Der krachfink.de Jahresrückblick 2025
Spøgelse – II

Keine Ahnung, wie es euch geht: Aber ich finde, dass sich AMYL AND THE SNIFFERS viel zu schnell selbst deutlich geiler gefunden haben, als sie eigentlich sind. Das urteilsfaule Publikum applaudiert, ohne zu hinterfragen. Dabei gibt es doch Bands wie THE PILL, SUCK, BLOOD COMMAND oder eben SPØGELSE aus Göteburg, die nach einem ähnlichen Prinzip vorgehen, aber (noch) viel grober hobeln. Hardcore-Punk legt sich hier rücksichtslos mit Rock’n’Roll an, liegt also nahe, dass das gut klingt. SPØGELSE poltern allerdings nicht mit der Tür ins Haus, sondern reißen gleich die komplette Fassade ein. Die meisten Songs krachen unter eineinhalb Minuten ins Ziel, die Slogans der Band sind herrlich simpel, extrem mitreißend und unterhaltsam. Trotz der Knappheit vermisst man weder Widerhaken noch Melodien, live muss das ein heftiges Fest sein.
Alles auf „II“ ist auf Krawall angelegt: schnell rein, alles kurz und klein metern und weiter zum nächsten Kampf. Die Geschwindigkeit ist beachtlich, tendiert schon eher zu Thrash- oder Speed Metal, inklusive hektisch hingefrickelter Soli, die für die nötige Ekstase sorgen. Wahrscheinlich die dynamischste Platte des Jahres, die man ohne Probleme auf Dauerschleife stellen kann, da es nicht juckt, welcher Song jetzt genau läuft.
Humans As Ornaments – Flowers On Display

Obwohl ich es schon mehrfach versucht habe, gelingt es mir nicht so richtig, den Zauber von HUMANS AS ORNAMENT und deren Platte „Flowers On Display“ in Worte zu fassen. Die Lösung für euch ist einfach: Hört euch die Platte des Duos aus Berlin einfach an, und die Indie-Kreuzung wird euch mit den verschiedenen kreativen Falltüren, Soundexperimenten und entwaffnender Aufrichtigkeit sofort überzeugen. Die beiden könnten locker auf Nummer sicher gehen und mühelos griffige Fast-Food-Songs schreiben. Bewusst oder getrieben von ihrer Leidenschaft entscheiden sie sich dagegen.
Das ist nicht unerträglich verrückt, aber eben die oft gelobte Extrameile, die einen Song zu einer Perle und ein Album zu einem Juwel macht. Der Wille, sich selbst zu fordern, ist hörbar. Deshalb ist man nach dem Finale des Openers „Scared Of Nothing“ auch erst einmal erschöpft und will instinktiv auf Repeat drücken. Kann man machen – mit den anderen Songs wird es euch aber nicht anders gehen.
Review zu „Flowers On Display“ von HUMANS AS ORNAMENTS
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Swain – Infinite Child

Als ich SWAIN zum ersten Mal live gesehen habe, stiegen mir vor Rührung Tränen in die Augen. Und zwar nicht aus nostalgischen Gründen, sondern weil der Grunge der Band so warm und dicht ist, dass man sich fest umschlungen und echt angesprochen fühlt. Das war beim Debüt so, und was SWAIN jetzt mit „Infinite Child“ vorgelegt haben, legt emotional locker noch einen drauf. Mitnichten haben wir es hier mit einer hängengebliebenen Früher-war-alles-besser-Truppe zu tun. Das ist einfach der Sound, der ihnen entspricht und von dem aus sie sich entwickeln können.
Das musikalische Korsett ist durchaus beweglich, es gibt flächige Gitarrenteppiche, aber eben auch augenzwinkernd lockere Taktschieber wie „Find Your Groove“ oder den vom Zusammenspiel von Bass und glockenhellen Paukenschlägen lebenden „Shapeshifter“. SWAIN sind eine bemerkenswerte Band, die Trends links liegen lässt und genau das macht, was ihnen steht. Emotional und musikalisch, denn letztendlich ist es das, was langfristig überzeugt. „Infinite Child“ funktioniert fernab von Jahreszahlen und konserviert Gefühle ohne Verfallsdatum.
Interview mit SWAIN zum Album „Infinite Child“
Review zu „Infinite Child“ von SWAIN
Tropical Fuck Storm – Fairyland Codex

Viele werden TROPICAL FUCK STORM wegen dem verrückten Bandnamen mal antesten. Ja gut, jetzt beruhigen wir uns alle mal wieder und konzentrieren uns auf deren grandiose Musik. Für Rezensenten ist „Fairyland Codex“ trotzdem eine Strafe. Wie soll man ansprechend beschreiben, was deren Musik ausmacht, ohne den Anschein zu erwecken, sie seien komplett ballaballa oder alles vorwegzunehmen und überzuerklären? Eins vorweg: Die Rockband aus Australien ist unvergleichlich. Ihre rhythmusbetonte Musik bricht alle Rahmen und nutzt jede Gelegenheit zum Ausbüxen. Unhörbar sind sie dabei trotzdem nicht, denn TROPICAL FUCK STORM haben ein gutes Gespür für einprägsame Momente.
Deshalb verläuft man sich zwar immer wieder in den komplexen Strukturen, findet aber auch immer wieder in den sicheren Hafen. Stilelemente wie Verzerrer oder Tuning setzen TROPICAL FUCK STORM nicht ein, um Rabatz zu machen. Stattdessen bauen sie sie in vermeintlich unscheinbaren Momenten als Hintergrund oder Zunder ein und spielen so mit der Erwartungshaltung und den konventionellen Hörgewohnheiten. Komplett aus der Zeit gefallen und trotzdem wegweisend – das muss man ihnen erst mal nachmachen.
Review zu „Fairyland Codex“ von TROPICAL FUCK STORM
TROPICAL FUCK STORM bei Instagram
