Kaak – Sterben (EP) – Review
Mit krachigen Gitarren bewaffnet, dem Kopf voller Zweifel und dem festen Willen, mehr als nur am Leben zu sein, sind KAAK bereit für mehr Aufmerksamkeit. Um zu „Sterben“, muss man nicht zwingend tot sein – das ist der thematische Mittelpunkt der EP, die die Hannoveraner nach einer kurzen Pause in neuer Besetzung veröffentlichen. Das Debütalbum scheint rückblickend etwas übermotiviert: 13 Songs und zu 12 davon ein wertiges Video. Die angemessene Aufmerksamkeit haben KAAK leider trotzdem bisher noch nicht. Die Chancen, dass sich das mit der EP „Sterben“ ändert, stehen allerdings sehr gut. Stabiler Emo-Post-Hardcore im Bündnis mit neu erstarktem Grunge wirbelt die Emotionen kräftig durcheinander.

Mit dem Kopf im Ventilator
„Sterben“ von KAAK kehrt die nihilistische Stimmung der letzten Jahre musikalisch zusammen, gibt die eigene Perspektive dazu und erzeugt dadurch eine angenehm verbindende Stimmung. Lamoryantes Texten liegt dem Gitarristen und markanten Sänger Leon nicht, dementsprechend sind die vier Lieder klar verständlich und haben trotzdem angemessenen Tiefgang. Musikalisch zehren KAAK von den Tricks und Kniffen des wieder zaghaft aufflammenden Grunge-Fiebers: kantig, nach unten drückend und trotzdem nach vorne zerrend. Genau im richtigen Verhältnis mischt das Quartett schmutzige Riffs mit griffigen Melodien („Ketten“).
Mehr als nur am Leben sein
Es tut KAAK verdammt gut, den Ehrgeiz hintenanzustellen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Musikalisch und textlich gerade noch passend geschliffen, trotzdem nicht gefällig oder gar formelhaft. Die „Predigt“ ist eine an sich selbst gestellte, die im Finale erst wütend eskaliert, bis Bass und Drums den Druck etwas mildern. Es ist angenehm, dass KAAK nicht das große politische Fass aufmachen, keine Agenda abhaken und stattdessen von dem berichten, was davon im Alltag und im Herzen ankommt. Es geht um das laute Schweigen in richtigen Momenten, sich selbst und anderen gegenüber. Und um das Gefühl, bis zum Knie im Moor der Wiederholungen festzustecken und vor lauter Überlegen und Hadern das Leben zu verpassen.
„Sterben“ ist angenehm zeitlos und der vertonte dringende Wille, mehr als nur am Leben sein zu wollen.
Dauer: 12:00
Label: Eigenproduktion
VÖ: 23.01.2026
Tracklist „Sterben“ von KAAK
Sterben
Ketten
Predigt
Ventilator
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