Frank Schätzing – Spaceboy: Über Bowie. Über mich. – Review
Mit „Spaceboy. Über Bowie. Über mich.“ legt Bestseller-Autor und Musiker Frank Schätzing ein Buch vor, in dem er einen Teil seines Lebens an dem von David Bowie spiegelt. Sterne und Galaxien als sinnbildliche Metapher verkörpern die Magie von Stars sehr gut: Man sieht sie aus der Ferne, sie sind immer da, inspirieren, geben Halt und Leitplanken. Erreichen kann man sie aber – bis auf wenige Ausnahmen – nie selbst. Alle brauchen diese Vorbilder und Gestalten, die scheinen, selbst wenn nicht immer klar ist, von wem genau was in uns nachklingt. Nach diesem Buch wird klar, dass Bowies Schaffen der Funken von so vielem war.
Dass die Review zu diesem Buch verzögert erscheint, hat sich der Autor selbst zuzuschreiben. Von Beginn an wird man in einen interessanten Sog gezogen, ständig dazu animiert, Details über Bowie oder Schätzing zu recherchieren. Bowies Gesamtwerk sprengt allerdings den Umfang von „Spaceboy. Über Bowie. Über mich.“ Es war schlicht nicht möglich, während der Lektüre die gesamte Diskografie zu hören.
Die Lektion der Vielseitigkeit: Bowies größtes Geschenk
Frank Schätzing steigt mit „Spaceboy. Über Bowie. Über mich.“ in seiner frühen Schulzeit ein. Unsicher und fragend stolpert er durch seinen Alltag, auf der Suche nach seiner Form und seinem Ausdruck. Bowie gibt ihm über die Jahre die wichtige Lektion der Vielseitigkeit mit: Man muss sich nicht festlegen, und man muss wechselnde Entscheidungen nicht als wankelmütig negativ deuten. Bowie erfindet sich ständig neu, überschreitet damit Grenzen, und seine unterschiedlichen Ausprägungen entsprechen doch immer genau seinem damaligen Ich.
Warum Schätzing ohne Bowie nicht derselbe wäre
Dass Schätzing selbst ambitionierter Musiker ist – und mit TAXI GALAXI eine eigene, wenn auch hörbar stark beeinflusste Band hat – wissen viele nicht. Man kennt ihn als Autor von „Der Schwarm“ und den daran anknüpfenden Erfolgen. Wie Schätzing in „Spaceboy. Über Bowie. Über mich.“ schreibt, ist beeindruckend, einfühlsam und geprägt von der Perspektive eines Künstlers. „Musik rettet mich irgendwie“, zitiert er sich selbst im Gespräch mit einem Freund zu Teenagerzeiten. Im Zuge der Adoleszenz kennen viele diese heilsame Wirkung von Tönen und wirklich guter Musik. Leider verlieren viele das im Laufe der Jahre – woran liegt das?
Schätzing stellt treffende Verbindungen zwischen Albträumen, dem Hang zum Morbiden, einem gewissen Wahnsinn und Kunst her. Kein Wunder, dass so viele unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler von Bowie nachhaltig beeindruckt waren. Mit „Spaceboy. Über Bowie. Über mich.“ lassen wir dank Frank Schätzing Bowies Höhepunkte und Fehltritte noch einmal Revue passieren. Den Briten als prägend zu bezeichnen, ist maßlos untertrieben. Vieles, was heute heiß diskutiert wird, hat er damals nonchalant salonfähig gemacht – und damit eine Menge Menschen darin bestärkt, sie selbst zu sein.
Charmant oder zu hoch gegriffen?
Bowies Karriere war nicht nur von Erfolgen gekrönt; gerade als Thin White Duke leistete er sich einige darstellerische und auch verbale Ausreißer. Genau wie bei Bowies Werdegang verliert sich auch das Interesse an Schätzings Leben, sobald sich der große Erfolg einstellt. Was vorher mutig wirkte, bekommt nun einen Hang zur Übertreibung und führt in das erste richtige Tief.
„Spaceboy. Über Bowie. Über mich.“ zeigt Frank Schätzing von einer neuen, ungewohnten Seite. Dass er sein Leben parallel zu dem von Bowie laufen lässt, ist gleichermaßen charmant wie zu hoch gegriffen. Aber so funktioniert das Starsein: Es muss scheinen, es muss auffallen. Ein absoluter Lesetipp für Bowie-Fans – denn Schätzing hat ausführlich recherchiert und wertvolle Anekdoten aufgetan. Sein enormer sprachlicher Ausdruck, gepaart mit seinen emotionalen Eindrücken, stellt „Spaceboy. Über Bowie. Über mich.“ als besonderes Highlight im Bereich der Musikerbiografien heraus.
Seiten: 464
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
ISBN-10: 3462010948
ISBN-13: 978-3462010947
VÖ: 06.11.2025
Bücher, die Dir gefallen könnten:
LONG DISTANCE CALLING – Live at Lichtburg
Dave Grohl – Der Storyteller – Geschichten aus dem Leben und der Musik
Udo Lindenberg, Thomas Hüetlin – Udo
Jeff Tweedy – Let’s Go (So We Can Get Back)
Nirvana – Das Sonderheft (ROCK CLASSICS #33)
Kelly Osbourne – There Is No F*cking Secret: Letters From a Badass Bitch
Inga Humpe – Wir trafen uns in einem Garten
Linus Volkmann – Sprengt die Charts! Wie werde ich Popstar (und warum?)
Patti Smith – Im Jahr des Affen
Kat Menschiks und des Diplom-Biologen Doctor Rerum Medicinalium Mark Beneckes Illustrirtes Thierleben
Alexander Gorkow – Die Kinder hören Pink Floyd
Uwe Carstens, Harald Stutte – Der Kleine von Dakota-Uwe: Meine Kindheit auf St. Pauli
