Deadletter – Existence Is Bliss – Review
„Existence Is Bliss“ von DEADLETTER ist mit Sicherheit keine Platte, die es einem bewusst einfach macht. Von Sekunde eins an zündelt die britische Rockband rund um den charismatischen Sänger Zac Lawrence. Die Band geht mit maximalem Druckaufbau rein, beansprucht Aufmerksamkeit für ihre mantrischen Rhythmen und ihre kathartischen, vor sich hinstapfenden Kompositionen.
Das Bild wird komplett, wenn man DEADLETTER live sieht und spürt, wie viel Leidenschaft von der Band direkt in die Songs abgefüllt wird. Das überträgt sich dann über den authentischen Vortrag, lässt aber auch die pointierten Instrumentalstrecken besser wirken. „Existence Is Bliss“ steckt da zwangsläufig etwas zurück, sodass DEADLETTER sich erst einmal den Platz abseits der Bühne erkämpfen müssen.

Lyrische Tiefe und musikalische Sperrigkeit
Mit „To The Brim“ beweisen DEADLETTER, dass sie sehr wohl eingängig können, selbst wenn sie den prägnant stotternden Einstieg gleich mit Bläsern ausstatten und somit ungewöhnlich kreativ aufwerten. Die blasse Tendenz zu FONTAINES D.C. oder SHAME schimmert hier nur kurz durch; DEADLETTER setzen auf einen ganz anderen Trick. Die tiefgründigen Texte auf „Existence Is Bliss“ kratzen weit unter der Oberfläche, auf der sich andere, ähnlich wirkende Bands sicher bewegen.
Den Kampf, überhaupt am Leben zu sein und dieses auch trotz aller Widrigkeiten in Angriff zu nehmen, statt nur zu existieren, behandeln sie lyrisch komplex. Die Musik unterstreicht die ernüchternde Botschaft und symbolisiert durch ihre Sperrigkeit die Anstrengung. Was am Ende hängenbleibt, sind keine griffigen Hooks oder zuckrigen Refrains. Es ist eine konsequent durchgezogene Atmosphäre, die Innenleben und Realität kollidieren lässt. Eine liebevolle Widerspenstigkeit, die einen bezirzt.
Positive Nuancen zwischen Dissonanz und Rhythmus
Nach und nach schält sich aus der anstrengend scheinenden Rhythmik dann doch immer wieder etwas Positives durch: ein beschwingter Bass („Songless Bird“) oder die federleichten Töne in „What The World Missed“. Eine Tendenz zum Abgesang der Welt ist immer da, hier setzen überraschenderweise die eleganten Saxofon-Einschübe einen realen Konter. Es wäre ein Leichtes, die Platte zahmer und ohrenfreundlicher zu machen – die provokanten Störgeräusche der Gitarren aus „It Comes Creeping“ einfach raus, oder Alfie Husband darum bitten, uns in Songs wie „Cheers!“ mit seinen Drums weniger nervös zu machen.
Aber das wäre nicht das, was die Band mit dem Album beabsichtigt. Überforderung, zwischen die Beine geworfene Stöcke und das Gefühl, komplett verloren oder auch mal für Momente behütet zu sein – darum geht es. „Existence Is Bliss“ von DEADLETTER hat nicht den Anspruch, nebenbei zu dudeln. Die Band erwartet Auseinandersetzung mit ihrer Kunst und belohnt dann wiederum mit Tiefgang und Erkenntnisanstößen.
Dauer: 46:12
Label: So Recordings
VÖ: 27.02.2026
Tracklist „Existence Is Bliss“ von DEADLETTER
Purity I
To the Brim
Songless Bird
It Comes Creeping
What the World Missed
Cheers!
Among Us
Focal Point
(Back to) The Scene of the Crime
Frosted Glass
He, Himself, and Him
Meanwhile in a Parallel
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