Lest das Interview mit MODECENTER zu "Altes Glück" bei krachfink.de

Interview mit Modecenter zu “Altes Glück”

MODECENTER sind eine der vielen interessanten Rockbands aus Wien und machen mit “Altes Glück” ihren ersten Aufschlag. Irgendwo zwischen Post-Punk, Grunge und Hardcore angesiedelt, haut uns das Quartett scharf angespitzte Texte um die Ohren und treibt uns mit dem Bass hektisch nach vorne. Gerne auch mal mit dem Kopf gegen die Wand, wenn’s gewünscht ist und passt. Sänger und Gitarrist David hat stellvertretend für alle einige Fragen zur Musik beantwortet. Seine Antworten machen ziemlich deutlich, worum es ihm geht, warum der Schmäh ein anderer ist und warum die Songs so grobkantig und bemerkenswert aufrichtig klingen.

David, erzähl mir erstmal was über euch, wer ist dabei und wer macht was?

Hallo, wir sind MODECENTER, eine Band aus Wien. Arthur spielt Bass, ich singe und spiele Gitarre, Hannes ist am Schlagzeug, Matea an der Gitarre.

Wie und warum ist die Band entstanden?

Die alte MODECENTER Besetzung war längere Zeit gemeinsam aktiv als LOATHER. MODECENTER hat als Spaßprojekt begonnen, während einer sehr ausgelassenen und lustigen Probe.

Der Albumtitel “Altes Glück” scheint einfach, hat aber auch mindestens genauso viel Interpretationsspielraum, was bedeutet für euch Glück?

“Altes Glück” ist deswegen als Titel attraktiv, weil es eben ganz viel bedeuten kann. Glück ist für mich begrifflich schwer zu definieren. Ich glaube, man ist tendenziell dann glücklich, wenn man nicht an das Glück denken muss.

Am meisten interessiert mich tatsächlich, wie eure Songs entstehen und auch, wie ihr die aufnehmt? Das wirkt alles wie direkt einmal intuitiv eingespielt, das klingt extrem attraktiv.

Erstmal danke für das Kompliment! Die Musik entsteht zu 90 % gemeinsam als Band, wobei die Songs für das neue Album teils noch mit alter Besetzung gemacht wurden. Meistens sind es einfache Ideen wie Riffs, die dann je nach Bedarf und Gefühl nach und nach diskutiert und miteinander ausgearbeitet werden. Das neue Album ist da strukturmäßig ein bisschen ausgefinkelter als die früheren Sachen, es gibt mehr unterschiedliche Teile und auch ein paar Experimente und Klavierparts, die uns viel Spaß bereitet haben. Ich denke, wir können sagen, dass die Intuition für uns immer das leitende Prinzip beim Spielen darstellt.

Aufgenommen habt ihr mit Werner Thenmayer (u.a. EUROTEURO und BIPOLAR FEMININ) im Elephant West Studio, was hat er als Produzent beigetragen und wie habt ihr zusammengefunden?

Alles bis auf das erste Demo-Tape wurde mit Werner Thenmayer aufgenommen, einem guten Freund von uns, der schon mit vielen tollen Bands und Friends (z.B. ROLLTREPPE und die von dir genannten) zusammengearbeitet hat. Sein Ansatz ist auch sehr bodenständig und unkompliziert, was uns entgegenkommt, da wir weniger eine Stückel-Band sind und uns mit Live-Aufnahmen eher wohlfühlen. Auch wenn eine pure Live-Aufnahme beim neuen Album leider aus Platzgründen nicht möglich war. Werner hat außerdem ein gutes Händchen für Gruppendynamiken, und weiß, welche Studiotricks wann Sinn ergeben und wann nicht.

Ihr kommt aus Wien, das ist für mich mittlerweile ein Qualitätsmerkmal und ein Grund unbedingt mal die Musik anzutesten. Wie nehmt ihr die Szene wahr, gibt es überhaupt eine, ist da gerade viel möglich für Bands? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass alle sich doch über mehrere Ecken kennen, Wien ist ja auch nicht so riesig.

Man kennt sich und sieht sich öfters. Ich würde sagen es ist – aufgrund der vielen verschiedenen Stile und der prinzipiellen Integrität der meisten Personen – eine sehr schöne und auch sehr bunte Szene. Das finden wir als Band und als Menschen toll. Andererseits ist Wien halt, wie du sagst, eher klein. Das heißt, dass das soziale Gewebe auch aus fixen Beziehungen und Gruppen bestehen kann, was es als künstlerischer “Outsider” (aus welchen Gründen auch immer) etwas undurchlässig macht. Wir können uns aber insgesamt nicht beschweren, wir haben auch viel Glück gehabt. Zur Musikindustrie insgesamt könnte man hier noch etwas ausholen, aber das dürfte den Rahmen des Interviews sprengen.

Abgesehen davon, dass die Texte super sind und scharf pointiert, finde ich sie auch teilweise stark philosophisch. Wer schreibt die Texte und was markiert meistens den Anfangspunkt, ein Gedanke, eine Idee oder vielleicht sogar schon ein griffiges Statement?

Das ist schwer zu sagen. Es ist bei mir eine Mischung aus Intuition und Intention. Vieles kommt mir spontan, manchmal auch kurz vor Aufnahmen in den Sinn. Mir geht es auf keinen Fall um fixe Standpunkte oder Aussagen. Das sind eher abstrakte Gedanken, Phrasen oder Botschaften, die sich teilweise auch widersprechen. Es macht auf jeden Fall viel Spaß mit Wörtern zu spielen. Und das Schöne an Texten ist, dass sie viel bedeuten können. Solange es etwas auslösen kann, bin ich glücklich.

Der Text von “Salto” lässt ja inhaltlich darauf schließen, dass Musik bzw. Kunst zu einem kommt und man dafür aber auch offen sein muss oder vielleicht auch mal fade Momente einfach aushalten muss. Wie genau ist eine Textzeile wie “Ich hab´ die Zeit, sing die Lieder dieser Nacht bis sie widerhallen wir sind bereit lass sie kommen, lass sie kommen, schau wie sie fallen” gemeint, also was tun, damit einen die Muse küsst?

Die Interpretation finde ich interessant, auch wenn ich das nicht wirklich so gemeint hab. Aus meiner Sicht geht es bei der Passage eher um die kathartische Kraft, die Musik an sich innewohnt. Bei dem Song geht es für mich auch um diese teils narzisstische, depressive und entfremdende Arbeit an und mit sich selbst, die Kreativität oft mit sich bringt. Ratschläge zu Musen kann ich leider keine mit dir teilen. Ich denke, das muss von alleine kommen.

Wie viel D.I.Y. steckt in MODECENTER, macht ihr möglichst alles selbst?

Es gibt viele Bands, die mehr selbst machen als wir. Das ist auch toll und wichtig, und essenzieller Part von vielen Szenen. Teilweise ist man aber auch froh, nicht alles selbst in die Hand nehmen oder jedes Shirt selbst bedrucken zu müssen. D.I.Y. heißt für mich, dass wir gedanklich zu 100% hinter dem kreativen Prozess stehen, dass man Hierarchien im Musikbusiness reflektiert und sich möglichst wenig auf seine “Kunst” einbildet.

“Musik braucht weniger Kopf, mehr Impulsivität. Weniger Perfektionismus, mehr Charakter.”, das hat die Drummerin Veva von der Band FALSE LEFTY vor Kurzem in einem Interview mit krachfink.de gesagt. Eure Musik auch gut abgenagt, hat zwar Highlights, aber nicht zu viel Schnickschnack. Wie würdet ihr selbst euren Sound beschreiben, worauf legt ihr Wert?

Bei uns fallen medial oft Begriffe wie Post-Punk, Noise-Rock. Das ist schwer, weil ich nicht finde, dass unsere Musik genau wo rein passt. Das Rohe, Unüberlegte, Emotionale – ich würde sagen, diese Kategorien sind das, was uns schon noch mit dem “Punk” – Begriff verbindet. Genretechnisch ist es schwer einzuordnen. Das Zitat selbst würde ich komplett so unterschreiben. Es gibt sehr viel Musik, die technisch und soundmäßg sehr gut klingt, bei der aber wenig Emotion rüberkommt. Das ist denke ich ein Problem, das auch die alternative Musikszene betrifft, da saubere Produktion heutzutage nicht mehr so schwer umzusetzen ist. Unser neues Album klingt ja auch “fetter” als die alten Sachen. Da geht es um eine Balance.

Lest die Review zur EP von "Altes Glück" von MODECENTER bei krachfink.de
MODCENTER 2024, Foto von Christian Fischer über Siluh Records

LEFTOVERS waren bei mir im Podcast und wir haben unter anderem darüber gesprochen, dass deren Sänger krass performt und auch bei euch wirkt vieles eher von der Dramatik vor Vortragsweise eher wie ein gut inszeniertes Theaterstück (“Kalter Rauch”, “Zwischen den Zeilen”, immer rockig natürlich. Woher kommt das? So pointiert zu sein, fliegt einem eigentlich nicht einfach so zu.

Ich weiß nicht genau, ob du mit pointiert jetzt die Texte meinst. Performancetechnisch ist das für mich tatsächlich eher eine Herausforderung. Ich kämpfe sehr mit der Vorstellung, als Sänger etwas darzustellen oder auf der Bühne bieten zu können. Teilweise finde ich das Setting einer klassischen “Rock”-Show total absurd. Da geht es auch um die Vorstellung, jetzt eine tolle oder lustige Zeit bieten zu müssen, weil man als Band auf einer Bühne steht. Klar, es geht um Entertainment, aber sowas kann schnell in eine Zeltfest-Stimmung umkippen. Mir ist da eher wichtig, die Songs ehrlich so zu spielen, wie sie sich in dem Moment anfühlen, und wenn das auf offene Ohren stößt, bin ich dankbar.

Wenn man jetzt richtig Bock auf euch bekommen hat, wo kann man euch in Zukunft live sehen, kommt ihr bald mal nach Deutschland?

Wir spielen bald die Release-Shows zum Album in Wien (10.05.) und Linz (11.05.). Nach Deutschland kommen wir aller Wahrscheinlichkeit nach diesen Herbst, können aber noch keine näheren Details bekanntgeben. Infos folgen auf den üblichen Kanälen.

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