Interview mit Annie Taylor zu „Out Of Scale“
Mit „Out Of Scale“ haben ANNIE TAYLOR eine Platte veröffentlicht, die sofort zündet, dabei aber nie plump auf Effekt aus ist. Die Schweizer Band verbindet direkte Rock-Energie mit feinen Zwischentönen, kontrollierter Wucht und einem bemerkenswert organischen Livesound. Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass sich ANNIE TAYLOR bewusst wenig an anderen orientieren. Statt Trends hinterherzulaufen, macht die Band konsequent ihr eigenes Ding. Vielleicht ist genau das das Geheimnis hinter einem Album, das gleichzeitig eingängig, emotional und angenehm unvorhersehbar klingt. krachfink.de sprach mit Sängerin und Gitarristin Gini Jungi über die Entstehung der Platte, leere Sommertage in Zürich, den besonderen Bandsound und die Freude daran, sich immer wieder auf Neues einzulassen.
Da das dein erstes Interview mit krachfink.de ist, traue ich mich noch eine Einstiegsfrage zu eurem Bandnamen zu stellen: Was habt ihr mit der namensgebenden ANNIE TAYLOR gemeinsam?
Annie Taylor war die erste Frau, die sich 1901 in einem Holzfass die Niagarafälle hinuntergestürzt hat. Das ist natürlich ziemlich verrückt und brauchte wahrscheinlich auch eine Menge Mut. Ich glaube, wir sind ebenfalls ein bisschen verrückt, haben keine Scheu davor, Neues auszuprobieren, und lassen uns gerne auf Unbekanntes ein.
Eure Platte „Out Of Scale“ entstand im letzten Sommer in Zürich. Beschreib mir bitte die Stimmung, die in der Stadt und bei euch als Band herrschte.
Es war ein Sommer, in dem ich endlich mal Zeit hatte, nichts zu tun. Klar, wir haben viele Festivals gespielt, aber dazwischen gab es unter der Woche immer wieder kleinere Pausen. Die Stadt war irgendwie ziemlich leer, weil alle in den Ferien waren. Dadurch entstand plötzlich so eine entspannte Stimmung – Zeit zum Chillen und Nachdenken.
Erst beim Verfassen der Review fiel mir auf, dass ich tatsächlich auf Anhieb keine Rockband aus der Schweiz parat gehabt hätte. Wie ist die Szene bei euch?
Wir haben eigentlich ziemlich viel Glück, dass so viele Bands auf ihrer Tour in Zürich Halt machen. Als Musikerin odre Musiker ist das natürlich super, weil man ständig von Musik umgeben ist. Dadurch ergeben sich auch immer wieder Möglichkeiten, als Vorband aufzutreten.
Ihr habt vor nicht allzu langer Zeit in Amerika gespielt, was ist dir davon besonders in Erinnerung geblieben?
Puh, in Amerika zu spielen, war super! Wir waren inzwischen schon dreimal dort auf Tour. Mir persönlich gefällt besonders, dass man dort oft Freundinnen und Freunden von anderen Bands wiedersieht, die vorher schon in Europa unterwegs waren. Außerdem sind die Leute dort musikalisch sehr offen und man kommt schnell ins Gespräch.
Ich mag den Sound der Platte sehr gerne. Mit wem habt ihr aufgenommen und worauf legt ihr Wert?
Wir haben die Platte mit David Langhard in den Dala Studios aufgenommen. David ist ein großartiger Producer, der immer wahnsinnig gut versteht, was eine Band eigentlich möchte. Er ist manchmal fast wie ein fünftes Bandmitglied und verbreitet einen richtig guten Vibe. Gemischt wurde das Ganze dann von Muxi bei Clouds Hill.
Alles an „Out Of Scale“ macht Lust auf live, ich empfinde euch als typische Liveband. Macht dir der Auftritt auf der Bühne im Rahmen von ANNIE TAYLOR am meisten Spaß?
Ich würde schon sagen, dass Annie Taylor eine Liveband ist. Das Publikum gibt uns unglaublich viel Energie und genau das macht riesigen Spaß.
Die Texte auf dem dritten Album handeln fast durchweg von Beziehungen zu Menschen, schmerzhaften und heilsamen. Sind die Texte allgemeingültig verfasst oder allesamt von deinen persönlichen Erfahrungen geprägt?
Wahrscheinlich sind schon viele persönliche Erfahrungen eingeflossen. Aber auch Bücher, Filme oder Gespräche mit Freundinnen inspirieren mich beim Schreiben. Ich finde es aber auch schön, wenn Hörerinnen und Hörer zwischen den Zeilen ihre eigenen Geschichten entdecken können.

„Out Of Scale“ klingt im positiven Sinne zeitlos, ich liebe solche Alben. Diese Art von Sound wird euch sicherlich selbst geprägt haben, aber wie sieht es mit modernen Soundentwicklungen aus?
Soundentwicklungen finden wir eigentlich immer spannend. Wir sind offen für alles, solange es Spaß macht (lacht).
Euer Debütalbum entstand während der Pandemie, mittlerweile hat sich einiges entspannt und anderes verschärft. Wie nehmt ihr eure Möglichkeiten als Rockband in eurem Stadium wahr?
Wir machen einfach unser Ding… und wenn Menschen Freude daran haben, umso besser.
Ihr seid nun bei Clouds Hill, ein tolles Label, wie ich finde. Wie kam es zu dem Kontakt und dem Wechsel?
Ein Freund von uns hat die Platte an Johann von Clouds Hill geschickt. Ich glaube, er hat sich danach unsere KEXP-Session angeschaut und fand die wohl cool. Wir haben uns von Anfang an super verstanden und es hat sich alles gut angefühlt. Das war letztes Jahr, und mittlerweile waren wir bestimmt schon vier- oder fünfmal in Hamburg bei Clouds Hill. Inzwischen fühlt es sich fast wie Familie an.
Was steht nun für ANNIE TAYLOR an, habt ihr einen vollen Konzert- und Festivalkalender?
Yesssss, wir spielen ab dem Release eigentlich bis Ende des Jahres fast durchgehend Shows. Im Sommer stehen einige Festivals an, und Ende August startet dann unsere Europatour.
Annie Taylor Live 2026:
22.05.26 – CH – Zürich, Plaza
24.05.26 – DE – Mainz, Open Ohr
28.05.26 – CH – Luzern, Schüür
29.05.26 – CH – Solothurn, Kofmehl
30.05.26 – CH – Martigny, Sunset Bar
18.06.26 – CH – Bern, Rössli
26.06.26 – CH – Basel, HillChill Openair
11.07.26 – DE – Hamm am Rhein, Open Air Hamm
08.08.26 – DE – Schierling, Labertal Festival
27.08.26 – DE – Dortmund, Subrosa
28.08.26 – DE – Hamburg, Molotow
29.08.26 – DE – Lehrte, Zytanien Festival
01.09.26 – DE – Dresden, Ostpol
02.09.26 – DE – München, Milla
03.09.26 – AT – Graz, Music House
04.09.26 – AT – Wien, Kramladen
05.09.26 – DE – Bad Sulza, Saalepartie
08.09.26 – DE – Köln, Bumann und Sohn
10.09.26 – DE – Kirchzarten, Rock am Bach
11.09.26 – DE – Berlin, Cassiopeia
12.09.26 – DE – Marburg, KFZ
13.09.26 – BE – Antwerpen, Djingel Djangel
26.09.26 – FR – Paris, Point Ephemere *supporting Kate Clover
27.09.26 – FR – Barberaz, Brin de Zinc
07.10.26 – DE – Nürnberg, MUZ
08.10.26 – DE – Langenberg, KGB
09.10.26 – DE – Siegen, Vortex
Artikel, die dir gefallen könnten:
ANNIE TAYLOR – Out Of Scale
PABST – 1,2,3, Go!
ABRAMOWICZ – Joy Of Missing Out
CONSCIOUS PILOT – Human Poultry
MOTOROWL – This House Has No Center
BLUES PILLS – Holy Moly!
Interview mit SWAIN zum Album „Infinite Child“
WUNDERHORSE – Midas
SWAIN – Negative Space
TROPICAL FUCK STORM – Fairytale Codex
24/7 DIVA HEAVEN – Stress
SLUG BOYS – Listen To The Slug Boys
Interview mit Cam und Aurora von WINE LIPS zu „Super Mega Ultra“
YEAST MACHINE – Bad Milk
MOURN – Sopresa Familia
Podcast Folge 105 mit ODD COUPLE zu „Rush-Hour des Lebens“
FOMIES – Liminality
ANNIE TAYLOR bei Instagram
ANNIE TAYLOR Website
