Ghosts And Errors – Teenage Prose – Review
„Teenage Prose“ von GHOSTS AND ERRORS ist eine intensive, zum Innersten gerichtete Platte, deren fragile Indie-Folk-Klangwelt mit einem Hang zu Americana zwischen Detailverliebtheit und Schwere oszilliert. Leichtfüßig ist die Platte nicht wirklich, einen echten Hang zum Schwermut kann man der Band rund um Florian Stepper, unter anderem bekannt durch KAUFMANN FRUST, aber auch nicht unterstellen. Über Jahre gewachsen hat sich das Projekt von einer reduzierten, akustischen Idee zu einem offenen Bandgefüge entwickelt, an dem insgesamt 16 Musiker*innen beteiligt sind.
Ein Großteil der Aufnahmen entstand im Funkhaus Berlin, weitere Sessions führten in ein abgelegenes Haus an der brandenburgisch-sächsischen Grenze sowie ins andalusische Hinterland. Der Albumtitel könnte suggerieren, dass es sich um pubertäre Inhalte ohne Tiefgang handelt. Dem ist nicht so.

Geister, Erinnerungen, Übergänge
„Bluebird“ flackt sich dumpf in die Szenerie, Klarinette und ein stoischer Beat, flankiert von weich abfedernden Akustikgitarren, erschaffen eine ambivalente Stimmung. Dem Bandnamen gerecht werdend fühlt sich das Lied sphärisch, beinahe unwirklich an, wie ein Übergang in eine andere Welt, von der niemand weiß, wie sie sein wird. Ohne sie platt zu treten, zelebrieren GHOSTS AND ERRORS diese Momente. Es geht nicht darum, mit schnellen Effekten zum Ziel zu kommen. Entspannung und Rat liegen meist im Dazwischen.
Auch die häufig eingesetzte Orgel trägt diese Ambivalenz. Ein Hauch Wehmut beim Blick zurück trifft auf zitternde Unsicherheit beim Gedanken an morgen. „Out of Wine feat. Maarten Vos“ stellt diese Fragilität auf eine ganz eigene Weise her. Der unterschiedliche musikalische Zugriff auf die vielen Perspektiven eines Lebens im Ungleichgewicht gelingt GHOSTS AND ERRORS bemerkenswert gut.
Reduktion und Überwucherung
Songs wie „Jewelry“ schwingen sanft nach vorne und sind durchzogen von gewinnbringenden Details. Sich kreuzende Hallräume und ein atmender Takt vermitteln Tiefe und Dichte. Die Metapher von Geistern lässt sich nicht nur klanglich greifen, sondern passt auch inhaltlich zum Erinnern an sich selbst. Im Kontrast zu den dichter orchestrierten Stücken steht das beinahe rohe „Nothing“. In solchen Momenten erinnern GHOSTS AND ERRORS an Lord Huron, Ron Sexsmith oder Fleet Foxes. Mit minimalen Mitteln erreicht die Band eine maximal cineastische Wirkung, eher Coming of Age als Blockbuster. Im anschließenden „February“ rückt die Band dann für ihre Verhältnisse nah an Euphorie heran, konterkariert diese aber mit Streichern und einem feinen Schleier aus Melancholie, der sich über das gesamte Album legt.
Kein schneller Effekt
„Teenage Prose“ von GHOSTS AND ERRORS verdichtet seine unterschiedlichen Einflüsse zu universellen Gefühlen, die mit der Zeit an Tiefe gewinnen. Mit wachsender Patina gewinnen diese Songs nur an Wert. Kein Album für den schnellen Effekt, sondern eines zum regelmäßigen Kalibrieren der eigenen Sinne.
Dauer: 48:49
Label: My Favourite Chords
VÖ: 12.06.2026
Tracklist „Teenage Prose“ von GHOST AND ERRORS
Teenage Prose feat. Polar Noir
Jewelry
Songs of past lives
Nothing
February
Out of Wine feat. Maarten Vos
Crystal Valley
Fuzzy Blurry Love feat. Luca Chesney
In tongues feat. Ricardo Domeneck
Bluebird
Internet
June 22
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