Grade 2 – Talk About It – Review
Auch auf ihrer vierten Platte „Talk About It“ machen die britischen Punker von GRADE 2 alles richtig. Ohne viel Brimborium schlittern sie selbstbewusst in die Platte und stehen sofort im Opener, als hätten wir alle nur darauf gewartet. Schön dem Bass einen Freiflug gegönnt, gleich einen Refrain ins Ohrwurmzentrum gegangshoutet, die Orgel flammt im Hintergrund und schon fühlt man sich wie Ende der Neunzigerjahre. GRADE 2 machen keine Gefangenen, tragen die Einflüsse der SEX PISTOLS und die Kneipenkultur von Ryde, Isle of Wight, stolz vor der Brust. Alles klingt nach Humpen, die euphorisch in die Luft gestoßen werden, und danach, die Person neben sich zu umarmen.

„Talk About It“ rüttelt im besten Sinne wach
GRADE 2 mögen auf „Talk About It“ etwas unmodern wirken, inhaltlich sind sie das mitnichten. Es handelt sich bei der vierten Platte eher um eine vertonte Coming-of-Age-Geschichte über das Erwachsenwerden. Die Band bedient sich bekannter Themen, umschifft aber so manche allzu abgenutzte Parole. Das Album trägt eine ansteckende Kraft in sich, zieht nach vorne und rüttelt im besten Sinne wach. Trotzdem muss man anmerken, dass mancher Song zu schnell ins Finale hechtet und sicherlich noch mehr Potenzial gehabt hätte.
Mutmaßlich weiß die Band aber auch um die Gefahr, dass man gute Melodien verheizt, wenn man zu stark an ihnen herumschraubt. „Better Today“ wirkt vielleicht deshalb so herrlich direkt aus dem Bauch gespielt und ist entsprechend ansteckend. Einer von vielen Repeat-Magneten auf „Talk About It“. Die Botschaft, sich selbst als gutes Beispiel zu formulieren, bringen GRADE 2 gut auf den Punkt.
Mehr ist manchmal auch einfach mehr
Man kann GRADE 2 wirklich nicht vorwerfen, dass sie sich auf „Talk About It“ zieren oder zu ernst nehmen. Stattdessen gibt es zahlreiche unkonventionelle Momente, von denen so mancher Marketingpro wohl eher abgeraten hätte. Orgel, Percussion und Klavier drängen sich immer wieder frech in den Punk-Sound, und genau das geht auf. Das Ergebnis gibt der Band recht und zeigt, dass mehr eben manchmal doch mehr ist. Gleichzeitig wirken viele Songenden fast abrupt, teilweise so knapp, dass sie auch als Jingle durchgehen könnten. Diese Rastlosigkeit passt jedoch ins Gesamtbild, denn eine Band, die vor zwölf Jahren wohl selbst nicht damit gerechnet hätte, länger als ein paar Wochen durchzuhalten, hat sich ihre Dringlichkeit bewahrt.
Stärke in der Gegensätzlichkeit
Auf die Frage nach der Perspektive bleibt für Sänger Sid letztlich nur eine Antwort, nämlich weiterzumachen, solange der Spaß trägt. Im abschließenden „Hanging Onto You“ öffnet sich dann jedoch eine dunklere Tür. „In the depths of my own mind / never thought I’d make it out alive…“ gibt einen selten direkten Einblick. Gerade hier zeigt sich, dass die Stärke von GRADE 2 in ihrer Gegensätzlichkeit liegt. Kraft und Absturz sind keine Widersprüche, sondern bedingen einander und verleihen dem Album erst seine eigentliche Wucht.
Dauer: 25:51
Label: Hellcat Records / Indigo
VÖ: 03.04.2026
Tracklist „Talk About It“ von GRADE 2
Cut Throat
Hanging Onto You
Standing In The Downpour
Better Today
Talk About It
Don’t Worry About Me
Crash And Burn
Smugglers Heaven
Rotten
Wasteland
Otherside
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