das bisschen Totschlag – 0dB Headroom – Review
Auch „0dB Headroom“, die neue Platte des Indie-Shoegaze-Trios DAS BISSCHEN TOTSCHLAG aus Hamburg und Berlin, hat wenig gemein mit dem aggressiv wirkenden Namen. Die Platte darf eher als heilendes Gegenmittel für die schnelllebige, an allen Ecken knallende und kalte Welt da draußen verstanden werden. Sanft wie eine Feder legt sich der Gesang über Akustikgitarren oder anderweitig kunstvoll hergestellte beruhigende Rhythmen.
Damit sich „0dB Headroom“ auch nicht beliebig anfühlt oder dröge wirkt, meißeln DAS BISSCHEN TOTSCHLAG in jeden einzelnen Song ein beruhigend schimmerndes Highlight. Das kann ganz gängig ein Refrain sein, das Sich-Auflösen von Gesangslinien oder ein kalibrierender Tenor.

Ein Klopfen, von ganz weit weg
„0dB Headroom“ von DAS BISSCHEN TOTSCHLAG wirkt wie der Keim der Hoffnung, der selbst in der dunkelsten Stunde leise von ganz weit weg anklopft. Die Band vertont Tristesse und lockert den Druck gleichzeitig. Eine hohe Kunst, denn die meisten können nur deprimieren oder aufhelfen. Schon der Opener „stupid“, der mit einer Art weißem Rauschen startet und dann an maximal trägen, aber einlullend knatternden Gitarren übergibt, lässt einen jeglichen Stress vergessen.
Das anschließende „Tim“ wirkt dann wie die ausgegossene Form des Vorgängersongs. DAS BISSCHEN TOTSCHLAG orientieren sich am Slackertum entspannter Surferboys, lediglich ihre Themen sind andere. Ab einem gewissen Punkt lassen die Musiker alles wortlos in den Schoß der Instrumente fallen. Dramatisch und friedvoll klingt sich der Song ins Ziel und hinterlässt die berühmte Sekunde, in der das Gefühl zündet.
Man darf sich in „0dB Headroom“ verlieren
„Time is all I want…“, singen DAS BISSCHEN TOTSCHLAG in „time“, genau diese setzen sie mit ihren herrlich mäandernden dichten Melodien außer Kraft. Musik als Eskapismus und die Möglichkeit, sich kurz darin zu verlieren, das schafft „Headroom“. Zeit verlieren, während die Musik dich hält. Wahrscheinlich besser als jede schlecht vorgetragene Gedankenreise, die ihr euch auf YouTube aufrufen könnt. Und ganz sicher ohne nervige, plötzlich aufheulende Werbung. DAS BISSCHEN TOTSCHLAG verkriechen sich mitnichten in ihrer eigenen Welt, alles auf „Headroom“ ist durchaus anschlussfähig.
In „93“ feat. Sarah from MEAGRE MARTIN gesellt sich diese so harmonisch wie ein weiteres Instrument dazu und sublimiert die Szene. DAS BISSCHEN TOTSCHLAG fächern uns warme Luft entgegen und verzichten auf konventionelle Songstrukturen. Als Person, die zuhört, steckt man schon mittendrin und beansprucht sowieso keinen vorgegebenen Ablauf.
Emotionale Tankstelle
„0dB Headroom“ von DAS BISSCHEN TOTSCHLAG wird euer wildes Herz beruhigen. Eine tolle Platte, von der man sich komplett blind leiten lassen kann und mit der man ganz nebenbei emotional auftankt. Das hilft in schlechten genauso wie in guten Zeiten.
Dauer: 29:06
Label: New Basement
VÖ: 07.03.2026
Tracklist „0dB Headroom“ von DAS BISSCHEN TOTSCHLAG
stupid
Tim
time
ringback (backstabber)
93
glued to the passenger seat
shameless thief
close to me
100
resident evil 4
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