Friends Don’t Lie – Zenit der Dramaturgie – Review
Was die Frankfurter Pop-Rockband FRIENDS DON’T LIE mit stolz geschwellter Brust auf ihrer ersten Platte „Zenit der Dramaturgie“ vor sich herträgt, ist zugleich ihr größtes Pfund: ansteckender Tatendrang und die spürbare Lust, Musik zu machen und für ein gutes Miteinander einzustehen. Absolut modern produziert, dynamisch und ohne Angst vor Pop geht das Trio stramm nach vorne. Auf ihrem Weg werden sie viele Gleichgesinnte finden und neue Menschen mit ihrer Lebensfreude anstecken. Aus Wolkenkuckucksheim stammt die Band allerdings keineswegs. Ihre Texte speisen sich aus Niederlagen und tiefen Momenten, die sie in Musik verwandeln und ihnen den nötigen Tiefgang verleihen.

Über die positive Spitze des Eisberges
Die Bilanz der Glaubwürdigkeit fällt gar nicht mal schlecht aus: Hips don’t lie, tears don’t lie und FRIENDS DON’T LIE eben auch nicht. Auch wenn Rock und harsche Metalcore-Elemente die Basis des Bandsounds bilden, hört man deutlich die Einflüsse von Casper und Kraftklub heraus. Bei den Besten zu lernen, ist schließlich nie verkehrt. Dabei begnügt sich FRIENDS DON’T LIE nicht mit bloßer Imitation, die Band befindet sich bereits klar auf dem Weg zu einem eigenen Stil. Die Texte reduzieren ihre Inhalte auf das Wesentliche und beziehen dennoch eindeutig Stellung, während hier und da Zitate und kleine Verbeugungen vor großen Vorbildern durchscheinen.
„Zenit der Dramaturgie“ richtet sich weniger an die Saturierten, die früher einmal aktiv waren und heute lieber das Sofa dem Festival vorziehen. Der Band muss man allerdings ihren enormen Zug nach vorne zugutehalten (Blackout). Ohne ins Kalenderspruchhafte abzurutschen, wirken manche Parolen so wahrhaftig, dass man sich fast selbst dazu herausgefordert fühlt, wieder etwas mehr beizutragen. „Ob das richtig ist, das weiß ich nicht, nur dass dieses Leben mein letztes ist“, solche Zeilen treffen jeden, egal an welchem Punkt der Reise man ist.
Die Freunde können auch hart
Die bereits erwähnten härteren Momente stehen FRIENDS DON’T LIE ebenfalls erstaunlich gut und keineswegs aufgesetzt. Das rhythmusbasierte „Splitter“ spielt gekonnt mit dem Charme der Nullerjahre, streckt sich nach PAPA ROACH und Co und liefert eine ordentliche Pitabfahrt inklusive Bläser. Das knallt auf jeden Fall auf den Festivalbühnen, haut die notwendigen Kanten ins Gefühl und gibt den notwendigen Kontrast. Dieses Debüt hat wirklich alles an Bord, denn „Dieses Lied“ empfiehlt sich mit seinem griffigen Refrain und dem Haken zu THE VERVEs Klassiker „Bittersweet Symphony“ sogar für das Formatradio. Im Prinzip kann man sich jetzt nur zurücklehnen und warten, wer sich FRIENDS DON’T LIE zuerst greift. Die Band scheint offen für alles, ohne beliebig zu komponieren.
Hilfreicher als die x-te blutarme Punk-Agenda-Platte
Von Support für BOSSE über ROGERS bis zu MADSEN ist eigentlich alles drin. Die Stimmung steckt an und es sei einer Band, die ohne Label, ohne Booking-Agentur und ohne Produzent eine so stimmige Energiebombe abliefert, gegönnt, dass sie damit Erfolg haben. Es ist mitnichten alles perfekt an „Zenit der Dramaturgie“, die Ballade „Tausend Türen“ steigt anstrengend ein, zieht sich dann aber durch Druck am eigenen Schopf wieder aus dem Honigtopf, bevor es kritisch wird. FRIENDS DON’T LIE tun genau das, sie probieren sich aus, sie stecken Energie in die Platte und wollen gute Werte unters Volk bringen. Das ist weitaus hilfreicher als die x-te blutarme Punk-Agenda-Platte.
Dauer: 31:22
Label: Uncle M / Believe / Integral
VÖ: 29.05.2026
Tracklist „Zenit der Dramaturgie“ von FRIENDS DON’T LIE
Unsere Zeit
Angst
Jahr Für Jahr (feat. Zirkel)
2 Uhr Nachts
Jede Zeile ein Schrei (feat. Grell _ Vinta)
Dieses Lied
Hoch hinaus
Tausend Türen
Splitter
Blackout
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