Ghost Bath – Self Loather – Review
GHOST BATH treten über ihre Artworks und Bandfotos immer traditionell auf, man erwartet ultradüsteren und depressiven Black Metal, ohne Kompromisse. Dabei ist das vierte Album „Self Loather“ wieder ein gelungenes Beispiel dafür, wie man eben doch modernen Black Metal spielen kann, der sich trotzdem der Wurzeln des Genres bewusst ist („Sinew And Vein“, „Flickering Wicks of Black“). Wenn die Band mit „Convince Me To Bleed“ einsteigt, könnten wir es in den ersten Sekunden genauso gut mit einem ganz anderen Genre wie Post-Metal oder Metalcore zu tun haben.
Sobald der gutturale Gesang einsetzt, ist die Stoßrichtung eindeutig klar und nach und nach überwältigen stramme Blastbeats und eine nihilistische Stimmung den Opener. Immer wieder schießen die Gitarren melodiöse Pfeile ab, die den dunklen Sog kurz aufbrechen. Eine fulminante Eröffnung und selbst wenn der Rest der Platte Grütze wäre, setzen GHOST BATH alleine damit eine starke Marke.
Verzweiflung in Töne gegossen
Verzweifeltes Frauenweinen und quälende Schreie erwareten uns im folgenden „Hide From The Sun“ und spätestens hier selektieren GHOST BATH ihre Zielgruppe. Motiviert durch die zusätzliche Isolation, die zu der persönlichen und gefühlten durch die Pandemie jetzt noch dazukam, sind GHOST BATH teuflisch unterwegs. Ganz bewusst spielen sie mit psychologischen Schlüsselreizen und bedienen die Klaviatur der Angst. In manchen Momenten ist das emotional schwer ertragbar, musikalisch ist es allerdings immer bemerkenswert gut.
Gerade weil GHOST BATH die Urinstinkte des Genres beibehalten, demonstrieren sie, dass die ureigene Angst und Verzweiflung von jeher in den Menschen steckt. Es sind aber mitnichten der grobe Gesang oder offensiv schroffen Momente, die das Album halten. Wenn beim instrumentalen „I hope death finds me well“ das Klavier übernimmt oder bei den Kompositionen „Shrines Of Bone“ oder „Sanguine Bath“ die letzten Minuten jegliche Trauer, Verzweiflung und Angst in eher sanften, teilweise akustisch vorgetragenen, Tönen zu einer einzigen Mutlosigkeit zusammenlaufen, dann geht „Self Loather“ tatsächlich an die Nieren.
Harter Tobak, selbst für Hartgesottene
Wenn diese Szenen dann bitter nachhallen, ist man eigentlich sogar ganz froh darüber, wenn es wieder laut und zornig klingt. Sobald die spitz flirrenden Gitarren mit dem Gekreische ringen und man kurz das Gefühl hat, doch noch entkommen zu können, dann sind GHOST BATH am besten („A Crystal Lattice“). Man muss schon leidensfähig veranlagt sein, um bei Black Metal in Entspannung zu kommen, mit „Self Loather“ gehen GHOST BATH noch einen Schritt weiter.
Dauer: 45:48
Label: Nuclear Blast
VÖ: 29.10.2021
Tracklist „Self Loather“ von GHOST BATH
Convince Me to Bleed
Hide from the Sun
Shrines of Bone
Sanguine Mask
A Crystal Lattice
Sinew and Vein 3
I hope death finds me well
For it is a Veil
Unbearable
Flickering Wicks of Black
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