Lest die Review zu "Flowers On Display" von HUMANS AS ORNAMENTS bei krachfink.de

Interview mit Humans As Ornaments zu „Flowers On Display“

Mit „Flowers On Display“ liefern HUMANS AS ORNAMENTS ihr zweites Album – ein Gespräch über Disharmonie, DIY-Idealismus und digitalen Overload. Das Berliner Duo, bestehend aus Dennis Behrendt und Dave Rossel, kennt sich seit Kindheitstagen und macht inzwischen als Zwei-Mann-Druckwelle kompromisslos genrefluide Musik zwischen Post-Punk, R’n’B und Indie. Auf ihrem neuen Album „Flowers On Display“ geht es um emotionale Offenheit, digitale Erschöpfung und das Bedürfnis, mit Musik Grenzen zu verschieben. Im Interview mit krachfink erzählen sie, wie ihre Songs entstehen, warum sie ein eigenes Label gegründet haben und wie man mit vier Händen auf der Bühne maximalen Lärm entfacht.

Wer ist bei HUMANS AS ORNAMENTS dabei, woher kennt ihr euch, wer macht was und was ist euer gemeinsamer Ansporn, um Musik zu machen?

Dennis: HUMANS AS ORNAMENTS sind Dave Rossel und Dennis Behrendt. Dave spielt Drums, und ich spiele Schlagzeug. Außerdem singen wir beide und produzieren die Songs größtenteils selbst. Wir kennen uns schon seit der Schulzeit und sind zusammen aufgewachsen. Über die Jahre haben wir super viele Projekte gestartet und sind irgendwann zu HUMANS AS ORNAMENTS gekommen, weil wir zu zweit so viel Lärm wie möglich machen wollten.

Dave: Wir sind Dennis und Dave und kennen uns schon seit unserer Kindheit. Ich glaube, wir haben uns mit 10 oder 11 kennengelernt, weil wir denselben Schulweg hatten, haha. Ich denke, der Ansporn, Musik zu machen, kommt auch aus dieser Zeit – es ist sehr natürlich entstanden, dass wir Songs schreiben wollten und Bands gegründet haben. Ein weiteres Ding ist wahrscheinlich noch die Entdeckung der ostdeutschen Underground-Szene – die hat uns gezeigt, wie breit aufgestellt man Musik machen kann, und nachhaltig geprägt.

„Flowers On Display“ ist euer zweites Album, richtig? Ihr macht wirklich alles selbst, habt sogar ein eigenes Label gegründet. Wie viel Aufwand ist es eigentlich, ein Label zu gründen, und habt ihr vor, auch andere Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen?

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📸 Niklas Soestmeyer

Dennis: Genau! Mit unserer ersten EP „The Option To Disappear“ haben wir 2021 unser Label namens Oddventure gegründet. Wir wollten uns eine Struktur bauen, die es uns ermöglicht, die Sichtbarkeit und Produktionsmittel für unsere Musik und die unserer Freunde zu stärken. Wichtig war uns insbesondere der Fokus auf genre-fluide Musik, die sich was traut. Über die Jahre haben wir so verschiedene Künstlerinnen und Künstler unterstützt – von R’n’B und Bedroom Pop zu marokkanisch-algerischem Raï.

Ich glaube, wir sind ziemliche Nerds und sind fasziniert von allem, was mit Musik zu tun hat – auch dem, was abseits davon stattfindet: Musikvideos, Artworks, Konzertorga, Platten- und Merch-Produktion, Promo etc. – das ist schon viel und mehr als ein Hobby. Zum Aufwand: Gründen ist einfach. Der Aufwand liegt eher in den Projekten, die man sich vornimmt, und variiert mit den Zielen.

Dave: Ja genau, das ist unser zweiter Release zusammen. Und wir machen in dem Projekt viel selbst, versuchen aber tatsächlich gerade, immer mehr zu kollaborieren. Wir sind beide schon große Fans des D.I.Y.-Spirits – auch viele unserer Lieblingsmusikerinnen und -musiker haben einen ähnlichen Spirit – aber wir schätzen es auch, gerade mit anderen Künstlerinnen und Künstlern zu kollaborieren. Es ist manchmal einfach nice, einen anderen Blick auf die eigene Kunst zu bekommen.

Deswegen haben wir momentan einen kleinen Kreis an Freundinnen und Freunden, mit denen wir gern zusammenarbeiten.
Und ja, das stimmt mit dem Label. Das haben wir gegründet, um „The Option To Disappear“ zu releasen. Das kam relativ spontan, weil wir uns auf Förderungen beworben haben, und dann dachten: Machen wir doch ein eigenes Label, das unsere Interessen und Wünsche bündelt. Wir releasen primär unsere eigene Musik und die von Freundinnen und Freunden oder Projekten, die uns nahestehen. In den letzten Jahren war das unter anderem Musik von Adam Lenox aka Zouj (der das Label mitgegründet hat), Kahal und Emma Philine.

„Flowers On Display“ – wie viel Bedeutung steckt in dem Albumtitel, ist das eine Klammer für die Musik und die Themen, um die es geht?

Dennis: Ich glaube schon. „Flowers On Display“ ist ein Textfetzen aus dem Song „Shiver“, dem letzten Song auf der Platte. Und das Bild hat uns sofort getroffen. Ich glaube vor allem deshalb, weil wir uns im Songwriting vorgenommen hatten, mehr Ehrlichkeit und Verletzbarkeit zuzulassen – und der Titel dieses Gefühl gut einfängt.

Dave: Genau, „Flowers On Display“ ist eine Line aus dem letzten Song „Shiver“. Die ganze Line ist: „I found your flowers on display. They kept my blemishes at bay.“ In dem Song geht es um den Wunsch nach einer romantischen Beziehung mit einer Person, die sich aber schon von einem abgewandt hat. Die Line kam für uns beide auf, weil sie das Gefühl gut zusammenfasst, das wir mit dem Release verbinden – Offenheit, Direktheit und mehr Verletzlichkeit. Das haben wir uns mit der neuen Musik vorgenommen, und dann ist das textlich in dem Song einfach so rausgekommen. Außerdem liebe ich es, wenn Künstlerinnen und Künstler sich selbst an unterschiedlichen Stellen referenzieren – so kann man immer etwas entdecken.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben, welche Bands inspirieren euch und was ist der emotionale Anspruch an eure Musik – was soll sie im besten Fall bewirken?

Dennis: Zart, aber hart. Es gibt so viel unfassbare Musik – wenn ich jetzt an dieses Jahr denke, fällt mir zum Beispiel quickly, quickly ein. Das Album I Heard That Noise hat mich total geflasht. Da stimmt einfach alles. Im besten Fall überraschen wir uns selbst.

Dave: Für mich lebt es irgendwo zwischen der Energie von Post-Punk und Rock und der harmonischen Welt von R’n’B und Indie. Ich glaube, unsere Musik versucht oft, diese Balance zwischen Ekstase und Catchiness zu finden. Für mich sind einfach genau diese Zwischenwelten so spannend, weil ich auch oft das Gefühl habe: Da höre ich am meisten, was die Künstlerinnen und Künstler selbst ausmacht.

Ich glaube, deswegen inspirieren mich auch Artists wie Yves Tumor, Saya Gray oder JPEGMAFIA – für mich versuchen die alle total, etwas Neues und wirklich Eigenes zu erschaffen – ins Unbekannte hineinzulaufen sozusagen. Irgendwie ist es auch das, was unsere Musik für mich im besten Falle bei anderen bewirkt – die Zuhörerinnen und Zuhörer überraschen und auch gern herausfordern.
Ich selbst liebe einfach das Gefühl, etwas zu hören und zu denken: „Wie geil ist diese Songidee – das hab ich noch nie gehört!“ – und auch zu merken, wie Künstlerinnen und Künstler von anderen klauen, um damit ihre eigene Welt zu erschaffen – das begeistert mich.

Ein anderer Teil von mir wünscht sich aber auch, dass unsere Musik im besten Falle ein Ort sein kann, an dem die Menschen eine Facette von sich selbst wiederfinden und ausleben können. Das kann man natürlich nie planen, aber ich mag den Gedanken, dass man durch das Zeigen der eigenen Verwundbarkeit eine Verbindung mit anderen herstellen kann.

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