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Der krachfink.de Jahresrückblick 2025

Haxan030 – Creator / Destroyer

Lest die Review zu "Creator/Destroyer" von HAXAN030 bei krachfink.de

Ist mir ein Rätsel, warum HAXAN mit seiner Musik nicht längst mehr Wellen schlägt. Der Sänger von KORA WINTER produziert seit Jahren mehr als stabile Future-Bass-Industrial-Hardcore-Hybride, mit smarten Texten, technikverliebt und unverschämt eingängig. Das wahrscheinlich mit Berlin verknüpfte und neu angehängte 030 hat keinerlei Einfluss auf den Sound. Vergleicht man „Creator/Destroyer“ direkt mit dem Vorgänger „Gargoyle“, dann spürt man doch einen erhöhten Druck als Reaktion auf die äußeren Umstände. Die Musik ist resistenter, noch pointierter und scharfkantiger.

Die Falle schnappt ziemlich schnell zu, vielschichtig wird es erst, wenn wir schon mitten in den Kompositionen hängen. Feierlicher Aufbau oder gefällige Refrains finden hier keinen Platz. Die Gier nach mehr ist dementsprechend hoch, fast schon fast-foodig wird man angefixt und will ständig mehr. Betrachtet man HAXAN nüchtern und mit der verhornten Marketingbrille, weiß man auf Anhieb nicht, in welche Schublade man den Künstler klemmen soll. Aber als ob uns so was interessiert?

Review zu „Creator/Destroyer“ von HAXAN030

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Jools – Violent Delights

Leider haben JOOLS mit „Violent Delights“ nicht für den Aufruhr gesorgt, den sie verdient hätten. Klar, lieber den All-boys-Bands dabei zuhören, wie sie oberkörperfrei oder performativ im Kleid von Feminismus und „Alle für einen“ quatschen und dann im nächsten Moment ihre Meinung ändern und mit erhobener Faust für etwas anderes, nicht so Cooles, brüllen. Wobei man der Band selbst auch ankreiden könnte, dass sie wirklich (zu?) lange für die Veröffentlichung eines Albums gebraucht haben. Aber das Debüt von JOOLS ist ja weiterhin verfügbar und hat sich noch nicht in Luft aufgelöst – wer möchte, kann noch dazustoßen! Crossover ist das böse Wort, das über deren Sound schwebt.

Ein vielseitiges Rockalbum mit wichtigen Themen und neuen Perspektiven trifft es eher. Im Interview mit Sängerin Kate Price und Gitarrist Chris Johnston erfahrt ihr mehr über die Entstehung. JOOLS orientieren sich an aktuellen Trends, mengen aber auch Spoken-Word-Passagen darunter, um eben nicht nur mit Slogans und Floskeln Fans abzugrasen, sondern auch Kontext herzustellen. Im Ergebnis klingt „Violent Delights“ dann auch noch griffig und poppig, bleibt im Ohr.

Review zu „Violent Delights“ von JOOLS

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Moosegut – In Nature’s Embrace

MOOSEGUT sind ein herrlich gescherbeltes und kratzig-dumpf abgemischtes Undergroundjuwel. Das Artwork überspitzt die herrschenden Klischees des trve Black Metal, und die Produktion klingt wie ein Kassettenmitschnitt aus einer verlassenen norwegischen Berghütte. „The Hunter’s Moon“ überrascht dann mit einer garstigen und beinahe gut gelaunten Schunkelorgel. MOOSEGUT mischen Pagan Metal mit Punk und Black Metal, sind also alles andere als pur. Die meisten Songs haben kein sauberes Ende, sondern werden lediglich hart ausgefadet.

Es ist bereits das dritte Album der kanadischen Ein-Mann-Metalband, alle ähnlich stark. Wer das von hakenschlagenden Drums dominierte und herrlich gekrächzte „Predator“ dahintraben hört, wird sofort wissen, warum diese Platte 2025 bei mir häufig lief: MOOSEGUT klingen auf „In Nature’s Embrace“ wie eine ausgegrabene Version der alten DARKTHRONE, verstanden nicht als sakrosanktes Denkmal, sondern als rohe, rumpelige Blaupause.


Heisskalt – Vom Tun und Lassen

Wäre mir Anfang 2025 schon klar gewesen, wie stark die Inhalte von „Vom Tun und Lassen“ von HEISSKALT mein kommendes Jahr bestimmen würden, hätte ich Matthias im Podcast vollkommen andere Fragen gestellt. Das Post-Hardcore-Comeback des Jahres war nichts Geringeres als ein präziser Vorbote von dunklen Wolken und emotionalen Schmerzkaskaden, die sich in den folgenden Monaten ereigneten. „Vom Tun und Lassen“ klingt wie das Resümee von jemandem, der das schon hinter sich und entsprechende Bewältigungsstrategien entwickelt hat. Fernab von allen Phrasen finden HEISSKALT gefühlvolle, motivierende Worte und verstärkende Töne, die all das in heilsame Musik gießen.

Wie ein kleiner Schutzpanzer wirkten die Durchhalteparolen, die eigentlich keine sein wollten und doch nur den Ist-Zustand beschreiben. Und eben die Tatsache, dass da ganz hinten, da wo man es gerade nicht sieht, ein Licht flackert. Man kann HEISSKALT Gefühlsdusseligkeit vorwerfen, aber nur, bis man selbst an dem Punkt war: „Solange, bis es sich zeigt…“. Die glasklare Produktion sorgt auch dafür, dass „Vom Tun und Lassen“ Halt gibt und eine stabile Basis für das Dilemma bildet. Ohne es auszusprechen, skizzieren HEISSKALT mit „Vom Schlimmsten“ die kollektive Depression, die uns als Gesellschaft immer stärker packt. Wehrt euch, denn da ist ein Leuchten, unter all dem Dreck!

Review zu „Vom Tun und Lassen“ von HEISSKALT

Podcast Folge 101 mit HEISSKALT über „Vom Tun und Lassen“

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Lüt – s/t

Wer hat sich auch darüber gewundert, warum Peter Maffay auf dem Cover der Scandirocker LÜT abgebildet ist? Ist er natürlich nicht, aber die Verwunderung darüber, dass es dann tatsächlich ein Feature mit BELA B. auf der dritten Platte der Punkrocker gibt, war ähnlich groß. Fragt sich nur, wer hier mittlerweile von wem profitiert. Vier Jahre sind seit „Merskmak“ und dem ausführlichen Interview mit Mads und Markus vergangen. Markus ist als Sänger Geschichte, statt seiner steuert jetzt jeder etwas bei. Ein grandioser Mehrwert für LÜT!

Am Sound hat die Band eigentlich wenig geschraubt. Wen wundert’s? Zum einen stand der Spaß im Vordergrund, und zum anderen gibt es an den sowieso schon grandios singenden Gitarren und dem vorpreschenden oder herrlich kreuzenden Schlagzeug eh nichts zu rütteln. Aber wenn man genau hinhört, merkt man, dass sie an den richtigen Stellen gefeilt haben. Störrische Hymnen wie „Opp Ned“ breiten genau im richtigen Moment die Arme aus; worum es hier geht, muss man nicht verstehen – das spürt man. Eine dieser Platten, die man schon beim ersten Mal mitsingen will und irgendwie auch kann. Und „Komfortsona“ bricht gleich sprichwörtlich aus, die Trademarks aber immer konsequent im Blick.

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