Hippie Trim Cult Artwork

Hippie Trim – Cult – Review

HIPPIE TRIM rufen mit ihrem ersten Album “Cult” nicht zum Kult, sondern zur Stärkung des Einzelnen auf. Die fünf Kerls aus dem Ruhrgebiet haben richtig Bock auf Musik, aber so gar keinen auf Schubladendenken und Grenzen. Deshalb sieht das Artwork auch aus, wie eine Mischung aus Flower Power und Neunzigerjahre Uffta-Technosampler. Und genau deswegen sieht das Video zum Song “Join The Cult” auch so aus, wie ein Video für die neue Asi-Hymne von DIE KASSIERER. Darüber liegt aber ein Sound, der eher an TITLE FIGHT, HUNDREDTH und TOUCHÈ AMORÈ erinnert. Ihr merkt schon… alles kann, nichts muss. Im Falle von HIPPIE TRIM eskaliert diese Freiheit in zehn starken Songs, die tief berührend sind und den HörerInnen durch die Hände glitschen wie ein schöner Moment. Sobald Du ihn realisiert hast, ist er auch schon vorbei.

Hippie Trim, 2019

Kommahierbeidie Kult

Sobald HIPPIE TRIM mit dem ersten Song “Supersonic” starten, scheinen alle Beteiligten in unterschiedliche Richtungen zu stürmen. Mit Anlauf gegen die Wand? Mitnichten! Im kreativen Freiflug gibt jeder sein Bestes und am Ende läuft alles wieder folgerichtig in eine Songform. Absolut gleichberechtigt wird ein Riff zum Highlight gekürt (“Blasphemy”) oder ein Taktwechsel (“Wicca”) macht die Besonderheit aus, bei HIPPIE TRIM stehen Gesang und Text nicht zwingend im Rampenlicht. Hört euch einfach mal unter diesem Gesichtspunkt das aus vielen einzelnen Schichten aufgetürmte “Tools Will Be Tools” an. Die Bandmitglieder waren schon in einigen anderen Bands miteinander aktiv. Die dadurch entstandene Vertrautheit kommt dem Zusammenspiel zugute. Und genau wie bei den eingangs erwähnten Bands, hören HIPPIE TRIM immer dann auf, wenn es am schönsten ist. Kurz bevor sich die Melodie tot dreht, lassen sie die Kompositionen frei und davon fliegen. Zum Glück gibt es denn Repeat-Knopf und “Cult” bläst sich auf mysteriöse Art und Weise immer dicker auf. Mit jedem Durchlauf lassen sich mehr Details entdecken, was nicht bedeutet, dass man sich “Cult” schön hören müsste.

Kreativer Feiheitskult

Den Pop-Faktor holen sich HIPPIE TRIM nicht über billige Hooks oder schmierige Wiederholungen. Es ist eher der sanfte Gesang, der in Kombination mit den flirrenden Gitarren etwas Poppiges hat (“All The Same”). Allerdings mischen die Musiker immer genug Steinchen in den Zuckerguss und halten die Sache somit kernig. Die Band verfolgt einen starken D.I.Y.-Ansatz, kann glücklicherweise in ihren Reihen auf entsprechend ambitionierte Personen zurückgreifen. Mit ihrem ersten Aufschlag können sich HIPPIE TRIM auf jeden Fall mit internationalem Standard messen. Der Sound überzeugt und “Cult” überzeugt durch mitreißende Dynamik und der musikalische coitus interruptus rundet das Album ab und lässt die HörerInnen hungrig und aufmerksam zurück.

Dauer: 25:15
Label: Redfield Records
VÖ: 29.11.2019

Tracklist “Cult” von HIPPIE TRIM
Supersonic
Can’t Stop
Nobody
Tools Will Be Tools
Jersey Girls Don’t Pump Gas
Blasphemy feat. Patrick Kindlon
Silver Spoon
Join The Cult
Wicca
All The Same

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