Der krachfink.de Jahresrückblick 2025
Ralph Heidel – anyways.onto better things

Mit „anyways.onto better things“ von RALPH HEIDEL verbinden mich viele heiße Tage. Obwohl die Platte im Februar erschien, habe ich sie erst später für mich entdeckt und mich regelmäßig von den dichten Klängen einlullen, schon fast hypnotisieren lassen. Die Features auf diesem Album sind eine große Bereicherung, nicht weil RALPH HEIDEL das alleine nicht so gut hinbekommen hätte. Es ist die Verknüpfung mit dem Titel, die Tatsache, dass man zu Besserem kommt, wenn man sich zusammentut. Sein kreativer Anteil ist deutlich hörbar, aber eben auch HEIDELs Wandelbarkeit, wenn er auf Jun Mikaye, Selassie oder Finn Ronsdorf trifft.
Die Klischees, die dem Jazz anhaften, schütteln wir auf „anyways.onto better things“ von RALPH HEIDEL lässig ab. Das Genre ist eigentlich kein Genre und mit Sicherheit kein sinnloses Gefrickel. Es sind nach außen vertonte Emotionen, die durch intuitives, schon fast prophetisches Zusammenspiel entstehen. Das folgt selten dem üblichen Songschema, aber diese Platte ist trotzdem einprägsam. Ein nachhallendes Album ohne Ablaufdatum.
Review zu „anyways.onto better things“ von RALPH HEIDEL
Tallah – Primeval:Obsession // Detachment

TALLAH gehören auch zu den vielen Bands, die früher alles abgerissen und gewonnen hätten und heute damit leben müssen, dass man ihnen als höchste Anerkennung eine Nähe zu SYSTEM OF A DOWN zugesteht. Dabei sind sie viel mehr und eine der spannendsten Bands im modernen Metalkosmos. Nu Metal greift schon noch als Genreanker bei „Primeval:Obsession // Detachment“, das ist aber nur ein verschwindend geringer Anteil ihrer musikalischen DNA. TALLAH sind präzise as fuck, beinahe schon Richtung Mathcore, kreativ und vor allem unvorhersehbar. Man weiß, dass der Songs einem gleich etwas wegfetzt oder tief ins Herz fräst, wann, wo und wie, ist aber immer unklar.
Beim Eskalieren sind TALLAH erfindungsreich: Das geht ruppig und hart, aber eben auch durch den im besten Sinne unmenschlichen Facettenreichtum im Gesang von Justin Bonitz. Während der Rest der Band gerade SLIPKNOTig alles mit Riffs und Percussion ohne Vorwarnung sprengt, setzt er zu einem harmonischen und allesumarmenden Refrain an. Es braucht seine Zeit, um „Primeval:Obsession // Detachment“ zu durchdringen. Nimmt man sich die, schieben sich immer wieder andere Highlights in den Vordergrund, die erfindungsreicher sind als nahezu alles, was die Szene in den letzten fünf Jahren hervorgebracht hat – manches Mal auch schlicht, weil die Produktion so unglaublich sauber und durchdacht ist, inklusive subtil eingesetzter Rückwärts-Phrasen, besonderem Hall, cleveren Einschüben und einem laufenden Bass, der im Bauch vibriert, der alles maximal optimiert.
Haraball – Fear Of The Plow

HARBALL sind eine norwegische Hardcore-Punkband aus Kongsberg, schon seit über zehn Jahren aktiv und immer stabil. Dichte Kompositionen und ein scharfer Rock-’n’-Roll-Einschlag kennzeichnen ihren Sound, sublimiert wird dieser aber durch eine dumpf darüber liegende Düsternis. Das gibt „Fear Of The Plow“ schon fast einen gespenstischen Unterton und führt zu einem gelungenen Konflikt zwischen Gitarren, Drums und Bass. Während ein Teil, immer anders zusammengesetzt, nach vorne hechten möchte, ergeht sich der Rest in Harmonie oder Melancholie. Das atmet viel von dem bedrückenden Zug, den HOT SNAKES hatten, oder von dem Fatalismus, der in alten TURBOSTAAT-Platten hängt. Dieses grim and go macht mordsmäßig Spaß und setzt sich wie Monolithen in den Raum – tolle Platte.
Gabestok – Alle Dør I Fremtiden

GABESTOK könnte man als Black Metal beschreiben, aber „Alle Dør I Fremtiden“ – ich kann Dänisch, das bedeutet „Alle sterben in der Zukunft“ – könnte man eher als stark angerauten Doom Metal mit absolutem Fokus auf ultra verzerrte Gitarren nennen. Mitnichten Raketenwissenschaft, die GABESTOK da an den Tag legen. Aber die hypnotische Wirkung der zweckdienlichen und trotzdem leidenschaftlich dargebotenen Riffs macht mächtig Spaß.
Manches Mal nimmt die Band doch Fahrt auf („Ildånden (Den knitrende fortærer)“), dann kommt es einem schon fast wahnwitzig schnell vor und dann findet auch die Einordnung zu Black Metal Berechtigung. Der Gesang ordnet sich in jeder Sekunde den Instrumenten unter, was das Erlebnis noch dichter und mächtiger macht.Die Produktion von „Alle Dør I Fremtiden“ ist so gekonnt schmutzig, dass man meinen könnte, eine uralte Platte ausgegraben zu haben. Rückwärtshören nicht empfohlen, nach der Platte fühlt man sich richtiggehend abgekämpft.
