Conscious Pilot – Human Poultry – Review
CONSCIOUS PILOT aus Glasgow gestalten den musikalischen Flug mit ihrem Debütalbum „Human Poultry“ äußerst abwechslungsreich. Ihr hakeliger Indie Alternative Rock hängt mal mit dem Kopf in den Wolken, ist aber ebenso zu ausgeprägten Turbulenzen fähig. Mit Joe Laycock, Emmy Leishman und Jack Sharp hat das Quartett gleich drei potenzielle Singstimmen im Köcher, das kommt den Songs durchweg zugute.

Es ist mitnichten die Eingängigkeit, die die Kompositionen auf dem Debütalbum trägt, auch nicht die offensiven Widerhaken. CONSCIOUS PILOT steigen musikalisch und inhaltlich dort ein und aus, wo es ihnen passt. Diesem ungewohnten Fluss kann man sich jedoch rasch anpassen, ebenso den auf einen Ruck entkernten Strukturen und dem im nächsten Moment kompletten Rausch-Ergeben.
Ein ungewohnter Fluss
CONSCIOUS PILOT zelebrieren auf „Human Poultry“ auch sich überkreuzende Takte, liebäugeln mit Wiederholungen und einer leicht verzögerten Siebzigerjahre Haltung in den Instrumentals. Viele Themen wiederholen sich, wandeln sich von Song zu Song atmosphärisch jedoch deutlich und spielen so auf die Kernaussage der Platte an. Ein waschechter Hit findet sich auf „Human Poultry“ nicht. Das Album fließt zwar keineswegs sang und klanglos vorbei, setzt aber auch nur wenige Anker.
Ein Song wie „Wilful Delay“ flirtet zunächst mit Stadionrock, zerfasert dann jedoch in Noise Spitzen und im völligen Ausbleiben eines greifbaren Refrains oder zumindest eines C Teils. Im Titelsong sind es vor allem der hektische Bass und die Gitarre, die Akzente setzen und den nach vorne drängenden Song in Erinnerung halten. Was ansonsten bleibt, ist diese kaum zu ignorierende Dringlichkeit, die CONSCIOUS PILOT durchweg am Flackern halten. Alles zieht nach vorne, wenn nicht durch Tempo, dann durch den schnoddrig hingemeterten Gesang („Internet Support“).
Glasgow als Klangraum
Versteht man „Human Poultry“ als Momentaufnahme von Glasgow, die CONSCIOUS PILOT festhalten wollten, geht die Taktik auf. Dann ergibt auch dieses stoische Festhalten an musikalischen Rahmen Sinn sowie das transportierte Gefühl von Kontrollverlust. Auch die Einflüsse der Produzenten aus dem Umfeld von BLACK MIDI, SHAME und FONTAINES D.C. lassen sich fragmentarisch im Sound des Albums nachweisen. Das Artwork der schottischen Malerin Keiti Forbes greift zudem passend auf, wie sehr sich der Mensch von äußeren Einflüssen formen lässt, ob bewusst oder nicht. „Human Poultry“ ist eine Platte, die hörbar aus vielen Quellen schöpft, dabei aber eigenständig genug bleibt, dass man sich zunächst an sie gewöhnen muss.
Dauer: 44:17
Label: Devilduck Records
VÖ: 08.05.2026
Tracklist „Human Poultry“ von CONSCIOUS PILOT
Canapé
Human Poultry
Internet Support
My God Is So Angry
Face Down
My Time Is Mine
Horatio Burns
Ode To Ronnie
Back To The Farm
Gavin & Me
New Sensation
Built To Please
Wilful Delay
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