If I Die Today – Felt Nothing – Review
IF I DIE TODAY aus Italien erinnern nicht nur mit ihrem Bandnamen an die leider mittlerweile aufgelösten Post-Hardcore- Veteranen aus Amerika. Dabei fliegen sie völlig zu Unrecht noch immer unter dem Radar, denn „I Felt Nothing“ ist ein energiegeladenes, hochgradig durchdachtes und kompromisslos komponiertes Album, das sich bewusst jeder glatten Überproduktion entzieht. Stattdessen liefert die Band rohe Intensität auf hohem musikalischem Niveau. Ein echter Geheimtipp abseits der üblichen Verdächtigen, die ohnehin schon zu oft gehört wurden. Die Platte wirkt wie ein konzentrierter Ausbruch kontrollierter Zerstörung, der nicht nur mitreißt, sondern regelrecht aufrüttelt und antreibt.

Aufbruch und Tatendrang statt der angeteasten Lethargie
Mit „Lungs“ stürmen IF I DIE TODAY so ungestüm in „I Felt Nothing“, dass man sofort von der Energie angezündet wird. Die Band hält sich selbst nicht mit unnötigem Aufbau von der geplanten Zerstörung ab und zerrt mit einem groben Death-Metal-Fundament ordentlich an der Zündschnur. Genau im richtigen Moment sprengen IF I DIE TODAY die stramm gespannten Riffs und lassen den aufgebauten Druck ablaufen. Das Songwriting ist nicht nur maximal effektiv, sondern auch beeindruckend vielfältig. In jede Komposition verarbeitet die Band unterschiedliche Genres so geschickt und kleinteilig, dass man wechselnde Einflüsse beinahe im 5-Sekunden-Takt abklatschen hört.
Man darf nicht unterschlagen, dass auch das Herkunftsland Italien mit Sicherheit ein Grund für die Tatsache ist, dass IF I DIE TODAY noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Scharfkantiger Krach in guter Qualität wird uns regelmäßig aus Amerika oder Großbritannien geliefert, sodass man weniger nach bella Italia schielt. Großer Fehler, wenn es um „I Felt Nothing“ geht.
Die Musik für deinen Untergang
Ihre elf Songs über den Untergang haben IF I DIE TODAY bewusst dunkel und somit auch hoffnungslos gestaltet. „I Felt Nothing“ biedert sich nicht mit lichten Momenten und aufklarenden Melodien an. Die Rhythmen sind durchweg hart, lediglich die Featuregäste dürfen mal einen semi-positiven Konter setzen. Dabei unterschlägt die Band nicht, dass genau diese um sich greifende Hoffnungslosigkeit ein großer Teil des Problems ist. „End (feat. Mare)“ führt einen ambitionierten Kampf gegen sich selbst, die Riffs agieren autoaggressiv, IF I DIE TODAY schnüren sich selbst die Kehle ab.

Das darauf folgende „Dark“ prescht wie von der Kette gelassen nach vorne, die Gitarre schneidet den Drums dann rüde den Weg ab und erschafft so etwas wie eine kurze Verschnaufpause. Gerade in diesem Song ist die eingangs angedeutete Nähe zu EVERY TIME I DIE besonders spürbar durch den besonderen Southern-Groove, der hier regiert. Und auch die Polyrhythmen im packend post-hardcoreigen Alarm von „Rachel“ hat die Band von den Besten gelernt.
Wir sind alle Monster
Was bei „I Felt Nothing“ von IF I DIE TODAY besonders positiv ins Gewicht fällt, ist der unnachgiebige Unterton. Obwohl die Platte durchweg davon bestimmt ist, dass man sich Liebe und Frieden wünscht, verweigert die Band jede künstliche Konstruktion dessen. Der durchweg kreischende Gesang wurde in der Produktion fast auf gleiche Stufe mit den Instrumenten gesetzt und nimmt keine übergeordnete Stellung ein. Das macht „I Felt Nothing“ noch derber und verdichtet die Aggression. In „Monster (feat. Alex Rope)“ schält sich eine Gitarre für wenige Sekunden aus der Attacke, wird aber schnell eingefangen und Teil des verdichteten Groovehammers.
Handwerkliche und kreative Klasse
Extrapunkte gibt es übrigens für den Hauch IRON MAIDEN, der sich im Sinne von Tuning und Gitarrenarbeit in dem eher gen Metal tendierenden „Coward“ durchgesetzt hat. Der Kniff, den Bass hier etwas mehr drücken zu lassen, macht den Song tatsächlich besser. Alle Musiker liefern ausnahmslos ab, handwerklich und auch kreativ lassen sie das herausfordernde Songwriting allesamt mühelos erscheinen. Verwinkelte Songs wie das hitzige „1984“ spielt man nicht mal eben nach einer Handvoll Proben und mit einer Kiste Bier vor dem Konzert.
„I Felt Nothing“ von IF I DIE TODAY spitzt sich ganz bewusst zu. Mit jedem Lied schlittern wir tiefer in die Misere, mit jeder Szene metert sich die Band tiefer in den Schacht und verringert die Aussicht auf Entkommen. Das macht richtig Bock und wirkt angenehm aufwühlend. Die Spielzeit hätte tatsächlich nicht länger sein dürfen, denn trotz der angemessenen Vielfalt schlaucht das Album auch emotional. Live ist das mit Sicherheit eine gute Gelegenheit, um sich den Frust mal abzustoßen und wieder seelisch kalibriert zu sein.
Dauer: 33:49
Label: D.I.Y.
VÖ: 19.09.2026
Tracklist „I Felt Nothing“ von IF I DIE TODAY
Lungs
King
End (feat. Mare)
Dark
Monsters (feat. Alex Rope)
Rachel
Isolation (feat. Papero Tons)
Light
Cowards
1984
Tar (feat. Santa Infall)
Artikel, die Dir gefallen könnten:
Interview mit Keith Buckley von EVERY TIME I DIE zum Album „Radical“
THE ARMED – The Future Is Here And Everything Needs To Be Destroyed
FIT FOR AN AUTOPSY – Oh What The Future Holds
DEATH LENS – What’s Left Now
KID FERAL – 2019
EMPLOYED TO SERVE – Conquering
DRAIN – Is Your Friend
MASTODON – Hushed And Grim
UNEARTH – The Wretched The Ruinos
EMPLOYED TO SERVE – Conquering
SHOW ME THE BODY – Alone Together
STONE SOUR – Hello, You Bastards (Live in Reno)
EVERY TIME I DIE – Radicals
LORNA SHORE – And I Return To Nothingness
MYLES KENNEDY – The Ides Of March
HEAVEN SHALL BURN – Of Truth And Sacrifice
THE ACACIA STRAIN – Slow Decay
YEAR OF THE KNIFE – Internal Incarceration
SHORES OF LUNACY – We, The Plague
EMPLOYED TO SERVE – Eternal Forward Motion
TRASH TALK – No Peace
CONVERGE – Love Is Not Enough
GIDEON – Out Of Control
Interview mit FIT FOR AN AUTOPSY über “Oh What The Future Holds”
