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girl in red – if i could make it go quiet – Review

Eine Unbekannte ist Marie Ulven Ringheim – die Sängerin, Produzentin und Songwriterin, die hinter GIRL IN RED steckt – nicht gerade, selbst wenn “if i could make it go quiet” ihr das erste Album der Norwegerin ist. Mehrfach ausgezeichnet und schon einige EPs im Gepäck, warten offensichtliche einige Leute sehnsüchtig auf die erste Platte von ihr. Schon der Opener “Seretonin” ist ein echter Knaller, der die Erwartungen mehr als erfüllt, aufregend arrangiert fällt sie mit der Tür ins Haus. Im Gepäck ihre Ängste und die Wut über deren Macht über sie, aber auch bisschen Trotz und stark motiviert. Leider scheint der folgende Song “Did You Come” quasi eine Blaupause davon zu sein. Das ist aber mit Sicherheit der einzige seltsame Moment, den man “if i could make it go quiet” attestieren kann. Ansonsten legt die Musikerin hier ein herrliches Indie-Pop-Album mit inhaltlicher Relevanz und unverschämt eingängigen Melodien vor.

GIRL IN RED 2021, Foto von Jonathan Kise

Ungestüm und träge zugleich

Die Ungestümheit von GIRL IN RED funktioniert besonders gut durch die als Gegenpol agierende, lässige Trägheit – deshalb auch die Zuordnung zu Bedroom-Pop – und die oft gar nicht erwartbaren pikanten Anspielungen, die sie an manchen Stellen einfließen lässt. Das macht sie unberechenbar, selbstbewusst und schutzbedürftig zugleich. Schon alleine in der Schreibweise der Songtitel, mal groß und mal gleich, zeigt sich eine gewisse Ambivalenz, die wohl alle guten Künstler*innen haben. Der dichte Indie-Wave-Brecher “You Stupid Bitch” ist mit Sicherheit dazu vorbestimmt, nicht nur in der queeren Community ein Hit zu werden. Unverkrampft arbeitet sie mit einem zuckrigen, schon fast aufdringlichen Refrain. Selbstbewusst und etwas pöbelnd, hat GIRL IN RED die Hymne für alle geschrieben, die abgelehnt wurden und denen “Krone richten, aufstehen, weitermachen” zu wenig ist. Manchmal muss eine harte Ausdrucksweise und etwas Selbstbeweihräucherung einfach sein.

GIRL IN RED bedient mindestens zwei Ebenen

“if i could make it go quiet” funktioniert auf interessante Weise auf zwei mindestens Ebenen, man kann GIRL IN RED im besten Sinne als eingängig wegsortieren und sich einfach nur von den Melodien und ihrem teilweise herrlich sphärischen Gesang (“midnight love”) berauschen lassen. Hört man auf ihre Texte, kommt noch eine zweite, sehr emotionale Ebene dazu. Sie singt sehr offen über sich, ihre Ängste und ihren starken Wunsch nach Liebe und Nähe. Manchmal auch bereit sich dafür zu erniedrigen, nur um die gewünschte Zuneigung zu bekommen.

Auch “Rue” wird viele abholen, ein herrlich vor sich hin trappelnder, weitläufiger Song über die Erkenntnis, dass man einfach Scheiße gebaut hat und Dinge nicht rückgängig machen kann. Die Auseinandersetzung damit kann einen auffressen und ein ganzes Leben lang beschäftigen. Nach einem kurzen Flüstern lässt sie alle Emotionen in die Musik laufen und eskaliert in einem herrlichen Instrumentalfinale. Alleine, dass das Album mit einem herrlich in der Luft hängenden Klavierinstrumental mit Streichern aufhört, sagt so viel über die Vorgehensweise dieser Künstlerin aus. GIRL IN RED wird alle, die darauf gewartet haben, mit “if i could make it go quiet” mehr als glücklich machen und ganz sicher ihren Platz weltweit finden.

Dauer: 33:09
Label: world in red
VÖ: 30.04.2021

Tracklist “if i could make it to go quiet” von GIRL IN RED
Serotonin
Did You Come
Body And Mind
hornylovesickmess
midnight love
You Stupid Bitch
Rue
Apartment 402
.
I’ll Call You Mine
it would feel like this

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