Lest das Interview mit ROSA FAENSKAP zu "Ingenting Forblir" bei krachfink.de

Interview mit Rosa Faenskap zu „Ingenting Forblir“

Mit ihrem zweiten Album „Ingenting Forblir“ schärfen ROSA FAENSKAP ihr Profil im norwegischen Black Metal. Das Trio verbindet rohe Aggression mit düsterer Melancholie, atmosphärische Weite mit persönlicher Verletzlichkeit – und verknüpft all das mit einer klaren antifaschistischen Haltung. Statt Eskapismus um des Eskapismus willen setzen sie auf Konfrontation: mit gesellschaftlicher Gleichgültigkeit, rechter Ideologie und den eigenen inneren Abgründen.

Nadine von krachfink.de hat mit Emil, Håvard und Anders über ihre ersten Berührungspunkte mit Black Metal gesprochen, über musikalische Prägungen zwischen den Neunzigerjahren und norwegischem Underground, über die Entwicklung vom Debüt „Jeg blir til deg“ hin zu „Ingenting Forblir“ – und darüber, warum gerade Black Metal für sie das passende Ventil für politische Wut, queere Selbstbehauptung und persönliche Katharsis ist. Außerdem geht es um Bildwelten zwischen Surrealismus und Naturlandschaft, um Eskapismus durch Musik, um Bier als einfachste Form der Entspannung.

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ROSA FAENSKAP 2026, Foto von Stig Buvarp

Was war euer erster Berührungspunkt mit Black Metal?

Emil (Gitarre/Gesang): Bis ungefähr zur Highschool hatte extreme Musik für mich eigentlich nie wirklich funktioniert. Ich habe Growls und Blastbeats sogar gehasst – was heute meine absoluten Lieblingssounds auf diesem Planeten sind! Das änderte sich 2015, als ich die Band TAAKE entdeckte. Irgendetwas an diesen wunderschönen Tremolo-Gitarrenmelodien hat für immer verändert, wie ich extreme Musik höre. Kurz darauf fand ich heraus, dass Hoest, der Mann hinter der Musik, ein faschistisches Arschloch ist. Ich schätze, das hat von Anfang an den Ton dafür gesetzt, antifaschistischen Black Metal machen zu wollen.

Håvard (Bass/Gesang): Ich glaube, die erste Black-Metal-Band, die ich gehört habe, war DIMMU BORGIR, da war ich etwa 12 Jahre alt. In den darauffolgenden Jahren wurde ich regelrecht besessen vom norwegischen Black Metal der 90er, vor allem von Bands wie MAYHEM, THORNS, EMPEROR und DARKTHRONE. Mit 14 oder 15 habe ich fast ausschließlich Black Metal gehört.

Anders (Schlagzeug): Ich bin mit den CDs meines Bruders aufgewachsen, und die haben eigentlich nur Rock und Metal aus den 60ern bis 90ern gehört. Wirklich extremere Musik als Thrash Metal war da nicht dabei. Es ist zwar nicht direkt Black Metal, aber als Einführung in die Richtung ist mir besonders das Debütalbum von KVELERTAK in Erinnerung geblieben. Die Aggressivität der Musik hat mich sofort gepackt – und genau zu dieser Energie zieht es mich bis heute immer wieder hin.

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© Stig Buvarp

Die Themen auf eurem Album „Ingenting Forblir“ sind deutlich realistischer und weniger abstrakt, als man es im Genre oft kennt. Warum ist Black Metal eure bevorzugte Ausdrucksform, wenn es um Antifaschismus, Politik und die Rechte queerer Menschen geht?

Anders: Weil wir Black Metal lieben. Es ist eine wunderbare Ausdrucksform, in der Schönheit, Ekel, Wut, Freude und Verzweiflung gleichberechtigt nebeneinander existieren können. Wir können uns kein besseres Gefäß vorstellen, um unsere Leidenschaften und Emotionen zu kanalisieren.

Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden, woher kennt ihr euch, wer macht was – und wie war euer ursprünglicher Ansatz für „ROSA FAENSKAP“?

Håvard: Emil und ich haben uns an der Universität kennengelernt. Es dauerte nur ein paar Stunden, bis wir beschlossen, eine Black-Metal-Band zu gründen, und ich kannte Anders noch aus der Schulzeit.

Als wir drei uns das erste Mal trafen, waren wir auf einem Konzert von BEATEN TO DEATH, das ist eine großartige norwegische Grindcore-Band. Anders landete an diesem Abend bewusstlos in einer Mülltonne, mit zwei halb aufgegessenen Hotdogs in den Händen, jeweils einer pro Hand. Kurz darauf hat Emil ihn mehr oder weniger gezwungen, der Band beizutreten.

Ein ziemlich vernichtender Song ist „Faenskap for alltid“. Seid ihr diejenigen, denen alles egal ist – oder nehmt ihr die Außenwelt als maximal rücksichtslos wahr?

Emil: „Faenskap for alltid“ entstand in einem Moment purer Wut und Frustration. Der Text handelt davon, völlig erschöpft zu sein von dieser falschen, zentristischen, westlichen Haltung, dass die Ansichten von links und rechts gleichermaßen legitim und respektabel seien. Der Song ist ein offenes Eingeständnis, dass wir keinerlei Respekt oder Geduld mehr für die extreme Rechte und ihre Angstmacherei, ihren Hass und ihre Lügen aufbringen. Ihre „Meinungen“ sind weder friedliche Debatten noch Respekt wert.

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© Teodor Bjerrang

Was ist für euch der größte Unterschied zwischen „Ingenting Forblir“ und „Jeg blir til deg“? Was habt ihr verändert oder gelernt?

Emil: Ich denke, „Ingenting Forblir“ treibt alles, was wir auf unserem Debüt verfolgt haben, auf neue Ebenen. In seinen dunkelsten Momenten ist es noch dunkler; in seinen härtesten Momenten noch härter; in seinen ruhigen Momenten noch ruhiger.

Insgesamt ist der Sound düsterer und depressiver als auf „Jeg blir til deg“, was sowohl den Zustand der Welt als auch persönliche Erfahrungen widerspiegelt, die wir in der Zwischenzeit gemacht haben.

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