Dana von Suffrin – Toxibaby – Review
Die Schriftstellerin Dana von Suffrin erzählt in ihrem Roman „Toxibaby“ die Geschichte von Herzchen und Toxi. Ein Liebesroman soll es sein, wenn auch der schlimmste, den man sich vorstellen kann. Anfangs hetzen wir ziemlich durch die Beziehung der beiden; von Suffrins prosaischer Schreibstil und ihre ellenlangen, wenn auch toll formulierten Sätze lassen sich zunächst schwer verfolgen. Das passt allerdings zur Gedankenwelt von Herzchen, die uns zackig durch die Ereignisse führt. Mögen sie noch so belanglos erscheinen, für sie hat jedes Detail Bedeutung. Komplett berauscht von den sich beißenden Gefühlen, von der Faszination des ständigen Abprallens an Toxi und der Idee, dass sie mit ihm als Paar genau das werden könnte, was sie sich erträumt, wirkt sie manches Mal herrlich naiv, meist jedoch traurig und lähmend. Und doch ist da immer die Leere, die man spürt, wenn Liebe mehr Selbstprojektion als Zuneigung ist.

Über Abhängigkeit und Selbstsuche
„Toxibaby“ hätte einen ganz anderen Drall bekommen, wenn es sich bei Herzchen und Toxi um zwei junge Menschen gehandelt hätte, zwei, die sich ausprobieren, deren Erwartungen noch unerprobt und deren Leidenschaft füreinander groß ist. Dass „Toxibaby“ sich so bitter liest, liegt auch daran, dass Toxi Anfang vierzig und Herzchen Ende dreißig ist. Es sind also mitnichten die ersten Gehversuche, sondern zwei Menschen, die unter Liebe etwas Seltsames verstehen und sie vielleicht sogar erzwingen möchten.
Verloren in sich selbst
Was „Toxibaby“ von Dana von Suffrin dennoch lesenswert macht, ist von Suffrins Fähigkeit, den beiden Protagonisten beim Schreiben selbst vollends zu verfallen. Sie hastet durch die wirren Gedanken, ordnet sie nur vage, lässt Absurdes zu und findet Erklärungen in den Momenten, in denen Herzchen sich mit anderen Menschen aus ihrem Umfeld verbindet. Dann, und besonders wenn sie auf ihre unstete Beziehung zu ihrer Mutter und ihr Aufwachsen zurückblickt, wird klar, warum sie Halt sucht, wo es keinen geben wird.
Liebe als Selbstprojekt
Letztendlich ist „Toxibaby“ von Dana von Suffrin tatsächlich ein Liebesroman. Die Liebe zwischen Herzchen und Toxi steht jedoch nur vermeintlich im Vordergrund. Es geht ebenso darum, Liebe in sich selbst zu finden und ein Profil zu entwickeln, das nicht von anderen abhängig ist und gerade deshalb für andere interessant und anziehend wirkt. Gerade weil Herzchen und Toxi nicht Anfang zwanzig sind, entfaltet „Toxibaby“ seine besondere Wirkung.
Er zeigt, dass Liebe in jedem Alter kompliziert ist und in viele Richtungen wirken kann. Vor der Liebe zu anderen steht die Fähigkeit zur Selbstliebe, und genau daran scheitern die Figuren auf schmerzhafte, aber nachvollziehbare Weise. Nach der Lektüre fühlt man sich emotional überfahren, als wäre man selbst Teil dieser wilden, zerstörerischen Beziehung gewesen.
Seiten: 240
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
ISBN-10: 3462009796
ISBN-13: 978-3462009798
VÖ: 12.03.2026
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