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Hannah Richell – Das Internat – Review

„Das Internat“ von Hannah Richell ist ein weiterer stabiler Krimi in der bisher durchweg starken Bibliografie der britischen Schriftstellerin. „Jeder hat ein Geheimnis. Niemand ist sicher“, so lautet der Untertitel des Romans und fasst gleichzeitig den von Anfang an alles beherrschenden düsteren Unterton der Geschichte zusammen. Eine vermeintlich harmlose Party in den Wäldern endet mit dem Fund einer Leiche. Platziert wie nach einem Ritualmord liegt ein Mädchen mit einem weißen Kleid und einer schwarzen Vogelmaske am Fuße eines Turmes. Richell greift dazu auf echte Orte und Sagen zurück, was dazu verleitet, auch über das Buch hinaus, bspw. nach Brown’s Folly, zu recherchieren.

Der Titel „Das Internat“ ist etwas irreführend, da wir uns dort nur wenig aufhalten, auch wenn die dort herrschenden Mechanismen eine Rolle spielen. Schon wie in ihrem Vorgängerroman „Das Wochenende“ legt Hannah Richell Wert auf persönliche Verstrickungen und daraus resultierende emotionale Symbiosen, verletzte Gefühle und dementsprechend irrationales Verhalten.

Dialoge, die treffen – Orte, die atmen

„Das Internat“ von Hannah Richell nimmt den Roman von allen Seiten in die Zange. Mit der Aufklärung betraut wird Detective Ben Chase, dessen Ex-Frau an dem betroffenen Internat Vertrauenslehrerin ist, und darüber hinaus besucht seine Teenietochter Ellie ebenfalls die Einrichtung. Von Anfang an sind viele in die Handlung verstrickte Personen also nicht ganz unvoreingenommen. Die Ermittlungen tragen dazu bei, dass man gleich mehrere Verdächtige und logische Motive erkennen kann. Hannah Richell gibt uns naheliegende und eher abwegige Möglichkeiten zur Auswahl. Je weiter die Geschichte voranschreitet, umso deutlicher wird klar, dass das Naheliegendste nicht unbedingt die Lösung des Falls sein wird. Richell hat ein tolles Gespür für Dialoge, die realistisch und auch ausreichend emotional angereichert sind, sodass man die Protagonisten schnell einschätzen kann.

Auch die Umgebung beschreibt sie so präzise, dass der dunkle Wald, der verhängnisvolle Turm, das kalte und trostlose Internatsgelände und auch ein noch wegweisendes Höhlensystem gut vorstellbar sind und vor dem inneren Auge mit Leben gefüllt werden.

Perfekt für die Leinwand: Thriller mit Filmqualität

Hannah Richell legt mit „Das Internat“ wieder eine leicht umsetzbare TV-Vorlage vor. Das Material eignet sich perfekt für einen düsteren Spielfilm. Kalter Atem, greifbare Verzweiflung, dichte Wälder und Schritte, die auf den langen Internatsfluren gruselig verhallen – das alles packt sie unterschwellig in ihren Krimi. Man giert auf die Auflösung und kann mit „Das Internat“ eine gute Zeit haben. Hannah Richell lässt uns von ihren Aufenthalten in England, Australien und Kanada profitieren, denn all diese Landschaften und die dort herrschenden Klischees vermengt sie zu einem international anmutenden, spannenden Thriller.

Seiten: 464
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN-10: 3499014831
ISBN-13: 978-3499014833
VÖ: 14.10.2025

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