Maffai Bandfoto 2019 Teaser

Interview mit Maffai zum Album “Zen”

MAFFAI sind eine vierköpfige Indie-Punkband, die gerade mit “Zen” ihr erstes Album über Kidnap Records veröffentlicht hat. Wir sprachen mit Bassist und Texter Daniel (im ersten Bild ganz vorne) ausführlich über die gute Idee, sich irgendwo zwischen TURBOSTAAT und DRANGSAL zu platzieren. Und darüber, ob etwas Entspannung nicht allen mal gut tun würde.

Wer ist bei MAFFAI dabei, wo kommt ihr her?

Dreiviertel von uns wohnen im Moment in Nürnberg, wir kommen aber aus Würzburg und auch dahin waren wir noch zugezogen, denn ursprünglich kommen wir alle von den Käffern dort. MAFFAI wurden in Nürnberg gegründet und wir sind als Projekt gestartet. Wir kennen uns alle schon ewig, seit ungefähr 15 Jahren und haben auch schon in anderen Bands gemeinsam Musik gemacht. Unser Sänger Mike und ich haben aktuell auch noch eine andere Band zusammen. Jan, unser Schlagzeuger, der auch alles für MAFFAI produziert und so eine Art aktiver Bedroom-Producer ist, der hatte die Vision etwas Post-Punkiges zu machen.

Mike war zu der Zeit in Nürnberg und sie haben dann erst zu zweit daran getüftelt, wie das so klingen könnte. Daraus entstanden dann zwei Demos und spätestens da wurde ihnen klar, dass das so gut ist, dass man es auch mal auf die Bühne bringen kann. Dann kamen Simon und ich mit unseren Einflüssen dazu und MAFFAI wurden zur Band, nachdem der grobe Sound schon klar war. Wie das klingt, kann man nun auf “Zen” hören.

Maffai-Bandfoto-2019 von René Illig
“Das Punkige bezieht sich bei uns eher auf die Haltung und unsere Sozialisierung in der D.I.Y.-Szene.”, Maffai 2019 Foto von René Illig

Was hat es mit dem Bandnamen MAFFAI auf sich?

Eigentlich nicht so viel. Der Name stand schon fest, bevor ich an Bord kam. Es ging darum, einen kurzen, griffigen Namen zu haben. Anfangs fand ich ihn nicht so gut, habe mich aber damit nicht aufgehalten. Mittlerweile finde ich ihn ganz clever, weil jeder den Namen ja schon kennt. Man muss sich zwar die PETER MAFFAY-Gags gefallen lassen (lacht), aber er ist in Deutschland schon bekannt und von daher war es gar nicht so unclever. Er ist jetzt auch nicht die schlechte Referenz und besser, als sich Onkels zu nennen oder so (lacht).

War euch von Anfang an klar, dass ihr nicht schreien wollt?

Jein, live machen wir das durchaus. Ich singe dann auch mit, was ich auf der Platte “Zen” ja nicht tue. Live sind das schon andere Versionen von unseren Liedern und je nachdem wie die Stimmung ist, wird es dann auch rougher und dann kommt auch das Punkige eher zum Tragen. Wir bezeichnen uns aber selbst auch eher als Indie. Manche unserer Lieder gehen mehr Richtung Indie, andere haben einen deutlicheren Post-Punk-Einschlag. Es kommt halt, wie es kommt. Das Punkige bezieht sich bei MAFFAI eher auf die Haltung und unsere Sozialisierung in der D.I.Y.-Szene.

Der häufig genannte Vergleich mit DRANGSAL ist berechtigt, aber inhaltlich ist es eindeutig Punk. Laute Bands gibt es auch schon genug, oder?

Wir haben uns da kein Dogma auferlegt, aber es war schon so, dass auch Jan der Meinung war, dass schon viele Bands rocken. Die Überlegung war eben, dass man sich mehr in Richtung Synthie orientieren könnte, aber grundsätzlich ist für uns alles offen. Wir fangen schon mit neuen Songs an und wenn ein Song verlangt, dass geschrien wird, dann werden wir das auch tun. Aber es muss dann auch echt und dringlich sein und nicht plakativ oder als Mittel zum Zweck.

Beim Albumtitel “Zen” denkt man sofort an Buddhismus und mit dem Weglassen von Schreien deutet sich ein Anspruch auf Entspannung an. Sollten alle einfach mal ein bisschen entspannter sein?

Ja, das spielt natürlich mit rein, wir sind aber nicht buddhistisch angehaucht. Ich deute den Begriff “Zen” so, dass man das Leben in all seinen Variationen leben soll. Also gute und schlechte Dinge annehmen. Das taucht auch in den Texten auf, wir sind ja nicht nur kritisch. Und von daher (lacht), ja, einfach mal entspannt bleiben, auch wenn das Leben hart zuschlägt. Das ist natürlich nicht immer leicht.

Wer bestimmt die Themen bei MAFFAI?

Also ich schreibe die Texte und nur bei dem Song “Tunnelblick” mit AKNE KID JOE kam von der Band selbst der Wunsch auf, sich klar zu positionieren und das ist wohl auch der gesellschaftskritischste Text, den wir haben. Die haben ihre Strophe auch selbst geschrieben, da ist nur eine Zeile von uns mit hereingerutscht. Bei diesem Thema lohnt es sich auch, mal eine direkte Ansprache zu wählen.

Ansonsten habe ich freie Hand bei den Texten und halte die Augen offen, greife mal was auf und notiere mir auch immer viel aus meinem Umfeld. Die Texte schreibt das Leben (lacht), ist zwar ein abgeschmackter Spruch, aber es ist ja meistens so. Mein erster Textvorschlag ist meistens viel zu lang, dann wir aussortiert, welche Zeilen man sich doch schenken kann und welche hervorheben. Das großte Thema Liebe in all seinen Variationen ist zwar nichts Neues, aber man versucht es möglich offen zu behandeln und Spielraum für Andere zu lassen.

Maffai Bandfoto von René Illig
“Am Ende vom Tag spielt man ja mit und ist wahrscheinlich auch selbst Teil des Problems.”, Maffai, 2019 Foto von René Illig

Lässt Du Dich von der Musik leiten oder ist der Text zuerst da?

Mal so, mal so. Oft habe ich Demos, auf die ich texten kann und dann wird es auch schnell konkret. Mike, der die Texte ja dann auch letztendlich singt, geht dann auch nochmals drüber. Im Sommer war ich verreist und habe ganz viele Texte geschrieben, die jetzt vollkommen unabhängig von Musik entstanden sind. Mal schauen, ob wir die verwenden oder was damit passiert. Oder man notiert sich Redewendungen oder Wortspiele, auf die man aufbauen könnte.

Manchmal sprichst Du die Leute direkt an und manchmal allgemein, kommt auch das intuitiv?

Ich bin kein Fan der Ego-Perspektive, sondern halte es gerne eher allgemeiner. Es ist auch ein Text dabei, den ich aus der Sicht von Mike geschrieben habe, da musste man die Ebene natürlich verändern. Es ist von Song zu Song unterschiedlich, hoffentlich springt es nicht innerhalb der Songs, da versuche ich schon darauf zu achten.

Das Cover finde ich stark. Man sieht eine tätowierte Person, die ihre Hände an dieser Bakterienschleuder trocknet. Alles wirkt aufgeräumt und der daraus entstehende Kontrast gefällt mir. Die Idee, dass man sich sauber halten will und im gleichen Atemzug die ganzen Bakterien und Viren wieder durch die Luft zurückbekommt.

(lacht) Wir hatten den Kontrast im Kopf, dass Mike nicht so in diese sterile Umgebung passt, aber an den Schmutzeffekt vom Fön hatten wir gar nicht gedacht. Für uns war es eher die Pose, die Körperhaltung, die man da einnimmt, das ist ja schon irgendwie witzig. Die Idee zu dem Fön, in Zusammenhang mit “Zen”, kam von unsererm Grafiker. Es gibt ja eine ganze Szene, die zu Fönsounds chillt und auf YouTube kann man sich drei Stunden Fönsounds oder Staubsaugergeräusche anhören. Ich kenne jemanden, der das zum Einschlafen nutzt.

ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response), es gibt auch Leute, die auf das Geräusch vom Briefe öffnen oder Bürstengeräusche abgehen.

Kann sein, aber diese Föncommunity (lacht), die gibt es auf jeden Fall. Während des Studiums kann man sich auch weißes Rauschen reinfahren, um die Konzentration zu steigern.

Auf die Gesellschaft bezogen, finde ich die Metapher interessant. Was man oben als Dreck reingibt, setzt sich unten fest und kommt wieder zu Dir zurück.

Genau das ist das Schöne an einem Artwork und Texten, dass beides Spielraum zulässt. Oft ist es interessanter, was Leute sich dabei denken, als das, was wirklich dahinter stand. Bei Songs, die mir von anderen Bands am Herzen liegen, da denke ich mir bestimmt auch ganz andere Dinge dazu, als von denen beabsichtigt. Manchmal ist es dann auch enttäuschend (lacht), wenn der Song ganz anders gedacht war.

Möchtet ihr mit den Texten von MAFFAI Antworten geben?

Gute Frage, wer hat denn schon die Antworten? Bei “Abgewandt” sprechen wir mit dem Video den Beautykram an. Man prangert es an und macht sich darüber lustig. Aber am Ende vom Tag spielt man ja mit und ist wahrscheinlich auch selbst Teil des Problems. Man stellt sich auch über Social Media öffentlich zur Schau und macht sich hübsch, wenn man weggeht.

Manchmal tut man auch Dinge und fühlt sich trotzdem damit nicht wohl. Stichwort Social Media.

Oder der Fön (lacht). Den benutze ich ja auch und komme mir dabei bescheuert vor.

Wer macht bei euch Social Media?

Wir haben uns das aufgeteilt. Ich besitze zum Beispiel kein Smartphone und mache Social Media nur, wenn ich am Rechner bin. Sonst habe ich damit nicht viel am Hut. Ich poste keine Fotos von meinem Essen und habe auch keine Zeit und Muse, um irgendwelche Instagramstories zu füttern.

Hast Du das Smartphone abgeschafft oder nie angeschafft?

Ich hatte nie eines. Seit Jahren mache ich Musik und war immer für Mailkram und Booking zuständig, also sitze ich eh viel zu oft am Rechner. Da muss ich mir das nicht auch noch in die Hosentasche stecken und mit mir herumtragen. Da achte ich schon darauf, da ich meine Umwelt wahrnehmen will. Wenn ich im Hörsaal oder in der Straßenbahn sitze, bin ich damit schon alleine auf weiter Flur, weil alle anderen in ihr Handy starren.

Würde die aktuell angespannte, gesellschaftliche Situation sich wohl auflockern, wenn man sich wieder öfter in die Augen schauen würde?

Möglich, wobei ich nur für mich sprechen kann. Die Entwicklung gefällt mir nicht, selbst wenn ich zum Teil da mit drin hänge. Man erwischt sich bei dem Gedanken, dass man in statt einer halben Stunden Rumscrollen auch was Sinnvolles machen könnte. In die Augen gucken und direkter Kontakt, das finde ich immer noch am besten. Auf den Dörfern ist es normal, dass man die Leute grüßt und in der Stadt ist es wohl eher die Ausnahme.

In “Widersinn” heißt es “Euer Achtsamkeit ist neunmalklug und doch vollkommen leer.” Spielt es darauf an, dass man manchmal selbst gute Werte propagiert, die man aber gar nicht verinnerlicht hat?

Man wirft ja selbst mit Floskel um sich. Wenn es jemandem schlecht geht und man dann einfach nur ‘wird schon wieder’ sagt. Das ist auch eine leere Worthülse, auch wenn man sich das wünscht.

Es geht aber auch um die Achtsamkeit im Sinne von Regeln befolgen. Den Song habe ich aus der Sicht von Mike geschrieben, ich weiß nicht, ob ihm das überhaupt bewusst ist (lacht). Er ist mal durch eine Phase gegangen, in der er seinen Platz gesucht hat und nicht so richtig wusste, wie es weitergeht. Man sucht dann Rat und niemand sagt einem wirklich was.

Wie genau läuft das ab, wenn Du Mike die Texte zum Singen übergibst?

Für mich war es auch neu, auf Deutsch zu texten. Die ersten Texte habe ich ihm einfach so weitergegeben, ohne Musik und eher so wie ein Gedicht. Wenn mal ein Wort gestrichen wird, damit es besser ins Reim- oder Versmaß passt, dann ist das ok für mich. Solange eben nicht der komplette Sinn entstellt wäre.

Ist es Teil des kreativen Prozesses, dass Mike es eventuell anders interpretiert?

Genau und es ist spannend, wenn das passiert. Manchmal biete ich ihm Gesangslinien an, wenn es mal vorkommt, dass Mike etwas blank ist und Input braucht. Bei “Platz” hatte ich auch einen Part vorbereitet, der sich als totaler Quatsch herausgestellt hat und dann wurde etwas ganz anderes daraus.

Die Videos habt ihr auch selbst konzipiert und gedreht?

Ja, da geht der Dank an Jan, der produziert die Videos und auch ist auch unser musikalisches Mastermind. Er hat sich in viele Programme und Techniken reingefuchst und sich ein Kameraequipment zugelegt. Unsere Videos sind sozusagen seine ersten Gehversuche und es ist schön, sowas selbst in der Hand zu haben. Das spart uns Kosten und kostet aber natürlich stattdessen Jans Zeit, wobei er es auch gerne macht. Wir sind dankbar und wissen es wirklich zu schätzen, jemanden in unseren Reihen zu haben, der sowas umsetzen kann. Als kleine Band schmerzen einen ja auch verhältnismäßige kleine Beträge, die Auslagen müssen irgendwie reinkommen.

Mit Kidnap Records als Label – und keinem Majorlabel – nimmt man auch eine gewisse Identität an, was das für eure Labelauswahl wichtig?

Es stand für uns ja nie zum Debatte, dass wir zu einem Majorlabel geht. Wir haben die Fühler selbst nach ausgewählten Labels ausgestreckt und da wurde schon darauf geachtet, dass es bei der Mentalität Übereinstimmungen gibt. Ein Majorlabel hätte uns auch in eine ganze andere Richtung lenken können, wir kommen aber aus der D.I.Y.-Szene und das kann uns auch niemand absprechen. Man hofft eben, dass das Album viele Leute juckt, aber wir sind auch jetzt schon sehr glücklich darüber, wie es bisher gelaufen ist. Ab jetzt ist eh schon alles geil (lacht).

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