Fluppe – Beest – Review
Mit der Musik auf ihrer neuen Platte „Beest“ wird die Hamburger Band FLUPPE allen Assoziationsmöglichkeiten ihres Bandnamens gerecht. Einerseits umwabern einen die harmonisch mäandernden Gitarren genauso sanft wie ein dampfender Spliff, andererseits findet sich auch das sprichwörtliche Fluppeziehen in den Texten auf subtile Weise wieder. Der niederländische Albumtitel bedeutet „Biest“.
Doch die Kompositionen zeigen wenig Angriffslust und sind stattdessen frei von aggressiven Tendenzen. Straff gespielter Post-Punk, der die bewährte Symbiose von Bass und Gitarre betont, und effektvoll akzentuierte Indie-Fragmente machen „Beest“ zum bislang spannendsten Album von FLUPPE – mit beeindruckend beruhigender Wirkung. Hier wird das Biest nicht entfesselt, sondern besänftigt.

Wenn Text und Musik ineinandergreifen
Auf „Beest“ verzahnen FLUPPE Texte und Musik so gekonnt, dass jedes Stück vollkommen wirkt. Je nachdem, was einem Lied guttut, stellt die Band andere Aspekte in den Vordergrund. Mal wird der Gesang um einen Takt verschoben, mal bekommt eine Gitarrenfigur mehr Raum, während Bass und Schlagzeug das Fundament unerschütterlich zusammenhalten.
Rätselhafte Beobachtungen statt großer Wahrheiten
Nicht alles auf „Beest“ erschließt sich sofort, auch wenn der Grundton durchweg überzeugt. Manche Textzeilen irritieren, weichen von vertrauten Denkmustern ab und werfen zunächst mehr Fragen als Antworten auf. FLUPPE machen es ihren Zuhörern nicht leicht. Einen pädagogischen Auftrag haben sie ohnehin nicht. Gerade deshalb sind die Refrains von „Pong“, „Dodgers“ oder „Grains“ keine Weisheiten, die neue Tore zur Welt öffnen, sondern eher beiläufige, manchmal rätselhafte Beobachtungen. Gedanken, die zunächst einfach im Raum stehen bleiben, ohne vollständig ausformuliert oder glattgeschliffen zu sein. Diese Abkehr von der allgegenwärtigen Schlaumeierei verleiht „Beest“ eine angenehme Gelassenheit.
Kleine Details im Klangbild
In den Songs schimmern immer wieder Synthie-Spuren durch, alles ist sorgfältig aufeinander abgestimmt. Auf den ersten Blick wirkt das Ganze wie klassischer Post-Punk oder Indie. Hört man jedoch genauer hin, entdeckt man viele kleine Details: Geräusche, die klingen, als würde ein Flugobjekt durch die Klanglandschaft ziehen, oder ein Bass, der plötzlich gewaltig aufdonnert und beinahe gedoppelt wirkt. Auch der kleine Fingerzeig Richtung TEAM SCHEISSE flattert natürlich nicht unbemerkt vorbei.
„Shanty“: Vorwärtsdrang und Wehmut
Alles auf „Beest“ von FLUPPE ist soundtechnisch fein ausgearbeitet. Auf grundsoliden Kompositionen haben die Band und Produzent Tobias Siebert ein vielschichtiges Klangbild aufgebaut: Effekte werden gezielt eingesetzt, Hall sitzt genau dort, wo er wirken soll, und die Instrumente setzen ihre Akzente punktgenau. Der variable Gesang findet dabei immer wieder neue Ausdrucksformen und verleiht den Songs zusätzliche Dynamik.
Exemplarisch dafür steht „Shanty“, ein Stück, das einen umgehend packt, aber trotzdem erst erkundet und verstanden werden möchte. Der Song zieht mit spürbarem Druck nach vorne, während sich gleichzeitig eine seltsam entrückte, bittersüße Melancholie durch die Klangschichten zieht. Gerade dieses Spannungsfeld zwischen Vorwärtsdrang und schwebender Wehmut sorgt dafür, dass „Shanty“ sofort fesselt und lange nachhallt.
Musik, die nachwirkt
Das schönste Kompliment für „Beest“ von FLUPPE ist, wenn plötzlich Songzeilen oder Melodien im Kopf auftauchen. Dann hat die Platte ihr Ziel erreicht. Mit ihrer warmen, unaufgeregten Art dringen die Songs dorthin vor, wo Musik lange nachwirkt. Ein starkes Album, das sich wohltuend dem schnellen Konsum entzieht und seine Zeit einfordert.
Dauer: 37:28
Label: Rookie Records
VÖ: 20.03.2026
Tracklist „Beest“ von FLUPPE
Intro
Sam Rockwell
Cola & Chantre
Kreuzberg
Pong
Houllebecq Girl
Grains
Shanty
Dodgers
Alien Mystery
Kientop
Beest
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