Der krachfink.de Jahresrückblick 2025
Racing Mount Pleasure – s/t

RACING MOUNT PLEASANT klingen wie purer Frieden. Die Kompositionen des amerikanischen Indie-Septetts sind allesamt anschwellend und vielschichtig aufgebaut. Langsam schleicht sich das gute Gefühl an, fächert sich dann überraschend auf wie ein beeindruckender Pfauenschwanz. Klarinette, Streicher und Saxophone bereichern die Kompositionen, die sich in ruhigen Momenten am Shoegaze orientieren und dann jazzig Haken schlagen, süß aufbrausen oder in beruhigenden Wellen auslaufen. Vergleiche mit LORD HURON oder BON IVER liegen nahe, aber gerade die vorliegende Platte hat eine ganz eigene Marke, und im Umkreis liegende Vergleiche wären BUNTSPECHT oder RALPH HEIDEL.
Die Freude schwappt nicht sofort über bei RACING MOUNT PLEASANT, man kann sogar behaupten, dass die Grundstimmung zunächst eher bedrückend ist. Die Band zeichnet starke metaphorische Bilder von mit Gewitterwolken verhangenen Himmeln, widmet der darauf folgenden kühlen Brise und den durchbrechenden Sonnenstrahlen mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Der als Lullaby startende Titelsong strampelt sich schnell frei und wirbelt sich zu einem energiegeladenen Hit. In solchen Momenten erinnert die Band dann eher an VAMPIRE WEEKEND, es gibt also einige spürbare Einflüsse, viel zu entdecken und vor allem viel zu spüren. Ein Album wie ein wärmendes Lagerfeuer mit Blick in wilde Natur und nicht abschätzbare Ferne.
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Desaster – Kill All Idols

DESASTER sind eine meiner Alltime-Favoriten. Der Black-’n’-Thrash-Metal aus Koblenz speist sich aus den Einflüssen der Besten und ist immer verlässlich gelungen. Trotz einiger Wechsel im Line-up wird an der musikalischen Basis wenig gerüttelt. Gerade so viel, dass es nicht langweilig wird, aber nur so, dass die Platten immer ohne klaren Zeitstempel auskommen. Man hat gefühlt jeden Trick schon gehört, trotzdem wirkt auf „Kill All Idols“ nichts formelhaft oder gar lieblos zusammengestückelt. Die Band liebt und atmet Metal und kennt ihre Grenzen in jeglicher Hinsicht. „They Are The Law“ weist nicht nur zufällig Ähnlichkeit zum wahrscheinlich ersten Metalsong auf, den alle auf der Gitarre versuchen, namens „Breaking The Law“ von JUDAS PRIEST.
Auch in der handwerklichen Simplizität steht der Song dem genannten in nichts nach. Aber – und darauf kommt es an – auch nicht, was die sofortige Überzeugung angeht. DESASTER batzen ihn so liebevoll grobschlächtig, inklusive ausbaufähigem, aber charmantem Solo, dass man ihn nur lieben kann. Von diesen echten Momenten gibt es viele auf der Platte – DESASTER einfach immer gut.
Lord Huron – The Cosmic Selector Vol.1

LORD HURON sind eine der besten Livebands dieser Welt. Vielleicht muss man das mal erlebt haben, aber auf jeden Fall können sie mehr als „Night We Met“. „The Cosmic Selector Vol.1“ ist nun mal wieder eine Platte, die auch daheim gut funktioniert. Man braucht dafür keine Kuscheldecke, kein Kaminfeuer und keine Traurigkeit. LORD HURON lullen dich ein, ganz gleich, von wo du emotional kommst.
Das liegt natürlich auch am grandiosen Gesang von Ben Schneider, aber eben auch an der verdammt begnadeten Musikalität, die diese Band von allen Seiten vibrieren lässt. Lediglich den furchtbaren Song mit Kirsten Stewart habe ich ausgeblendet, ansonsten ist die Platte ein einziges „nach dem Schwimmen im Sommer auf der Wiese liegen, den leichten Wind und die warmen Sonnenstrahlen spüren“. Obendrauf kommt noch diese unterschwellige Mystik, mit der LORD HURON alles unterfüttern. Tolles Album für viele Gelegenheiten.
Das Kinn – Ruinenkampf

DAS KINN ist ein Einzelkämpfer, was man seinem Album „Ruinenkampf“ aber nicht anmerkt. Mag sein, dass es sich nach der intensiven Beobachtung von Menschen ruckartig wegdreht, aber er hat auf jeden Fall ein Auge auf sein Umfeld. Das merkt man den Texten an, die abweisend wirken, aber heimlich versöhnend und nach Harmonie fragend sind. Es wummst und knallt mächtig auf der Platte, aber es sind vor allem die großartigen Refrains, die hängenbleiben und „Ruinenkampf“ oft laut schallen ließen. Das böse hüpfende „Alle rüsten auf“ hat an erschreckender Aktualität gewonnen, und falltürig-taktig „Ratten“ ebenso.
Letztendlich ist es auch keine Frage des Erkennens, sondern der des Willens, die Ahnungen und Conclusio auszusprechen. Toben Piel überzeichnet natürlich bewusst, aber gerade die per Sound dargestellten Metaphern sind das Pfund auf „Ruinenkampf“. Es wäre einfach, Parolen zu formulieren, Realität zu Schreckensszenarien hochzujazzen – all das geschieht hier nicht. Ist einfach genauso so doof, wie DAS KINN singt.
Review zu „Ruinenkampf“ von DAS KINN
