Stan von John Connolly

John Connolly – Stan – Review

Die Biografie “Stan” von John Connolly befasst sich mit dem Leben des Schauspielers und Komikers Stan Laurel, besser bekannt als eine Hälfte von Dick und Doof. Dass Komiker meistens privat nicht so viel zu lachen haben und aus Trauer, Unsicherheit und Rückschlägen die besten Komik und die schärfsten Pointen entstehen ist auch nicht neu. Dementsprechend ist der beschriebene Lebensweg von “Stan” erschreckend traurig und es gibt eigentlich so gut wie nichts zu lachen.

Der traurige Komiker

Wir beobachten die Geschichte aus der Sicht von Stan Laurel selbst. Ein Handlungsstrang erzählt die komplette Geschichte von seinen Anfängen als Komiker und bis zum Ende seiner Karriere. Im zweiten Handlungsstrang blickt er nach seiner Karriere und dem Tod seines Partners Oliver Hardy auf seine berufliche Karriere und seinen persönlichen Lebensweg zurück. Zufrieden ist er mit beidem nicht. Das Geld hat ihn nicht glücklich gemacht, sein Zustand als alter Mann ist ihm unangenehm und auch persönlich bereut er vieles getan zu haben und noch mehr, vieles nicht getan zu haben.

Die Pointe bleibt aus

Wer mit den Erwartungen an eine kurzweilige Abhandlung über die lustigen beiden Komiker und die Entstehung der Komödie an sich an “Stan” von John Connolly herangeht, wird enttäuscht sein. Der Blick hinter die Kulissen entblößt eine kalte Welt, in der auf allen Ebenen ziemlich rücksichtslos miteinander umgegangen wird. Eine der wenigen positiven Konstanten im Leben von Stan ist die Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Oliver, den alle Babe nennen.

Was “Stan” von John Connolly wirklich äußerst schwer verdaulich macht, ist die total unnötig verkomplizierte Ausdrucksweise des Autors. Die ständige Wiederholung von Vorname und Zuname gewisser Personen bläht die Geschichte unangemessen auf und stört den Lesefluss enorm. Manche Namen werden auf einer Seite bis zu zwanzig (!) Mal wiederholt. Ein Stilmittel, das man ganz sicher mal einsetzen kann, das aber auf Dauer unheimlich nervt. Nun gibt es aber auch Akteure der damaligen Zeit, die man kennt und deren ausführliche Beschreibung natürlich interessant sind.

Viele Namen, wenig Kern

Einer davon ist Charlie Chaplin und der kommt in “Stan” auf jeden Fall nicht gut weg. Man entwickelt als LeserIn sogar eine richtige Abneigung gegen seinen Charakter und seine Vorliebe für viel zu junge Frauen. Wie auch immer die Emotionen ihm gegenüber sind, er ist zumindest zeitgeschichtlich relevant. Viele andere Personen und auch Filme sind es aber nicht. Das hindert John Connolly aber nicht daran, ihnen trotzdem ausreichend Raum zu bieten. Der Kern der Sache, dass Stan und Oliver Filme am Fließband drehen, glücklicherweise den Sprung vom Stummfilm zum Tonfilm schaffen und privat mehrere Trennungen und Scheidungen hinter sich bringen, kommt dadurch viel zu kurz.

Seiten: 582
Verlag: Rowohlt
ISBN-10:  349800946X
ISBN-13: 978-3498009465
VÖ: 21.08.2018

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