Jules Ahoi Dear

Jules Ahoi – Dear___ – Review

JULES AHOI ist ein Musiker aus Köln und dass er auch ein Surfer ist, der sich gerne mal auf die Reisen begibt, ist für das Verständnis des ersten Albums “Dear___” nicht unwesentlich. Die Freiheitsliebe, der Künstler selbst und der Bandname, alles vermittelt eine gewisse Leichtigkeit und Spaß am Leben. Dementsprechend überraschend und auch teilweise irritierend, ist die Tatsache, dass das stark poppige Album in erster Linie fast zerbrechlich und eher introvertiert wirkt.

JULES AHOI, 2020

Schwerer Einstieg

Der Opener “3am” wirkt schon beinahe dramatisch, JULES AHOI verzichten auf einen lockerflockigen Einstieg. Die Ouvertüre zu einem gruseligen Film liegt hier näher, als die zu einem musikalischen Tagebuch eines Weltenbummlers. Die Uhrzeit im Titel gibt natürlich Hinweise auf die Enstehung des Songs. Der Gesang von JULES AHOI ist speziell, der ehemalige Rapper folgt einem ungewöhnlichen Rhythmus und seine Stimme bricht oft mitten im Vers. Das leere Feld im Albumtitel “Dear___” scheint schnell gefüllt, es geht wohl in erster Linie um den Künstler selbst. Dass er sich viele Gedanken zu den einzelnen Songs gemacht hat, kann man auf seinen Social-Media-Kanälen nachlesen.

Trauriger Unterton

“Oh Agnes” ist der offensichtlichste Hit auf “Dear___”. Es wirkt, als ob der Songs erst auf Akustikgitarre entstand und dann im Sinne der Massentauglichkeit etwas aufgeblasen wurde. Das Besondere – auch hier wird sich die Hörerschaft in mindestens zwei Lager spalten – ist die gewisse Traurigkeit, die immer unterschwellig mitschwingt und mit der sich JULES AHOI dann doch dem Mainstream verweigern. Grundsätzlich hat “Dear___” sehr viele schöne Momente. Der knisternde Einstieg zum einlullenden Klingklang in “MOUNT IAM” oder das Instrumentale “Sonate du Courage (Cmaj / freckles pt. II)” , sowie die generelle Zaghaftigkeit.

Viel Material, zu wenig Varianz

Der Song “Somebody” wurde dann gleich in mehreren Versionen bereitgestellt, obwohl er diese Mehrschichtigkeit nicht hergibt und eigentlich eher vom sehr (!) eingängigen Refrain lebt. Aber eben nicht gefühlt drölfhundert Mal hintereinander und 50 Minuten sind beim ersten Aufschlag für ein Pop-Album einfach zu viel. Einige Songs ähnlichen sich in ihrem Aufbau und etwas mehr Schliff und Mut zur Straffung wären wünschenswert gewesen. Unterm Strich fehlen dann doch die interessanten musikalischen Einflüsse und Inspirationen, die JULES AHOI für uns auf seinen Reisen hätte einpacken können. Letztendlich ist das aber auch abhängig von der Erwartungshaltung, die man als HörerIn mitbringt. Reisende werden nicht zwingend mit ausschließlich schönen Dingen konfrontiert oder grundsätzlich von außen beeinflusst. Meisten trifft man, egal wie weit man wegfährt, dann doch nur auf sich selbst.

Dauer: 50:18
Label: Moon Blvd. Records (Tonpool)
VÖ: 12.06.2020

Tracklist “Dear___” von JULES AHOI
3 AM
Oh, Agnes
( void )
MOUNT IAM
Sonate du Courage (Cmaj / freckles pt. II)
freckles
Time Will Tell
januarysteps (Skit)
to become
Someone
Oviedo
to become (Acoustic)
Strangest Thing. (Demo)
Somebody
Somebody (Radio Edit)

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