Gojira Fortitude

Gojira – Fortitude – Review

Bei Alben von GOJIRA – und somit auch beim neuen Album “Fortitude” – stellt sich eigentlich nicht die Frage, ob sie gut sind, sondern nur wie gut sie sind. Fünf Jahre nach “Magma” liegt uns nun die neue, siebte Platte vor. Brachial, dominant und äußerst dringlich. Die Songs sind weniger offensichtlich kunstvoll arrangiert und zu hören gibt es altbewährte Stärken, aber auch (verhältnismäßig wenig) Neues. Fortitude bedeutet soviel wie Stärke, Tapferkeit oder seelische Kraft. Was damit wirklich gemeint ist, kommt auf den Blickwinkel an. Wer in den privilegierten Teilen dieser Erde lebt, fühlt sich stark. Aber sind wir deshalb tapfer oder seelisch kräftig? Oder sind wir ängstlich, weil wir Angst haben unseren Reichtum zu teilen und nicht alles dafür geben, um weltweit ein gutes Leben für alle zu schaffen? Ist das Gegenteil von Angst wirklich Mut?!

Gojira-Foto-von-Gabriel-Duplantier
GOJIRA 2021, Foto von Gabriel Duplantier

Musikalisch vertrackt und inhaltlich stark

Die ersten beiden Songs von “Fortitude” sind bekannt. Wer GOJIRA mag, wird “Born For One Thing” und “Amazonia” in Endlosschleife gespielt haben. Besonders die Dominanz des Basses fällt hier auf, ansonsten gibt es – was im Kontext mit dieser Band noch pures Gold bedeutet – keine bahnbrechenden Neuigkeiten. Die Franzosen sind musikalisch gewohnt vertrackt, dabei beinhart und inhaltlich stark. Ihr Engagement geht weit über den künstlerischen Rahmen hinaus, denn GOJIRA sind tatsächlich aktiv und spenden Einnahmen an die Personen, über deren Zustände sie singen. Auch in “Another World” sticht der Bass hervor, er gibt den Rahmen für die sich duellierenden Töne und harmonischen Machtgesänge vor.

Einen ersten hörbaren Kurswechsel gibt es dann mit “Hold On”, denn hier vereinen sich Tribe-Klänge mit einem Achtzigerjahrevibe. Herrlich ausladend und unverkrampft aufbauend, strecken sich GOJIRA ganz dezent nach METALLICA. Auch das ist natürlich auch nur Ansichtssache, je nachdem, von wo aus man auf die Sache schaut. Für manche haben GOJIRA nämlich METALLICA rein kompositorisch schon lange überholt. Die Gitarren zaubern auf jeden Fall Gänsehaut und zwar nicht nur die Spielart betreffend, sondern auch stark von dem überragenden Sound unterstützt.

GOJIRA drohen und brummen bedrohlich von allen Seiten

Aber das alles wirkt nur wie ein gutes Vorspiel, bis GOJIRA mit “New Found” zum absoluten Schlag ausholen. Die Musik zieht und zerrt mit aller Gewalt an den Nerven und erzeugt eine grandiose Aufmerksamkeit. Es droht und brummt bedrohlich von allen Seiten, der Groove ist unumgänglich . Das sind GOJIRA, so wie ich sie liebe. Nach viereinhalb Minuten ist man komplett erschlagen, aber die Band legt noch zwei Minuten nach. Tonnenschwer wie die Schuld, die wir tagtäglich auf uns laden, fallen GOJIRA auf uns nieder. Das zurückbleibende Gefühl, hauptsächlich durch die Gitarren-Slides erzeugt, ist erschütternd, traurig und hoffnungsvoll gleichzeitig – ein zwingender Kandidat für die folgenden Konzerte.

Und so könnte man eigentlich über jeden einzelnen Song schwärmen, denn Füllmaterial oder belangloses Material gibt es auf “Fortitude” nicht. In “Sphinx” bedient sich die Band einem ägyptischen Muster, formt es aber so stark zu ihrem eigenen um, dass man es kaum erkennt. Und selbst der mit Klanghölzern, knurrendem Bass und Schellenkranz verschmolzene Titeltrack ist fesselnd, der Chor in seiner Stimmung schwer einzuordnen oder eher schwankend. Der Song fließt in den nächsten, “Chant”…

Ein Sturm, dessen Folgen uns alle betreffen

Mit dem satten und verbindenden “The Chant” verdeutlichen GOJIRA erneut (!) warum sie als die Hoffnungsträger der Metalszene gelten. Warum sie diejenigen sein könnten, die die großen Hallen füllen und auf die Plätze der bisherigen musikalischen Speerspitze ihrer Spielart nachrücken können. Mit “Into The Storm” komponieren GOJIRA sehr bildlich, der Song fließt und trotz aller Härte dominiert die Melancholie und all der Schmerz. Die Wut wird in diesem Moment eine andere. Der Sturm zieht schneller als gedacht vorbei, aber durch das Ausfaden und den dadurch erzeugenden Nachhall zeigen GOJIRA, dass er Folgen haben wird.

Folgen, die uns alle betreffen. Mit dem abschließenden “Grind” zeigen sich GOJIRA mit allen gewohnten Stärken, ähnlich wie in den ersten drei Songs. Solche Machthymnen zu erzeugen, ist für die Band mit Sicherheit mittlerweile ein Klacks. Und trotzdem ist “Fortitude” nicht der große Wurf, zu dem GOJIRA fähig sind. Da geht locker noch viel mehr. Man ist immer strenger, mit denen, die was können.

Dauer: 51:52
Label: Roadrunner Records 
VÖ: 30.04.2021

Tracklist “Fortitude” von GOJIRA
Born For One Thing
Amazonia
Another World
Hold On
New Found
Fortitude
The Chant
Sphinx
Into The Storm
The Trails
Grind

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