Lest die Review zu "Hollywood Smile" von THE PILL bei krachfink.de

Interview mit The Pill zum Album “Hollywood Smile”

Kein Zufall, dass es ein „Salaryman“ und keine Salarywoman“ ist, oder?

Jan: Die Genderfrage ist wichtig und wird zu Recht gestellt. In einem kapitalistischen System gibt es immer Machtverhältnisse zwischen und innerhalb von Geschlechtszuweisungen. Weiblich gelesene Personen werden für einen Großteil der Care-Arbeit nicht oder unzureichend entlohnt, dazu kommt die Gender-Pay-Gap, sowie der Druck immer alles gleichzeitig sein zu müssen: Mutter, erfolgreich, und – für den männlichen Blick – gutaussehend. Von männlich gelesenen Personen – wie vom japanischen Salaryman im Businesskontext verkörpert – wird Konkurrenzkampf und Härte erwartet. Auf der einen Seite ist dieses Mackertum toxisch, auf der anderen Seite ist es ebenfalls schwer, diesen Erwartungen Stand zu halten, was – wie bei “Salarymen” – zu Kompensationshandlungen, wie exzessivem Alkohol- und Drogenkonsum, bis zum Zusammenbruch oder Selbstmord führt.

THE PILL spielen weitaus mehr, als Hardcore und Punk, ihr habt euch einiges Gutes aus den Neunzigern und Nullerjahren geschnappt und das sinnvoll zu eurem eigenen Ding gemacht. Was braucht ein Song, um für THE PILL zu taugen?

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Sascha: Damit ein Song zu unserem wird, muss er von allen approved sein. Wenn jemand den Song nicht fühlt, sei es im Prozess des Schreibens oder auch ganz am Ende, dann wird daraus kein Band Song. Wir haben alle einen hohen Bullshitdetektor und eine große Bullshitdetektor- Schnittmenge in der Band. Das filtert schon sehr viel auf vielen Ebenen raus und hilft uns ungemein beim Schreiben und beim Findungsprozess. Wir sind unsere größten Kritiker*innen und unsere größten Fans. Irgendwo zwischen diesen beiden Enden entstehen die Songs.

Wir kommen alle politisch und musikalisch aus dem Punk und Hardcore, wollten aber nie, dass es für die Band ein Limit gibt. Ich bin froh, mit Sam eine Sängerin zu haben, die das eh schon aufbricht und viel interessanter macht. Die Haltung und Attitude, mit der wir die Songs spielen und THE PILL begreifen, wird immer da verwurzelt bleiben, wo wir herkommen. Für mich bedeutet Punkrock aber auch ausprobieren, keine Regeln, alles geht. Wir werden sehen und sind selbst gespannt, wo uns das musikalisch hinführt.

In “Goverment Whore” setzt ihr euch mit der Überwachung durch den Staat auseinander. In einer Großstadt wie in Frankfurt ist es wohl noch stärker spürbar – kann man jetzt gut oder schlecht finden – wie kam es zu dem Text? Gab es einen konkreten Anlass? Die meisten ignorieren diesen Zustand und zucken die Schulter, weil man ja ‘eh nix dagegen machen kann’.

Sascha: Den Text dürfen alle so interpretieren wie sie ihn lesen und verstehen. Dieses ‘eh nix dagegen machen können’ ist ja eine Frage der Haltung. Möchte ich aktiv sein, mich für Dinge einsetzen, die mich stören oder reicht es mir, mich “nur” zu beschweren? Ich bin großer Fan von maximaler Autonomie. Wenn mich etwas stört, kann ich mich zurückziehen, aktiv werden oder es vorbeiziehen lassen. Für mich habe ich festgestellt, dass aktiv werden nicht nur gut für meine Psyche ist, sondern auch lösungsorientierter. Nicht alle gehen auf die Straße, organisieren sich oder sagen ihre Meinung. Hängt auch davon ab, wie sehr mich Themen triggern und wie stark sie mit meiner Identität zusammenhängen. Ich denke, da muss jeder Mensch seinen Weg finden und auch innerhalb der Band gibt es verschiedene Ansätze im Umgang. Grundsätzlich finde ich es wichtig, eine Meinung und eine Haltung zu haben. Wie offen und vehement man diese dann vertritt, muss man selbst für sich herausrausfinden.

Was soll jetzt im besten Fall passieren, wenn euer Debüt „Hollywood Smile“ veröffentlicht wird?

Sam: Endlich wieder 100% aufs Musik machen konzentrieren und die zweite Platte fertig schreiben.

Sascha: Wir nehmen was kommt und geben dem ganzen auch Zeit, sich zu entwickeln. Im besten Fall gibt es draußen eine Handvoll Menschen, die verstehen, was wir machen und es genauso fühlen, wie wir es tun. Wir wollen Shows spielen und die Platte live spielen. Gerne alles von kleinem Juz bis großem Festival.

Ihr veröffentlicht über das Hamburger Label Sounds of Subterrania, wie viel von THE PILL gebt ihr schon ab und wie viel ist D.I.Y.?

Sascha: Bei THE PILL ist sehr viel D.I.Y. Musik, Produktion, Texte, Merchandise, Designs, Illustrationen, Cover-Artworks, Video-Ideen, Skripte, Videoproduktionen, … Das ist schon recht umfangreich und gepaart mit der Tatsache, dass alle Entscheidungen nur demokratisch ohne Veto getroffen werden, auch bisweilen zeitlich sehr intensiv. Wir haben einen kleinen Kreis an Menschen, die in Bereichen mit uns arbeiten, die wir zeitlich oder auch vom Knowhow her einfach nicht abdecken können. Auf manches haben wir auch einfach keinen Bock.

Wir haben mit Bernie eine großartigen Booker, der sich um Konzerte, Festivals und Tourplanung kümmert. Kleinere Shows checken wir selbst. Gregor von Sounds of Subterrania bringt unsere Platte, die Singles und die Limited Edition raus und wir haben Hilfe im Digital-Vertrieb. Aber auch mit diesen Menschen sind wir im permanenten Austausch, treffen uns, machen Zoom Meetings… Auch da ist es uns wichtig, dass alle wissen, wie wir denken, wie unsere Haltung ist und wie wir Dinge gerne umsetzen. Am Ende geben wir 5 immer bei allem das GO, egal um welches Thema es sich handelt.

Das Foto von THE PILL im Header hat Amin Weber gemacht!

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