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Henri Jakobs – Bizeps Bizeps (EP) – Review

“Bizeps Bizeps” ist die erste EP von HENRI JAKOBS und im Vergleich zu seiner alten Band TUBBE, greift er musikalisch eher auf Pop und weniger auf Rave-Punk zurück. Daraus entsteht eine schöne Stimmung, aus zwei Polen, die eigentlich unvereinbar scheinen. Denn selbst wenn die Texte nicht ausdrücklich explizit sind, so sind sie doch ein schonungsloser Spiegel der aktuellen Gesellschaft und der vielerorts verankerten, häufig auch harten Sprache. Das wiederum beißt sich herrlich mit der harmoniebedürftigen Musik.

HENRI JAKOBS 2021, Fotocredit: Bastian Bochinski

Sinnlos dieses Jetzt und Hier

Schon alleine die Fragestellung in dem herrlich pompösen Opener “Was will die Welt (feat. MINE)” sagt viel über HENRI JAKOBS und über unsere Gesellschaft aus. Er will wissen, was die Welt von ihm will. Andere stellen an dieser Stelle dreist die Frage, was die Welt kostet oder was sie von der Welt haben wollen. Das dazugehörige Video visualisiert einen wichtigen Teil der Lebensgeschichte von Henri, glücklicherweise mit positivem Ausgang. Vieles auf “Bizeps Bizeps” dreht sich um ihn und trotzdem gelingt es ihm aufzuzeigen, dass Sexismus, Homophobie und Faschismus immer die komplette Gesellschaft betreffen und mitnichten nur Individuen.

Von jeher überzeugt HENRI JAKOBS mit einer bestechenden, sprachlichen und inhaltlichen Klarheit, vermittelt unterschwellig gleichzeitig Verletzbarkeit und beruhigende Stärke. Genau diese interessante Ambivalenz spiegelt sich in beiden Extremen auf “Bizeps Bizeps” wider.

Nein, das darfst Du nicht.

Versteht man die Welt als fremde Menschen, dann haben die übrigens einen Scheiß von Dir zu wollen. Soviel mal in Kürze dazu. Ob man mit dem folgenden Song “Das wird man wohl noch sagen dürfen” feat. FINNA und Saskia Lavaux von SCHROTTGRENZE die richtigen Menschen erreicht oder lediglich heilende Hymnen für die eigene Blase schreibt, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass die leicht kindliche Ansprache im Refrain durchaus angebracht ist. Weil viele einfach (noch) nicht so weit sind, wirklich fast von vorne anfangen müssen und keine Ahnung davon haben, was man besser nicht sagen sollte und was einen schlicht nichts angeht. Fakt ist aber, wer diesen Song einmal gehört hat, wird ihn aufgrund seiner schon fast unverschämten Eingängigkeit niemals wieder vergessen.

Auch das abschließende – und irgendwie musikalisch schon fast grell strahlende – “Bernsteinzimmermensch” spielt mit den eingangs erwähnten Gegenpolen, erscheint auf den ersten Blick schnulzig, enthält aber bei genauem Hinhören sehr viele Lebensweisheiten und tragische Momente, in denen sich alle irgendwann mal wiederfinden können. Sehr schön finde ich hier die Komponente, dass das titelgebende Bernsteinzimmer ja angeblich gestohlen worden sei. “Bizeps Bizeps” ist ein schönes, erstes Lebenszeichen von HENRI JAKOBS, das deutlich macht, wofür er steht.

Dauer: 14:01
Label: Audiolith Records
VÖ: 03.08.2021 (digital)

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