Lest die Review zu "Wagon Burner" von DEAD PIONEERS bei krachfink.de

Dead Pioneers – Wagon Burner – Review

Mit „Wagon Burner“ untermauern DEAD PIONEERS die bisherige Vermutung, dass sie abgesehen von der guten Ausgangsidee noch deutlich mehr zu bieten haben. Man merkt der Band den Erfolg und die damit erweiterten Möglichkeiten für Konzerte an. Ohne sich anzubiedern, sind die Kompositionen mehr auf das Miteinander mit den Menschen ausgelegt – die, die ihre Platten hören, aber vor allem die, die sich DEAD PIONEERS live anschauen. Der bisher schon gut pulsierende Punk ist deutlich rhythmusbetonter und orientiert sich mehr an ruppigem Post- und Noise-Punk. Das verstärkt die Wirkung der Texte und der wieder mal überragenden Darbietung von Sänger Gregg Deal. An den Texten über Anti-Kolonialismus, verbunden mit der Kritik an US-Geschichte und Gegenwart, gab es eh nie etwas zu verbessern.

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DEAD PIONEERS 2026, Credits: Derek Bremner

Jede Art von Nippes abgeknipst

Während DEAD PIONEERS bei der letzten Platte „PO$T AMERICAN“ lediglich an VIAGRA BOYS und SLEAFORD MODS erinnerten, gibt es nun konsequenterweise ein gelungenes Feature mit Jason Williamson. Und während das letzte Album eine Müh zu lang war, kommt „Wagon Burner“ nun heftig gut auf den Punkt. DEAD PIONEERS haben dieses Mal wirklich jede Art von Nippes abgeknipst, und vor allem die Drums sorgen für noch mehr Dynamik.

Einer der Hits auf dem neuesten Werk ist zweifelsohne „No Kings“. DEAD PIONEERS führen hier alle Fäden mehr als folgerichtig zusammen und setzen mit dem darauffolgenden „Animals That Roam The Earth“ noch einen drauf. Dieser herrlich hakelige Song mit dem poppig griffigen Riff und den im Hintergrund aufflammenden Chormomenten könnte die Band aus der Szene herausspülen und einer breiten Menge bekannt machen. Gregg Deal zeigt hier, dass er deutlich mehr als krakeelen oder funkensprühendes Spoken Word beherrscht.

Mit starken Songs ab in die Jahresbestenlisten

Auf „Wagon Burner“ vereinen DEAD PIONEERS die besten Songs, die sie bisher geschrieben haben. Plätze in den Jahresbestenlisten sind ihnen sicher. Auch „Never Alone feat. THE INTERRUPTERS“ mäandert herrlich zwischen AGAINST ME! und grantigem Streetpunk. Trotzdem bleibt der einstige Unterton bestehen, die Band verwebt ihn nur rücksichtsvoll mit neuen Einflüssen. „Nobody“ ist die fein geschliffene Ausarbeitung der Idee: Botschaft und Pitpower lassen sich Zeit, bevor sie abklatschen. Genüsslich spitzen der Bass von Lee Tesche (auch bei ALGIERS aktiv) und die Drums von Shane Zweygardt die Situation zu, die Gitarre sendet alarmierende Feedbacks, die Bombe geht allerdings im Finale nicht hoch. Das gibt dem folgenden, finalen Cold-Wave-Stück „LFG“ nochmals Extra-Anschub und lässt den zugänglichen Refrain umso wuchtiger erscheinen.

Wütend trotz Synthies und Handclaps

Selbst wenn die Synthieblasen und Handclaps in „The Worst Among Us feat. Jason Williams“ mit Sicherheit von den MODS kommen, vertragen sie sich hervorragend mit den Trademarks der DEAD PIONEERS. Entspannt und vereint in der Wut über Ungerechtigkeiten zetern Williamson und Deal gemeinsam, die Musik lässt sich aber nicht hetzen und provoziert eher lässiges Kopfnicken oder einen Ritt auf der Tanzfläche. Das Plädoyer über die Wichtigkeit von Grimm wird dann im langsam anschwellenden „Seeing Red“ gut erklärt. Der Überbringer schlechter Nachrichten wurde schon immer bestraft.

Das wegweisende dritte Album als Katapult

DEAD PIONEERS arbeiten weiterhin möglichst autark, dementsprechend flext „Wagon Burner“ nicht mit großen Produzentennamen, klingt aber erste Sahne. An der Mär vom wegweisenden dritten Album scheint doch etwas dran zu sein, und DEAD PIONEERS erklimmen nun ganz sicher die nächste Stufe. Die Band hebt sich hiermit nicht nur inhaltlich ab, sondern erweitert ihre Diskografie um viele Facetten, mit denen man eigentlich nicht gerechnet hat, und beweist, dass sie weitaus mehr ist als nur wütend und bewaffnet mit Verstärkern. Abschließend eine der Top-Lines: If you can’t see the value of community, try harder.

Dauer: 33:01
Label: Hassle Records | Cargo
VÖ: 26.06.2026

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