Interview mit Trash Pillow zur EP „Raw“
TRASH PILLOW bewegen sich dort, wo Komfort und Zumutung aufeinandertreffen. Musikalisch verbinden sie Fuzz-Rock, Blues und griffige Hooks mit detailreichen, aber nie überladenden Samples. In diesem Interview sprechen Peter und Meray über die Geschichte hinter ihrem Bandnamen, ihre EP „Raw“, Krieg, Sicherheit und darüber, wie persönliche Erfahrungen und politische Realität zu intensiv nach vorne drängenden Songs werden.
Normalerweise ist es eher langweilig, über den Namen einer Band zu sprechen, aber TRASH PILLOW ist ein wirklich guter Name. Erzählt uns bitte, welche Metapher oder Geschichte dahintersteckt.
Peter: Der Name kommt aus Berlin und davon, wie stark unser Leben mit dieser Stadt verbunden ist. Es gibt eine Straße namens Frankfurter Allee, und unter der Brücke dort sieht man oft obdachlose Menschen schlafen. Das ist ein schweres Bild, besonders bei extremer Kälte oder Hitze. Eines späten Vormittags, als wir dort aus der U-Bahn-Station kamen, sahen wir einen Mann direkt am Eingang auf dem Boden liegen. Er war komplett weggetreten, offensichtlich betrunken, mit rasiertem Kopf, und neben ihm lagen zwei Krücken. Er hatte sich aus einem Haufen Müll ein Kissen gebaut, um seinen Kopf abzustützen.
Meray: Es war herzzerreißend. Für die meisten von uns ist ein Kissen so ein kleines, fast unsichtbares Symbol für Sicherheit und Geborgenheit – der Ort, an dem man den Kopf ablegt, wenn man endlich zu Hause und in Sicherheit ist. Diesen Kontrast so direkt zu sehen, hat sich bei uns eingebrannt. Es war eine Erinnerung daran, wie sehr wir selbst die kleinsten Dinge als selbstverständlich hinnehmen.
Genau dieser Kontrast ist der Grund, warum der Name so gut zur Band passt. TRASH PILLOW vereint zwei gegensätzliche Ideen gleichzeitig, so wie es unsere Songs oft tun. Da ist immer etwas Rohes und Unangenehmes neben etwas Menschlichem oder Zartem. In gewisser Weise ist dieser Kontrast auch sehr Berlin – schön und verführerisch an der Oberfläche, aber darunter oft kaputt, hart und ziemlich fucked up.
Wer ist Teil der Band, wer ist wofür verantwortlich, und wie schreibt ihr normalerweise eure Songs?
Meray: Im Kern besteht TRASH PILLOW aus uns beiden. Peter kommt aus Liverpool, spielt Gitarre und singt Lead-Vocals, und ich bin Meray, ursprünglich aus Damaskus in Syrien, am Bass und mit Backing Vocals. Wir sind die Konstante in der Band.
TRASH PILLOW ist aber auch ein sehr inklusives und flexibles Projekt. Wir haben kein festes Line-up über diesen Kern hinaus, wir arbeiten mit einer kleinen Gruppe von Künstlern, Künstlerinnen, Musikerin und Musikerinnen zusammen, besonders was das Schlagzeug angeht. Wir haben zwei oder drei verschiedene Drummer, die je nach Verfügbarkeit und Kontext mit uns spielen. Unser Produzent Alex ist ebenfalls ein riesiger Teil des Projekts. Er ist ein unglaublich talentierter Musiker und kreativer Kollaborateur und wird bei unserer EP-Release-Show am 6. Februar als Gastmusiker dabei sein. Bei diesem Konzert wird unser Freund Francisco für uns Schlagzeug spielen.
Meray: Peter schreibt den Großteil der Texte – er ist sehr stark ein Geschichtenerzähler – und die Musik entsteht meist zwischen uns beiden. Wir bauen die Songs im Proberaum, probieren Ideen aus, reißen sie wieder ein und lassen die Songs von dort aus wachsen.
Eure EP „Raw“ handelt von Krieg – innen wie außen – und alle Songs haben einen starken politischen Hintergrund. Der Opener „Bombs Make Her LOL“ handelt von einem Vater, der seiner kleinen Tochter beibringt, jedes Mal zu lachen, wenn in der Nähe eine Bombe explodiert. Es gab einmal einen italienischen Film, „Das Leben ist schön“, über einen jüdischen Vater und seinen kleinen Sohn in Auschwitz; er erzählt seinem Sohn, dass alles nur ein großes Spiel sei, bei dem er sich verstecken müsse. Wenn man sich anschaut, was weltweit passiert, könnte man wirklich denken, dass Krieg für manche Anführer ein Spiel ist. Glaubt ihr, die Welt wird verrückter, oder liegt es einfach daran, dass die Menschheit heute viel schneller Informationen über solche Umstände bekommt?
Peter: Ehrlich gesagt kannten wir den Film nicht, aber wir haben kurz nachgeschaut, und ja, er hat eine sehr ähnliche Stimmung – ein Elternteil, der versucht, sein Kind unter schrecklichen Umständen so gut wie möglich zu schützen. Genau deshalb existiert dieser Song. Wenn man so etwas hört, bleibt es für immer bei einem – die Vorstellung, dass ein Elternteil Terror in ein Spiel verwandeln muss, nur um den Geist seines Kindes zu schützen. Das Video ging vor ein paar Jahren viral. Es ist herzzerreißend, es anzusehen. Man kann es hier sehen:
Peter: Die meisten unserer Songs beginnen im echten Leben. Sie sind meist von sehr konkreten Momenten, Begegnungen, Gesprächen oder Situationen inspiriert, die bei uns hängen geblieben sind. An der Oberfläche wirken sie oft sehr persönlich, aber fast immer gibt es darunter noch eine weitere Ebene, die mit der Außenwelt verbunden ist – Politik, globale Konflikte oder die Art und Weise, wie größere Strukturen den Alltag beeinflussen.

Ich bin ein großer Fan dieser Band. Die Musik und die Lyrik berühren mich sehr und sind etwas Besonderes. Keep up the great work, Trash Pillow!