Lagerkoller DISSOVER Artwork

Disso!ver – Lagerkoller – Review

Dass der Neokraut-Ambient “Lagerkoller” von DISSO!VER während und wegen der Pandemie geschrieben wurde, steht außer Frage. Und zwar nicht nur, weil der erste Song “Aerosole” heißt. Langsam, sphärisch ummantelt, schiebt der Bass ihn rein und man merkt sofort, dass das ein sehr sensitives Album ist. Die Ausdrucksweise, musikalisch und inhaltlich, ist vage und diffus. Ein einziges Genre festzulegen, ist unmöglich, den abschließenden Song “Last Exit Ambient” mal ausgeklammert. Der hypnotisiert uns und zeigt als letzten Ausweg den Rausch auf, eine ewige Wiederholung ohne Ausweg, bis man seelisch gebrochen scheint.

DISSO!VER 2021, Foto von Roman Biewer

Instrumentale Zeitschleife im Fiebertraum

Der Song “Keine Parole” katapultiert uns in eine Zeitschleife an die Haltestelle DIE STERNE/TOCOTRONIC. Nur, dass wir in einem fiebertraumartigen Loop hängenbleiben und wie von Geisterhand immer wieder auf Null gesetzt zu werden scheinen. Und interessant, dass sich der Künstler gerade in dem Song “Misanthropie” besonders gesprächig zeigt, denn der “Lagerkoller” funktioniert größtenteils instrumental. Zeilen wie “Der Zeitgeist will, dass ich weiß, was ich will…” und musikalisch bitterfröhlich untermalte Abzählreime wie “1,2 Menschenhass” treffen genau meinen schwarzen Humor. Genauso wie das disharmonisch nach vorne stolpernde “Du verwechselst mich”, das gleichzeitig nervt und überzeugt. Generell hinterlässt der “Lagerkoller” von DISSO!VER ein ambivalentes Gefühl, weil er eben aus Unsicherheiten, bewussten unaufgelösten Ungereimtheiten, Langeweile, überbordender Kreativität und in einer Ausnahmesituation entstanden ist. Das merkt man, das kann man nicht immer ertragen, das braucht man manchmal.

Dauer: 36:36
Label: Barhill Records
VÖ: 13.08.2021

Tracklist “Lagerkoller” von DISSO!VER
Aerosole
Keine Parole
Misanthropie
Dysfunktional funktioniert
Du verwechselst mich
Win Win
Last Exit Ambient

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