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Eva Pantleon – Ein Stern macht noch keinen Himmel – Review

“Ein Stern macht noch keinen Himmel”, so lautet der Titel des neuen Buches der Autorin Eva Pantleon. Das klingt nach verträumtem Liebesroman und auch etwas nach Kitsch, aber mitnichten nach dem, was tatsächlich die Geschichte dominiert. Die Landärztin Janne versucht sich mit ihren Kompetenzen im Dorfleben zu integrieren, was ihr mal mehr und mal weniger gut gelingt. Auf einer Party lernt sie Leon Bloomdale kennen, der Engländer kommt ihr irgendwie bekannt vor und es stellt sich heraus, dass er in ihrer Vergangenheit eine wichtige Weiche für ihr Leben gestellt hat.

Wesentlich für den Roman ist aber die Kindheit von Janne, die sie und ihr Bruder lange Zeit alleine mit der psychisch kranken Mutter verbracht haben. Die traumatischen Ereignisse wurden niemals gründlich aufgearbeitet, teilweise sogar verdrängt. Umso besser, dass Leon Psychologe ist und an Jannes Seite steht.

Viele Fragen auf einmal?

“Ein Stern macht noch keinen Himmel” von Eva Pantleon kränkelt etwas an dem Anspruch der Autorin, möglichst abwechslungsreich zu schreiben. Sie wirft viele Charaktere ins Rennen, die für den Verlauf der Geschichte nicht entscheidend sind. Auch der Perspektivenwechsel in der Erzählung selbst, ist streckenweise anstrengend und verwirrend. Trotzdem lohnt es sich, den Roman zu lesen und es ist durchaus auch nachvollziehbar, welche unterschiedlichen Aspekte sie mit den unterschiedlichen Nebenschauplätzen herausarbeiten möchte.

Wie geht man mit seelisch kranken Menschen um? Welche Fragen stellen sich werdende Eltern? Hat man als Kind Bedenken, die Erkrankung geerbt zu haben? Welche Dynamik herrscht zwischen den Geschwistern? Wie groß ist die Scham und was kann das Schweigen, das eigene und das der anderen, anrichten?

Mehr, als man vermutet

So liest sich “Ein Stern macht noch keinen Himmel” zwar etwas hakelig und Eva Pantleon verkauft ihre Idee mit Titel und Artwork auch unter Wert, aber für Betroffene lassen sich daraus Erkenntnisse ziehen. Dieses schwere Thema so leicht zu verpacken, ist auch nicht einfach. Es gelingt ihr aber sehr gut, die Grenzen zwischen vermeintlichem Gut und Böse zu verwischen. Ihr Buch folgt subtil dem Verlauf einer bipolaren Störung, schwenkt also unmittelbar von heiter zu traurig um.

Sie schafft Verständnis für diese Erkrankungen und die Tatsache, dass wohl kein Mensch frei von emotionalem Schaden durch seinLeben kommt. Traumata holen uns meistens ein, mal früher und mal später, mal sanft und mal unerbittlich hart. Gleichzeitig zeigt sie auf, was helfen kann und vor allem – wahrscheinlich die wichtigste Botschaft -, dass es nie zu spät ist, für Versöhnung.

Seiten: 446
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3499003929
ISBN-13: 9783499003929
VÖ: 12.04.2022

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Eva Pantleon Autorenseite bei Rowohlt

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