Lest die Review zu "Punk Paradoxon" von Greg Graffin bei krachfink.de

Greg Graffin – Punk Paradoxon – Review

Nach der BAD RELIGION-Biografie “Do What You Want” (Hannibal Verlag / 2020) erscheint nun auch die deutsche Übersetzung von Greg Graffins Autobiografie “Punk Paradoxon”. Der Leadsänger der legendären Punkrock-Band aus Los Angeles lässt sich viel Zeit, den Weg hin zum gefeierten Star zu erzählen. Das mag der ein oder andere zu Beginn etwas langweilig finden, für mich als langjährigen Fan der Band im Speziellen und Künstlerbiografien im Allgemeinen ist es ein von vorne bis hinten lesenswertes Buch.

Zeitreise zur musikalischen Initialzündung

Um den Werdegang von Greg Graffin zu verstehen, bedarf es zweierlei Hintergrundinfos. Zum einen wächst Graffin mit seinem Bruder in einem Akademiker-Haushalt auf, zum anderen ist er Anfang der 1970er-Jahre bereits 10 Jahre alt und bekommt das Amerika im Wandel schon recht bewusst mit – dass seine Mutter mit einem Schwarzen liiert ist, sorgte damals eben doch noch für Irritationen. “Punk Paradoxon” beginnt im Mittleren Westen, wo Graffin groß wird. Als Scheidungskind zieht er schließlich nach Südkalifornien, wo sich Mitte der 1970er-Jahre eine florierende Punkszene entwickelt. Anziehungspunkt für ihn und Kontaktbörse zu langjährigen Weggefährten. Der Weg zu einer eigenen Band ist dann auch recht kurz, der Weg zum Erfolg aber etwas holprig.

Interessant sind vor allem die musikalischen Einflüsse in Graffins Kindheit, die – könnte man meinen – Grund dafür sind, warum BAD RELIGION diese verdammt großartigen Chöre entwickelte. STEVIE WONDER, SIMON AND GARFUNKEL oder die JACKSON FIVE werden hier ebenso genannt, wie hierzulande eher unbekannte Künstler wie ROBERTA FLACK oder DONNY HATHAWAY. Für mich immer wieder spannend parallel eben diese Songs und Alben zu hören. Aber auch Erzählungen aus den Anfangstagen seiner Band, vor allem die Querverbindungen zu Fanzines oder TV-Sendungen, bleiben spannend.

Do What You Want – der Weg zum Punk

Ich hatte das große Glück, dass ich einen guten Freund hatte, der mich ziemlich früh in die Welt von BAD RELIGION einführte. Und ich weiß noch, wie begeistert ich war, – zugegeben, nach einer kleinen Anlaufschwierigkeit – als ich das erste Mal die Alben “Suffer” und “Against The Grain” hörte. Die Power, die “Fuck You”-Attitüde, aber eben auch die unfassbar schlauen Texte, das war etwas, dass Bad Religion für mich immer von anderen Bands unterschied. Wie wichtig das Graffin war/ist und welche Rolle dabei die Evolutionsbiologie spielt, erfährt man schon recht früh im Buch, was zeigt, was für ein cleveres Kerlchen Graffin bereits als Jugendlicher war. Dass er sich aber trotzdem dem Punk angezogen fühlte, ist die Geschichte von Millionen Kids auf der ganzen Welt, die in den vergangenen 40 Jahren gegen das Elternhaus oder das Establishment aufbegehren wollten.

I Want To Conquer The World – Zweifach!

Punker und Akademiker. Graffin wollte beides sein. Seine Punk-Aktivitäten verliefen parallel zu seinem unentwegten Streben nach intellektueller Erleuchtung. Und trotz der Anforderungen globaler Konzertreisen und aufreibender Studioaufenthalten, gelang es ihm, eine akademische Karriere einzuschlagen. So brachte er das Kunststück fertig, seine beiden Identitäten als Punkrock-Ikone einerseits und Universitätsdozent im Bereich Evolutionsbiologie andererseits gekonnt unter einen Hut zu bringen. Etwas, dass er mit Bryan “Dexter” Holland von THE OFFSPRING gemeinsam hat, der ein PhD in Molekularbiologie in der Tasche hat.

Am Ende liest man auf 416 kurzweiligen Seiten über das Leben und Schaffen einer der interessantesten Persönlichkeiten der Punk-Szene überhaupt. Und sieht man von ein paar wenigen holprigen Passagen hinweg, bekommt man einen ganz wunderbaren Einblick in eben dieses Leben.

Artikel von Lasse Paulus

Seiten: 416
Verlag: Hannibal Verlag
ISBN-10: 3854457456
ISBN-13: 978-3854457459
VÖ: 08.11.2022
Auch als E-Book erhältlich

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