Lest die Review zu "The Great Regression" von DITZ bei krachfink.de

Ditz – The Great Regression – Review

Die britische Post-Punkband DITZ macht auf ihrem ersten Album “The Great Regression” dunkle, repetitive Musik, die sich nicht darum schert, ob wir uns damit wohlfühlen. Die Kompositionen verausgaben sich, setzen sich mittendrin zum Verschnaufen hin und lassen uns in Abgründe stürzen, die sie vorher selbst aufgestapelt haben. DITZ behalten konstant das Kommando, beenden die Songs wie und wann sie wollen.

Sänger Cal nölt im einen Moment schon fast lethargisch, nur um in der nächsten Millisekunde komplett zu explodieren und dann wieder sofort zu typischen britischem Plauderton zurückzufinden. Er mimt den beschützenden Freund genauso gut, wie die fiese Schlangenzunge, die uns in die Dunkelheit zerren will, um uns dort genüsslich in Stücke zu zerreißen. Gleiches gilt für die Musik, tanzbare (“Summer Of The Sharks”) und vermeintlich helle Momente werden so eng mit bitterbösen Stampfattacken vernäht, dass das Gehirn nicht weiß, ob es nun Serotonin oder Oxytocin ausschütten soll.

DITZ 2022, Copyright Andreia Lemos

Der tägliche Kampf

Die Texte von DITZ drehen sich um die zahlreichen Ambivalenzen, die unser Leben und Denken bestimmen. Den Wert von Schönheit nimmt die Band in “I Am Kate Moss” unter die Lupe. Das Model ist ein Synonym für Zerrissenheit und der wandelnde Beweis dafür, dass Schönheit weder glücklich macht, noch ein Beweis für das innere Seelenheil ist. Dadurch entstehen auch Ansprüche, die manche kaputt und andere eitel oder eingebildet machen. Dass das Album “The Great Regression” von DITZ so schroff und zu gleichen Teilen einladend und auch abweisend klingt, liegt daran, dass die Band sich eben ausschließlich mit gesellschaftskritischen Themen befasst.

I know, I know, we all bleed

Es geht um die Lohnverhältnisse in Großbritannien, den ständigen Drang nach Mehr von allem, Ängste und die unsinnige Unterteilung in Geschlechter, die damit verbundenen Unterdrückungsmechanismen und der dadurch resultierende Stillstand. Häufig sagen die Instrumente mehr aus (“Ded Würst”), als der Text. Man erfasst DITZ sehr intuitiv und die Musik kommt nicht nur intellektuell, sondern vor allem körperlich ungebremst an. Das ganze Album steht unter starker Spannung, da man nie weiß, welchen Ton DITZ als Nächstes anschlagen. So droht uns “Teeth” erst, wankelt etwas unsicher und entpuppt sich am Ende doch als einer der freundlichsten Songs von “The Great Regression”.

Musikalisch und textlich unerbittlich

Man kann DITZ mit vielen Bands vergleichen, ihnen eine Ähnlichkeit zu den düsteren Anfängen von FRANK CARTER AND THE RATTLESNAKES (“Teeth”) bescheinigen, etwas FOALS hört man, auch LIFE, JOOLS (“No Thanks I’m Full”) und natürlich sind auch die neueren IDLES (“Clocks”) nicht fern. Letztendlich bedient sich das Quintett aber einem im britischen Underground schon lange etablierten Stil, bei dem man eben genau so unerbittlich textet und musiziert.

Während bei diesem Genre eigentlich eher Bass und Drums in der ersten Reihe stehen, ziehen bei DITZ wirklich alle an einem Strang, um uns in den Kaninchenbau zu ziehen. “Hehe” ist so gar nicht zum Lachen, wirkt eher wie eine Falle, in die wir arglos tappen und der wir nicht mehr entkommen können. Schon das Artwork von DITZs “The Great Regression” sagt viele aus. Wir stehen im Dunkeln, nehmen alles in schwarz und weiß wahr und je mehr wir uns nach vorne drängen, umso hässlicher sehen wir aus.

Dauer: 38:04
Label: Alcopop Records!
VÖ: 04.03.2022

Tracklist “The Great Regression” von DITZ
Clocks
Ded Würst
Summer Of The Sharks
Three
The Warden
I Am Kate Moss
Instinct
hehe
Teeth
No Thanks I’m Full

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