Crossfaith Trailer Konzertbericht krachfink Wi 26022020

Crossfaith, Ocean Grove und Black Futures live im Kesselhaus Wiesbaden, 26.02.2020

An diesem dunklen und miesepetrigen Mittwoch im Februar wird dem Publikum im Kesselhaus Wiesbaden ein äußerst vielfältiges, internationales Programm geboten. Die Elektropunker BLACK FUTURES aus England sind für die Eröffnung zuständig, übergeben dann an die Alternative-Nu-Metal-Band OCEAN GROVE aus Australien und die Trancecore-Band CROSSFAITH aus Japan macht den Sack als Headliner zu. Kein Wunder, dass die Location auch mitten unter der Woche gut besucht ist. Und eine gute halbe Stunde vor dem Einlass hat sich vor dem Kesselhaus schon eine kleine, gut gelaunte Schlange gebildet.

BLACK FUTURES dürfen den Anfang machen, im Rahmen ihres Konzeptes kommt zuerst eine Person mit Schutzanzug und Atemschutzmaske auf die Bühne und schwingt zu einem aktivierenden, bassigen Intro die Flagge mit dem Logo von BLACK FUTURES. Einige Besucher kommentieren das zynisch mit “Oh, Coronavirus”. Das energetische Duo aus London, bestehend aus Vibe und Space, weiß genau, was zu tun ist. Die beiden sind erfahrene Musiker, die bereits mit THE PRODIGY und IDLES zusammengearbeitet haben. Man merkt ihnen die Leidenschaft für Musik und die Erfahrung an, denn die Kerls brettern die Songs aus ihrem Debütalbum “Never Not Nothing” so wuchtig unter die Leute, dass sie nicht nur beide umgehend schweißgebadet, sondern auch viele Leute im Publikum sichtlich beeindruckt sind. Abgesehen vom amtlichen Bums ist es auch verwunderlich, dass die beiden ihre nicht gerade eindimensionalen Kompositionen wie “Me.TV”, “Karma Ya Dig!” und “Tunnelvision” so auf den Punkt spielen, dass man kaum glauben kann, dass sie tatsächlich nur zu zweit sind. Die über die Bühne flitzenden Blitze und Lichteffekt verstärken die Partystimmung lediglich. Guter Einstieg!

Die zweiten auf dem Plan sind die sympathischen Australier von OCEAN GROVE, die sich nicht nur musikalisch, sondern auch optisch nicht festlegen lassen. Ihre Attitüde ist dafür ziemlich zeitgemäß, die Band will gute Laune auf die Bühne bringen und dafür sorgen, dass alle im Publikum einfach mal für dreißig Minuten jeglichen Frust vergessen können. Darüber hinaus sind die Themen ihrer Songs aber nicht billig, sondern motivierend und auf ein positives und nachhaltiges Miteinander ausgelegt. Das Übertragen ihrer Botschaft gelingt ihnen heute ganz gut, denn die Band hat einige taugliche und auch schon bekannte Songs im Gepäck. Noch dazu sind Dale und seine Kollegen entsprechend aufgekratzt, das neue Album “Flip Phone Fantasy” wird Mitte März erscheinen. Die bereits bekannten Singles “Ask For The Anthem” und “Sunny” werden auch schon lautstark mitgegrölt und auch bei der Neuvorstellung von “Thousand Golden People” ist das Publikum nicht zögerlich. Während BLACK FUTURES zwar alles gegeben, aber ihrer Kunst auch einen Rahmen gegeben haben, sind OCEAN GROVE freier auf der Bühne. Ihre Lichtshow ist eher sparsam und man hat den Eindruck, dass ihnen der Blickkontakt und die Interaktion mit den Leuten wichtiger sind.

Alle vier Bandmitglieder suchen den Kontakt zu den Fans und versuchen dadurch wirklich alle im Kesselhaus mit ihrer guten Laune anzustecken. Auf Nachfrage, wer denn bereits bei einem Konzert von OCEAN GROVE war, gibt sich auch eine beachtliche Menge als Wiederholungstäter zu erkennen. Aber auch ohne Vorkenntnisse lässt sich gut nach Anleitung bei “Slow Soap Soak” mitsingen. Ein quietschendes “Whoop” klingt man mit jedem Pegel hin und auch zum tanzbaren “Thunderdome (feat. Running Touch)” kann man ohne Aufwärmen steil gehen. OCEAN GROVE haben sich ganz sicher heute abend noch einige Freunde gemacht, obwohl sie deutlich weniger wild mit der Elektrokeule geschwungen haben.

CROSSFAITH machen die Meute schon eine gute Viertelstunde vor ihrem eigentlichen Auftritt heiß auf ihre Show. Da startet nämlich ein deutlich lauter als sonst pumpendes Intro, in dem eine Computerstimme immer wieder einen Countdown abzählt, der mitteilt, wann die eigentliche Show beginnt. Der Dubstep brettert immer aggressiver aus den Boxen und obwohl die Japaner noch keine Fußspitze auf die Bühne gesetzt haben, tanzt das Kesselhaus schon so, als ob die Party in vollem Gange wäre. Als CROSSFAITH dann tatsächlich mit dem Charme eines Überfallkommandos auf die Bühne stürmen, explodiert die Menge und konsequenterweise gibt es als erstes “Destroy”. Es starten sofort die wildesten Pits, einige in der ersten Reihe müssen aufpassen, nicht den Bass von Hiro ins Gesicht zu kriegen. Es liegt nicht nur an der reinen Mannstärke der Band, das ist die pure Energie, die einfach auch Teil der künstlerischen Motivation und des Konzeptes ist. Die Menge verliert sich komplett in wildem Gehampel, Gestoße, Kopfgeschüttel und seltsamen Tanzattacken. Eine wirklich äußerst gute Gelegenheit, um den Alltag komplett zu vergessen und sich auszupowern. Trotz aller Härte wird sich aufgeholfen, sobald jemand hinfällt und es wird aufeinander geachtet. Die ständigen Animationen von Sänger Ken scheinen komplett überflüssig, es bilden sich wie von Geisterhand Walls of death und Pits ohne Ende zu “Nightmare”, “Freedom” und auch zum obligatorischen THE PRODIGY-Cover “Omen”. Aufgrund von Tonproblemen wird das Interludes des Hits etwas länger gezogen, als geplant.

Gute Gelegenheit, um dem Keyboarder Terufumi Tamano ausführlich und inklusive Ständchen zum heutigen Geburtstag zu gratulieren. CROSSFAITH sind wirklich leidensfähig, er trägt zum Beispiel auf nackter Haut eine Lederjacke und schwitzt wie ein Schwein. Sicher nicht gerade angenehm, was man ihm aber keine Sekunde anmerkt, wenn er so hart über seinem Keyboard bangt, dass ein Zentimeter zu viel sicher seinen Tod bedeuten würde. CROSSFAITH haben einen überragenden Sound, was bei ihren Kompositionen auch wirklich zwingend notwendig ist. Die Band spielt im Kesselhaus genauso wild, wie in Japan, wo sie große Stadien füllen.

Und auch CROSSFAITH sind darauf bedacht, dass alle wirklich die Gelegenheit dazu haben, sich einfach mal für eine gute Stunde komplett in der Musik zu verlieren und an nichts zu denken. Ein Rundumblick durch das Kesselhaus bestätigt, dass das hier und heute bestens geklappt hat. Das Publikum scheint total fertig, aber nicht geneigt, auch nur eine Minute davon zu verpassen. “Break it tonight” brüllt der nassgeschwitzt Chor zu “Kill Em All”, nur um sich gleich danach den ultradrückenden Riffs zu beugen. Und Ken übernimmt mühelos und sogar äußerst lässig den Rappart von “Freedom”, den eigentlich Rou Reynolds von ENTER SHIKARI singt. Nach einer guten Stunde ist Ende im Gelände, viel mehr hält man auch rein konditionell auf diesem Level nicht durch. CROSSFAITH wurden ihrem Ruf als gnadenlos und garantierte Partyband heute mal wieder mehr als gerecht. Schade, dass die Band im Rahmen der Tour nur zwei Stopps in Deutschland gemacht hat und umso besser, dass wir dabei waren.

Setlist CROSSFAITH: Destroy, RX Overdrive, Nightmare, Kill Em All, Freedom, Endorphine, Omen, Monolith, Deus, Catastrophe, Countdown To Hell

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