20-Years-Down-The-Road

Itchy – 20 Years Down The Road, How To Survive As A Rock Band II – Review

Nach der Lektüre von “20 Years Down The Road, How To Survive As A Rock Band II”, dem zweiten Buch des Punkrocktrios ITCHY aus Eislingen/Fils, weiß man nicht so recht, worüber man am meisten staunen soll. Dass es sie seit über 20 Jahren gibt und die Band tatsächlich 17 Jahre davon mit dem Bandnamen ITCHY POOPZKID durchgekommen ist? Oder dass sie einerseits zu den verballerten und intuitiven Punkbands Deutschlands gehören und dann aber jahrzehntelang so präzise Bandtagebuch führen, dass man in dem vorliegenden Buch die Karriere komplett in der detaillierten Rückschau betrachten kann? Die Leser*innen freuen sich natürlich über jede noch so kleine Anekdote und die Dokumentation von jeglichem Pups, den jemand mal gelassen hat und den man sonst vergessen hätte.

ITCHY 2021, Foto von Diana Mühlberger

Freundschaft und Bandhumor? Check!

ITCHY verdeutlichen in ihrem Buch “20 Years Down The Road, How To Survive As A Rock Band II”, dass es bei guten Bandbeziehungen weniger auf die Musik und in erster Linie auf Freundschaft und einen ähnlichen Humor ankommt. Beides bedingt sich, wenn man etwas abgekapselt in einer Art Blase lebt und gemeinsam um die Häuser zieht und über die Autobahnen düst, um mit Freude Musik zu spielen. ITCHY sind aus meiner Sicht auch genau auf dem Niveau stehengeblieben, auf dem man die meisten Vorteile und die wenigsten Nachteile hat. Touren mit namenhaften Bands, für die eröffnen und dann frühzeitig ab zum Freibier. Dank ihrer schwäbischen Tugenden, kommen ITCHY damit schon mindestens zwei Jahrzehnte auch finanziell gut durch. Das vorliegende “20 Years Down The Road, How To Survive As A Rock Band II” haben ITCHY in 16 Kapitel aufgeteilt, in denen sich anhand von Tagebuchfetzen an diverse Themen ihrer bisherigen Karriere erinnern. Das Verhalten im Backstage, die Fans, ihre Einstellungen zum Proben oder die Freundschaft der Band, Wetterverhältnisse auf Tour…, zu allem haben ITCHY kuriose Zeitungschnipsel, Fotos oder Erinnerungen gesammelt.

Quer oder geradeaus

Man kann “20 Years Down The Road, How To Survive As A Rock Band II” von ITCHY quasi wahllos mittendrin aufschlagen und immer wieder quer schmökern oder eben ganz ordentlich am Stück lesen. Die Erinnerungen von einzelnen Tagen tauchen in den unterschiedlichen Kapiteln, jeweils thematisch passend, mehrmals auf und es muss eine ziemliche Arbeit gewesen sein, dies zu sichten und zu strukturieren. Im direkten Vergleich mit der gerade erschienenen Bandbio von den DONOTS, wird die Rückschau von ITCHY an manchen Stellen etwas zu textlastig präsentiert. Und ob alle, die die Musik der Band mögen, auch den wirklich sehr speziellen Bandhumor nachvollziehen können, ist auch nicht sicher. Juckt ITCHY (lol!) aber mit Sicherheit nicht, denn die Drei haben immer sich und ziehen ihr Ding durch.

Wie konnte das passieren?

Unterschiedliche Bandfreunde (MONTREAL, EMIL BULLS, DONOTS, JENNIFER ROSTOCK, MADSEN…) kommen zu Wort und schildern das Mysterium ITCHY aus ihrer Sicht. Mal kurzweilig, mal zu kurz und mal zu ausführlich. Die Band prahlt nicht mit namenhaften Bekanntschaften und hält schön die Waage zwischen vermeintlich großen Begegnungen wie Flippern mit SLAYER, QUENTIN TARANTINO als Tischnachbar im Kreuzberger Café und den im Rückblick sehr irren Momenten, wie als die Band einer Fanin versehentlich mit der Gitarre beinahe eine blutende Platzwunde geschlagen hat. Die Bandgeschichte durchläuft mehrere Kurven, die meist wahnsinnig oder absurd wirken und es ist mit Sicherheit nicht kokettiert, wenn ITCHY sich selbst fragen: Wieso gibt es uns eigentlich so lange? Auch das Management scheint sich ab und an Gedanken darüber gemacht zu haben, zum Beispiel als ITCHY unbedingt bezahlten (!) Support für DOG EAT DOG spielen wollten und – im Gegensatz zum Plattenfirma-Boss Georg Glueck – mit unter 100 Gästen zufrieden waren.

Dass ITCHY regelmäßig bei MTV präsent und somit auf dem (Karriere-)Sprung waren, aber keine Sekunde um vermeintlich verpasste Chancen weinen, macht sie sympathisch. Mit Sicherheit hätten ITCHY noch um einiges größer werden können, sie haben sich aber in den richtigen Momenten verweigert und genau deshalb eine langfristige Karriere vorzuweisen und keine, die einmal nach oben schießt und dann rasch verglüht.

Seiten: 250
Verlag: GoodToGo
ISBN-13: 978-3000680595
VÖ: 11.06.2021

Artikel, die Dich interessieren könnten:
Interview mit Sibbi und Panzer von ITCHY zur Bandbiografie
VAN HOLZEN – Regen
Interview mit Panzer von ITCHY zum Album “Ja als ob”
MADSEN – Lichtjahre (live)
ALEX MOFA GANG – Ende offen
VAN KRAUT – Zäune aus Gold
PABST – Chlorine
SMILE AND BURN – Morgen anders
MADSEN – Ja gut dann nicht
RADIO HAVANNA – Veto
B104 – 2020
ALEX MOFA GANG – Ende offen (live)
Audio-Interview mit Max und Chris von VAL SINESTRA
SWAG BOY ALEX – Hubschrauber und Dinosaurier
ZSK – Ende der Welt
MILLIARDEN live im Club 100 in Bremen, Stream vom 05.02.2021
Der Quarantänekalender: Tipps und Tricks gegen Lagerkoller, Folge 7 mit ITCHY
MADSEN kündigen Punkalbum “Na gut dann nicht” an
ITCHY – Ja als ob
27 Jahre DONOTS – “Heute Pläne, morgen Konfetti” – Die Show
BITUME – Die Entscheidung

ITCHY bei Facebook

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.