Interview mit Fluppe zum Album „Beest“
„Beest“ profitiert enorm von der Produktion, es gibt so viele Details zu entdecken. Legt ihr darauf Wert, das auch live umzusetzen, oder gibt es da eher die rohe Version?
Eins zu eins ist es nicht umsetzbar und das ist auch nicht so wichtig, denn live ist live. Da gibt es andere Details, da funkelt etwas anderes. Aber Tobias Siebert wird es freuen, dass du es so empfindest. Ich sage also an seiner Stelle: Vielen Dank!
Was ist im kompletten Albumveröffentlichungsprozess euer Highlight? Videos drehen, der Releasetag, die anschließende Tour, Interviews … und was sind Dinge, die ihr daran gar nicht mögt?
Die Promophase ist es nicht. Ich habe mich zuletzt oft gefragt, warum es so ist, denn eigentlich dürfte es so nicht sein, weil doch auf das reagiert wird, was man sich ausgedacht und aufgenommen hat. Natürlich freut man sich über eine gute Rezension und ärgert sich über eine schlechte, damit hat es aber nichts zu tun, glaube ich. Ich weiß es nicht. Noch nicht. Das Hören der Testpressung hat mich sehr glücklich gemacht und auch die Ankunft der LPs und Inlays. Da schließt sich der Kreis irgendwie für mich. Auf die Tour freue ich mich auch.
Ihr habt einen Song namens „Sam Rockwell“, ich mag diesen Schauspieler auch sehr. In dem passenden Video habt ihr wohl seine Rolle in dem tollen Film „Moon“ aufgegriffen. Was hat euch da beschäftigt und zu dieser Assoziation geführt?
Ja genau, „Moon“ und „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ spielen hier eine Rolle und was seine Rollen dort gemeinsam haben, ist ja, dass sie anfangs eine für sich klare Mission haben und später alles völlig auf dem Kopf steht. Ich finde das eine schöne Analogie für das Leben. Außerdem finde ich es lustig, dass das Album mit der Zeile „Ich hab`nen Oscar für die Billboards bekommen“ losgeht, weil unser Sänger Oscar heißt und die Zeile irgendwie auf tragische Weise auch ziemlich komisch ist. Ist aber, glaube ich, ein Zufallstreffer gewesen. Beides. In den Backing Vocals versteckt sich übrigens Tobert Knopp von der Band TURBOSTAAT.
Solche Videos werden frech beiläufig konsumiert, ungeahnt der Mühe, die dahintersteckt, und teuer sind sie auch noch. Ihr – und viele andere Bands – macht sie aber trotzdem. Legt ihr großen Wert auf die Visualisierung eurer Musik? Ist die visuelle Idee vielleicht sogar manchmal Auslöser für die Texte?
Ich glaube, Visualität spielt bei diesem Album ohnehin eine große Rolle, weil es ja viel um Kino geht bzw. sich dort Referenzen zieht. Wir haben aber dieses Mal fast alles selber gemacht und geben da kaum noch Geld für aus, weil es auch kaum geklickt wird, was eigentlich schade ist. Ich mag Musikvideos, zumindest schaue ich sie gerne. Auch unsere eigenen. Das Video zu „Sam Rockwell“ haben wir mit unseren eigenen Handys in einem Moor in der Nähe meines Elternhauses gedreht und unser Bassist Lars hat ein sehr gutes Fingerspitzengefühl beim Schnitt bewiesen, wie ich finde. Auch wenn er den Song jetzt wahrscheinlich kaum noch hören kann.
Ist die Tatsache, dass man mit solcher Musik, wie ihr sie macht, zwar Herzen bewegen, aber wenig Kohle scheffeln kann, wirkt die auch befreiend auf euch?
Oh nein, das ist eine Tatsache? Okay, ciao. Nee, Quatsch, Geld ist sicher nicht die vordergründige Motivation. Ich glaube eigentlich schon, dass verrückte und abseitige Dinge Erfolg haben können, aber unser Markt ist auch klein und die Popkultur in Deutschland auch immer etwas behäbig, obwohl die Liebe, die ich empfangen habe, zumindest immer ausgereicht hat, um weiterzumachen. Man hat eine Idee und will sie verwirklichen, darum geht es.

Zum Schluss noch drei Quatschfragen: Die Zombie-Apokalypse steht vor der Tür. Was würdet ihr spontan retten, mal abgesehen von den Menschen, die ihr liebt?
Ausreichend Hirn hoffentlich.
Wenn eure Band in ein fiktionales Universum springen könnte, Comic oder Fernsehserie, wo würden FLUPPE gut hineinpassen?
Ein Auftritt in der Serie Fargo wäre toll.
Ihr dürft FLUPPE um ein berühmtes Bandmitglied, tot oder lebendig, ergänzen. Wer könnte euch bereichern und warum?
Isaac Brock von MODEST MOUSE, weil er sich selbst als einen hinterwäldlerischen Philosophen bezeichnet.
Artikel, die Dir gefallen könnten:
FLUPPE – Beest
krachfink.de präsentiert: ERSATZKOPF November 2026 auf Tour
PUP – Megacity Madness (The Official Recordings)
DAS BISSCHEN TOTSCHLAG – 0dB Headroom
FLUPPE – Boutique
EASTIE RO!S – s/t
IEDEREEN – Neue Mitte
DIE STERNE – Wenn es Liebe ist
FLUPPE – Blüte
VAN URST – Oligarchie und Alltag
ADIEU. – Molotow (EP)
Podcast Folge 95 mit Kaufmann Frust, Gemischte Tüte
JOLLE – Wirtschaft Arbeit Technik
PALE live im Gloria Köln, 02.03.2023 – Konzertbericht
FLUPPE – Blüte
MALHEUR – Lava
FJØRT – Belle Époque
SHATTEN – Gegenwart
SLOE PAUL – Searching/Finding
Podcast Folge 93 mit PASCOW zum Album „SIEBEN“
DIE WÄNDE / KALA BRISELLA – News/Sonnenmilch
KIND KAPUTT – Morgen ist auch noch kein Tag
Podcast Folge 78 mit Jan Müller und Rasmus Engler über “Vorglühen”
NINAMARIE – Was für Land, welch ein Männer

top, danke für das album!