Lest die Review zu "Goldzilla vs. Dortmund" von GOLDZILLA bei krachfink.de

Goldzilla – Goldzilla vs. Dortmund – Review

Auf ihrem Album “Goldzilla vs Dortmund” zeigt das Punk-Trio aus Berlin noch öfter seine Zähne, macht sich aber auch angreifbarer und beweist noch mehr Herz, als eh schon auf der vorherigen EP “Goldzilla vs. Robohitler”. Verfolgt man den konsequenten Onlineauftritt der Band und ihr ständiges Engagement gegen Rassismus, Klassismus, Sexismus und kapitalistische Kackscheiße, könnte man auf die Schnelle den Eindruck gewinnen, dass Wut ihr hauptsächlicher Antrieb ist. Aber nein, es sind eher Hirn, unermüdliche Motivation und der aufrichtige Wille, alles für alle etwas erträglicher und fairer zu machen, selbst etwas zu schaffen, teilzuhaben.

GOLDZILLA, 2022

Deutschpunk nicht mehr gießen

Abgesehen von dreckigem Einszweieinszwei-Punk, gibt es wieder viele Indie-Momente und sogar einige post-rockige Einschübe. GOLDZILLA zücken dieses Mal auch deutlich mehr Hits der Marke in-dein-Gesicht. Augenzwinkernde, ernste und jeder einzelne Song hat unüberhörbare, inhaltliche Relevanz, selbst die ironische Paarbildung in “Satiere”. Besonders gelungen ist das Feature mit BABSI TOLLWUT, man merkt, dass queer-feministischer Rap und Punk sich nicht zwangsläufig abstoßen müssen und sogar sehr viele Übereinstimmungen haben. Erfreulich ist die Tatsache, dass das zusammengeschweißte Quartett in diesem Song nicht um den heißen Brei herumredet, sondern klar benennt, was und wen genau sie sich unter scheinheiligem Paradebeispiel des Social Washings vorstellen.

Bei allem berechtigten Gezeter bringen GOLDZILLA immer zum Ausdruck, dass sie eigentlich auch lieber ihre Ruhe hätten. Dann machen sie die Songs ganz weit auf, breiten die harmonischen Melodien in Pastellfarben vor uns aus und lassen auch über lange Strecken einfach die Instrumente für sich sprechen (“Hausverbot im Flixbus [halts maul und fahr (weit weg)]” hat sogar bisschen “Everlong”-Vibes, “Tricks”). Und genau dann dreht sich das Ding und es wird aufrichtig emotional. Kriegt mich voll.

Erst grün, dann blau

Wie jetzt schon mehrfach erwähnt, zünden GOLDZILLA auf “Goldzilla vs. Dortmund” einige Hitgrananten. Das tanzbare “Mein Herz ist ein illegaler Rave” macht es sich im Ohrwurmzentrum genauso bequem, wie die grob angespitzte Hausbesetzerhymne “Vandalismus (feat. Roi!m – & StrOi! – FahrzOi!ge)” oder das Achtzigerjahrepunkgeschoss “Das Lagerfeuerlied”. GOLDZILLA verlieren wirklich kein Wort zu viel, kommen nur ins Gespräch, wenn es auch lohnt. In einigen Fällen reicht eine einfache Frage “Wie sehr” – Spoiler, die Topantwort lautet “sehr!” – während es im Feature “Ultraviolett (feat. Sabrina (Lügen))” leider detaillierter und explizit werden muss (!), weil man sexuelle Übergriffe nicht mit einem Schlagwort abhandeln kann.

GOLDZILLA erinnern oft mit ihrer Hast an PASCOW und auch mit ihren dunklen, breiten Riffs an die entsprechenden Düstersongs von TURBOSTAAT. Aber in erster Linie gehen sie ihren ganz eigenen konsequenten Weg und der verläuft im Zickzack und D.I.Y.! Das Warten hat sich sowas von gelohnt. Köter, Kotze und Motte vereinen hier Aussage, Humor, Rumpelpunk und alles, was echte Punxs mit Szeneregelheft (und Bleistift hinterm Ohr zum Abhaken) so richtig ankotzen wird. Wahrscheinlich die Punkplatte des Jahres, auch wenn sie länger als eine halbe Stunde dauert.

Dauer: 42:49
Label: D.I.Y.
VÖ: 24.06.2022

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