Joyce Manor – I Used To Go To This Bar – Review
„I Used To Go To This Bar“ von JOYCE MANOR ist die perfekte Untermalung für einen geschmeidigen Einstieg in das neue Jahr. Einfühlsam und trotzdem dringlich scheint der griffige Pop-Punk den Muff des Jahresendes wegzublasen und macht Lust auf neue Herausforderungen. Musik und Texte balancieren mühelos zwischen ruppigen Gitarren und vornehmer Zurückhaltung. Barry Johnson, Chase Knobbe und Matt Ebert schmelzen uns eine fantasievolle und unterhaltsame Melange aus Melancholie und Tatendrang. Obwohl JOYCE MANOR manches nur anreißen und einige Songs ungewohnt schnell ins Finale zuckeln, wirkt „I Used To Go To This Bar“ kompakter und größer.

Pop-Punk ohne Pose
Die herrliche Ambivalenz von JOYCE MANORs „I Used To Go To This Bar“ macht sich auch im ersten Highlight „All My Friends Are So Depressed“ bemerkbar. Federleicht schwingen Gitarren und Gesang unbeirrt nach vorne, der Refrain findet unterschwellig statt und löst uns behutsam aus der Starre. JOYCE MANOR hantieren hier mit maximalem Einfühlvermögen und laden das Lied mit Mut statt Dunkelheit auf. Das wirkt wenig rebellisch, aber ungemein wohltuend. Die Band interpretiert Pop-Punk auf ihre ganz eigene Art, zieht nach vorne, ohne das Tempo anzuheben. Es ist eher der Versuch, renitent gegen äußere Einflüsse zu sein und eben nicht mit Aggression zu kontern, der das Genre Punk symbolisiert.
Kompakt, geschlossen, wiederhörenswert
„I Used To Go To This Bar“ von JOYCE MANOR wirkt in sich stimmig. Kein Songgerüst, auf das dann passende Texte aufgesetzt wurden – oder umgekehrt. Das Eine scheint das Andere zu bedingen. Musikalisch ist die Band damit nicht unbedingt up to date, was aber das Hörvergnügen nicht schmälert. „After All That You Put Me Through“, eine bittersüße Abrechnung über Verletzungen in Beziehungen, würde das Portfolio von PREFAB SPROUT gut ergänzen. Der hohe Pop-Anteil, die feinen Synthies im Hintergrund und die zuckerwattige Inszenierung nehmen jede Härte heraus und sorgen dafür, dass das Lied im Kopf bleibt. Haltung durch Zurückhaltung. Gleich darauf gießen JOYCE MANOR ihre Formel in einen AGAINST ME!-artigen, mäandernden Gitarren-und-Drum-Ritt.
Das Beste gebündelt
„I Used To Go To This Bar“ von JOYCE MANOR empfiehlt sich dank der unaufgeregten, aber stabilen Präsenz für die Dauerschleife. Durch die häufig ineinanderlaufenden Gesänge und sich überkreuzenden Rhythmen profitiert die Platte von einer übertragbaren Einigkeit. Man schließt sich gerne an. Eine gut abgestimmte Bündelung von allem Guten, was diese Band ausmacht.
Dauer: 24:03
Label: Epitaph
VÖ: 30.01.2026
Tracklist „I Used To Go To This Bar“ von JOYCE MANOR
I Know Where Mark Chen Lives
Falling Into It
All My Friends Are So Depressed
Well, Whatever It Was
I Used To Go To This Bar
After All You Put Me Through
The Opossum
Well, Don’t It Seem LikeYou’ve Been Here Before?
Grey Guitar
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