerikanerin COLLEEN GREEN, macht schon Lust auf das Album. Die Musikerin hat eine beeindruckende Präsenz und schon nach den ersten Tönen vom Opener “Someone Else” hat man den Eindruck, sie nimmt mit ihrer aktiven Schüchternheit den kompletten Raum ein. Das ganze Bewunderungskonzept stürzt aber kläglich und peinlich ein, wenn doch irgendwie alle eine andere Person sein möchten, oder? Beruhigend.

Und irgendwie wirkt alles auf dem neuen Album wieder angenehm unfertig, COLLEEN GREEN steigt mit Ideen ein, die eigentlich für das Ende gedacht scheinen und die ganze Zeit empfängt man den Impuls einer angenehmen Lückenhaftigkeit. Da fehlt doch irgendwas, oder? Der Gedanke ist so schnell entstanden wie vergessen, denn schon ist man drin im nächsten Funken, den sie Song nennt und jagt einem bunten Schmetterling oder einer schillernden Seifenblase nach.

Stay posi

“Posi Vibes” versprüht genau das. COLLEEN GREEN erinnert an die Großen der Neunziger, die ihren ganz anderen Takt anboten, mit dem man herrlich unbemerkt mal kurz ausbrechen konnte. In solchen Moment verändert sie irgendwas in der Wahrnehmung, die Musik ummantelt die Hörer*innen komplett und drücken mit Tönen etwas aus, dass man nicht Worte fassen kann. Ohne zu hetzen, verlängert das Album die Zeit und empfiehlt sich in seiner lässigen Trägheit für jede Tageszeit. “Highway” nimmt sich der nicht enden wollenden Straße an- Synthieflächen werden von Gitarren beträufelt und COLLEEN GREENs gedoppelter Gesang übernimmt die Funktion einer Sicherheitsfahrschaltung. Das ist bei den Bahnfahrer*innen ein regelmäßig zu betätigender Schalter, der sicherstellen soll, dass sie noch aufmerksam sind.

Langanhaltendes Glück

Der Rausch funktioniert auch über lange Strecken ohne Worte (“Natural Chorus”) und generell profitiert das Album “Cool” sehr viel von renitenten Rhythmen, die einfach wieder und wieder wiederholt werden und ihr Glück versuchen. Häufig ausgehend vom Bass schichtet COLLEEN GREEN mehrere Lagen auf, die sich gegenseitig in Spannung halten. Sarkasmus (“How Much Should You Love A Husband”) und Ironie funktionieren auch mit einem leichten Oho. Der Knalleffekt kommt erst, wenn man dem Oho ein “You Don’t Exist” zufügt. “Cool” von COLLEEN GREEN kommt genau richtig, denn wenn sie wie in “It’s Nice To Be Nice” mal richtiggehend aufblüht und dem Refrain eine Extrarunde Melodie und Zucker gönnt, dann macht das schlichtweg glücklich. Ein beruhigendes, gutes Glück, das lange anhält und kein hysterisches.

Dauer: 35:48
Label: Hartly Art Records
VÖ: 24.09.2021

Tracklist “Cool” von COLLEEN GREEN
Someone Else
I Wanna Be A Dog
Pos Vibes
Highway
Natural Chorus
You Don’t Exist
It’s Nice To Be Nice
How Much Should You Love A Husband
I Believe In Love
Pressure To Cum

Artikel, die Dir gefallen könnten:
Interview mit POWER PLUSH zur EP “Vomiting Emotions”
BSÍ kündigen Tourdaten an und veröffentlichen Video zu “My Knee Against Kyriarchy”
ALL DIESE GEWALT – Andere
POWER PLUSH – Vomiting Emotions (EP)
KALA BRISELLA – Lost In Labour
ODD COUPLE – Universum Duo
SCHARPING – Powerplay
SLEEP TOKEN – Sundowning
WOLF MOUNTAINS – Urban Dangerous
AUA – I Don’t Want It Darker
PABST – Deuce Ex Machina
Interview mit PABST zum Album “Deuce Ex Machina”
65DAYS OF STATIC – replicr, 2019
DEFTONES – Ohms
SVEN THE SLACKER – Dogtown (EP)
PSOTY – Sunless
HEADS. – Push
ILLEGALE FARBEN – unbedeutend ungenau
BRUTUS – Live In Ghent
THE GARDEN – Kiss My Super Bowl Ring
ICE DREAM SOCIAL – Daggus (EP)
GÖSTA BERLINGS SAGA – Konkret Musik
PAIN OF SALVATION – Panther
ÅRABROT – Norwegian Gothic
SOUNDSCAPISM INC. – Afterglow Of Ashes
METRONOMY – The English Riviera “10th Anniversary”
LINN KOCH-EMMERY – Being The Girl

COLLEEN GREEN bei Instagram

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.