Lest die Review zu "Ghostwood" von HI MUM bei krachfink.de

Hi Mum – Ghostwood – Review

„Ghostwood“, das Debüt der Nürnberger Alternative-Grunge-Band HI MUM, ist geprägt von einer angenehmen Ignoranz. Ganz selbstverständlich stemmen sie sich, sanft, aber unaufhaltsam wie Milchschaum, gegen den aktuellen Trend. In einer Zeit, in der Druck und Aggression von allen Seiten einwirken und ständiges Haltungannehmen erwartet wird, blasen HI MUM bunte Kaugummiblasen und starren, auf dem grünen Rasen liegend, in den blauen Himmel.

Musikalisch abseits kurzlebiger Trends flanken uns Bass und Gitarren zuckerwattengeschmeidig ins Nirvana. Sie vermitteln die Leichtigkeit der Tage, in denen man sich Filme auf VHS reinzog, Schmetterlinge im Bauch hatte, Pizza aß ohne schlechtes Gewissen und mit Freunden nachts im See badete.

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HI MUM 2026, Foto: Inna G.Z.

HI MUM erzählen verbal und instrumental Geschichten

Die Tracklist zu „Ghostwood“ von HI MUM ist ein liebevoll zusammengestelltes Sammelsurium aus popkulturellen Filmreferenzen, ästhetischen Wortspielen und musikalischen Anspielungen auf ikonische Alben vergangener Zeiten. Sängerin Lilly Jane Kletke fand sich 2024 mit drei von ehemals vier Bandmitgliedern von MAFFAI zusammen; schnell einigte man sich auf Sound und atmosphärische Ausrichtung. Entgegen der sich drehenden und mit aller Gewalt aus dem Hamsterrad raus wollenden Strampelhaftigkeit von MAFFAI sind HI MUM deutlich gelassener.

Zu den Ausgangsgenres kommt noch eine Spur Shoegaze hinzu. Die eigentliche Stärke der Band ist das doppelläufige Geschichtenerzählen, verbal und instrumental. Beide stärken sich gegenseitig, und durch diese liebevolle Deckung entsteht sofort ein Klangbild, das nicht neu, aber sehr originär ist.

Kontrolle gewinnen und Harmonie bewahren

„Ghostwood“ von HI MUM wird bestimmt von Themen wie Herzschmerz, Verlust, Selbstzweifel und dem Schwanken zwischen Nähe und Distanz. Es geht um fragile Beziehungen, die von Missverständnissen, Trennungen oder unausgesprochenen Gefühlen geprägt sind, sei es in Freundschaften, Liebesverhältnissen oder flüchtigen Begegnungen. Es wird also durchaus auch gerangelt in den Kompositionen, allerdings wäre die Musik von HI MUM eher das Aikido unter den Kampfkünsten. Es geht darum, die Kontrolle zu gewinnen und trotzdem die Harmonie zu bewahren.

Die Gitarren in „Joybite“ sind dementsprechend freundlich gemeint, wirken aber anfangs etwas störrisch. Erst in der Auseinandersetzung mit dem Gesang, den sich langsam Freiraum erspielenden Drums und den den Raum drückenden Overfuzz-Gitarren entfalten sie den gewünschten Effekt. Die Kompositionen auf „Ghostwood“ sind mitnichten so einfach, wie sie wirken; vieles wird im Subtext verhandelt.

Die Nürnberger Kunstszene etabliert sich

„Ghostwood“ von HI MUM ist in jedem Augenblick international konkurrenzfähig. Langsam aber sicher behauptet sich die Nürnberger Kulturszene ihren Platz neben Berlin, Hamburg und Stuttgart. Die emsige Subkultur trägt Früchte. Produziert wurde „Ghostwood“ von HI MUM von Jan Kretschmer im Kellerstudio; er hat die feinen Details beeindruckend gut herausgearbeitet. Und natürlich versteht es sich von selbst, dass die angetäuschte Leichtigkeit lediglich Selbstschutz ist. Ein tolles Debüt, das den Zeitgeist verhandelt, indem es ihn freundlich ignoriert.

Dauer: 29:46
Label: Fligth 13
VÖ: 27.03.2026

Tracklist „Ghostwood“ von HI MUM
Cosplay
Joybite
Caller ID
Starstruck
Salem
Heydaze
Burn After Reading
Headlights
Rumours
Only Lovers Left Alive

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