Goldroger 2020 Teaser

Interview mit Goldroger zu “Diskman Antishock II”

Ist das wohl auch der Grund, dass Deine Texte selten ein einziges oder eindeutiges Thema haben, weil es sich dann eher so nach Aufsatz anfühlen würde?

Ja, das finde ich total langweilig. Bei “Yunus. Neidische Nazis” auf “Räuberleiter” fand ich es mal ganz cool, einen Song gegen Rechts und aus der Sicht von Yunus zu machen, was der sich eben für Scheiß anhören müsste. Ich habe mir eine Auflistung gemacht, von allen möglichen Wortspielen und ich glaube, so schreiben ganz viele im Deutschrap. Eine Mindmap mit allen möglichen ironischen Wortspielen, die ihnen dazu einfallen. Mich hat das krass abgetörnt und ich finde es ganz cool, wenn man Thema vernebelt hält oder eben gar kein Thema haben muss und nur mehrere Themen anreißt. Wie ein Tarantino-Film zum Zuhören.

Stimmt es, dass Du bei manchen Sachen selbst erst im Rückspiegel weißt, was gemeint ist?

Voll! Nicht wenn der Song schon veröffentlicht wurde, aber ich schreibe den und habe dann einen Block mit Versen, bei dem ich erstmal selbst nicht weiß, wohin ich damit will. Dann lege ich es weg und irgendwann kommt mir eine andere Zeile in den Sinn, die da krass passen könnten und während des Schreibens merke ich selbst erst, worum es gehen könnten. Und final sogar erst, wenn ich den passenden Beat habe, denn die Emotionen der Musik geben auch die Interpretation vor. Mir ist selten direkt klar, war ich damit sagen will.

Hörst Du Deine eigenen Alben an?

Bei “Avrakadavra” tatsächlich nicht, aber bei “Diskman Antishock I & II” schon. Das flasht mich dann total, wenn ich es auf Spotify finde und es hilft mir, den Wert zu erkennen, wenn ich manchmal kritisch mit mir bin. Dann kann ich besser begreifen, dass es jetzt tatsächlich veröffentlicht wurde. Wenn ich mal wieder kurz davor bin, alles über Bord zu werfen, dann hilft mir das.

Du hast angefangen Jura zu studieren, was hat Dich daran gereizt? Ging es da um den Umgang mit Worten oder eher um den Gerechtigkeitssinn?

Beides. Auf jeden Fall die Erkenntnis, dass ich mit Zahlen nicht so gut bin und eher mit Worten. Ich wollte auf jeden Fall etwas studieren, mit dem man im Eventualitätsfall auch Geld verdienen kann. Wenn ich richtig gut werden würde, dann könnte ich auch meinen Gerechtigkeitssinn befriedigen. So als Richter oder bei einer NGO, das hätte ich mir voll gut vorstellen können, wenn es gut gelaufen wäre. Und wenn es mäßig gut gelaufen wäre, dann hätte ich mich immer noch als Anwalt selbstständig machen können und nicht für jemand anderen arbeiten müssen.

Das erschien mir damals ziemlich logisch, dann war ich aber abgetörnt, weil es so ein mega langes Studium ist. Eher aus einer Laune habe ich das dann hingeworfen und mit dem Rappen angefangen. Jetzt nach der Hanau-Sache habe ich es das erste Mal bereut, weil ich mir dachte, es wäre jetzt schon cool Jurist zu sein. Als Rapper kann ich jetzt so lame Songs gegen Nazis machen. Aber Nazis vor Gericht zu zerren oder irgendwelche Opfer von Nazis zu vertreten, wäre schon geiler. Das war tatsächlich das erste Mal, dass ich es bereut habe, Jura nicht zu Ende studiert zu haben.

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